Das aktuelle Wetter NRW 23°C
Innovation

In Nimwegen entsteht Kreativquartier in alter Suppenfabrik

17.01.2016 | 21:09 Uhr
Katerien Bast-ter Meulen und Jeroen Bomers.Foto: Christoph Karl Banski

Nimwegen.   Auf dem ehemaligen Honig-Areal am Waalufer in Nimwegen ist ein junges und buntes Kreativquartier entstanden. Mit möglichst wenig Regeln und viel Engagement.

Er ist nicht zu übersehen am Waalufer in Nimwegen, der braunbeige Siloturm mit dem roten Schriftzug Honig. In der ehemaligen Lebensmittelfabrik wurde vor rund vier Jahren die letzte Trockensuppe sowie das letzte Puddingpulver in die Tüte gefüllt und die Produktion an andere Standorte in den Niederlanden verlagert. Doch auf dem Gelände herrscht kein Stillstand.

Die Gemeinde Nimwegen hatte das 33 000 Quadratmeter große Grundstück zügig vom US-amerikanischen Lebensmittelkonzern Heinz für rund 60 Millionen Euro übernommen, um eine Folgenutzung des stadtnah gelegenen Areals zu gewährleisten.

Doch die - seit der Finanzkrise - lahmende Baukonjunktur in den Niederlanden machte zunächst alle ambitionierten Plänen zunichte. Also vermietete der eigens gegründete Entwicklungsbetrieb Waalfront die Hallen für einen geringen Preis an junge Unternehmen und Kreative. Ohne viele Vorgaben und Reglementierung. „Lediglich die Betriebskosten müssen erwirtschaftet werden“ erklärt Projektentwickler Wout van Hees.

Kommerzielle Vermarktung startet 2022

Doch zwei zentrale Punkte sind der Stadt wichtig. Erstens: Die Projekte sollen Anziehungskraft haben, um das jahrzehntelang abgeriegelte Gelände in der Bevölkerung bekannt zu machen. Zweitens: Die Nutzung der Räumlichkeiten bleibt auf acht Jahre beschränkt. Spätestens am 1. Januar 2022 ist Schluss, dann soll endgültig die kommerzielle Vermarktung starten.

Neues Leben in der Suppenfabrik

Schon in den ersten Jahren ist auf dem Gelände des Honig-Komplexes neues Leben entstanden, es gilt als der neue Treffpunkt der gelderschen Studentenstadt. Direkt an der Waal wurden Cafés und Restaurants eröffnet, die Mikrobrauerei Oersoep bietet eine ganzes Arsenal selbstgebrauter Biere an. In den Hallen haben Fitnessstudios ihre Geräte aufgestellt, eine Fahrradfabrik konzentriert sich auf Spezialmodelle.

Haus aus Pappkartons

Aber auch Kreative haben dort sich niedergelassen. Wie zum Beispiel der Künstler Jeroen Bomers. Er hat zusammen mit der Stiftung „Fabrikaat“ ein Haus aus Pappkartons gebaut, die zum großen Teil aus dem Abfall der Universitätsklinik stammen. Es verfügt über ein Wohnzimmer mit Küche, ein Arbeitszimmer und ein Schlafzimmer unter dem Dach. Von dort aus kann der Besucher durch ein Loch in der Plastikfassade hinüber auf die andere Waalseite nach Lent sehen. Dort soll das nächste Projekt der Kunststiftung entstehen, ein Haus auf Stahlröhren mit verschiedenen Nutzungen auf jeweils 25 Quadratmeter großen Grundflächen. In den Pappkartons kann auch übernachtet werden. Normalerweise dient das Haus als außergewöhnlicher Tagungsort und kann für einen Preis ab 200 € angemietet werden.

Das Haus aus Pappkartons . Foto: Christoph Karl Banski

Aber was soll dann aus dem Gelände werden, wenn die Verträge auslaufen? „Einige zentrale Gebäude und der Silo-Turm werden vielleicht erhalten bleiben“, erklärt Wout van Hees. An den Randbereichen des Geländes werden rund 2000 neue Wohneinheiten entstehen. An der Handelskade direkt an der Waal sind schon die ersten Hochhäuser, am Koningsdaal stattliche Herrenhäuser im Bau. „Im zentralen Bereich soll weiter Gewerbe möglich sein“, so der Projektentwickler.

Geschichte der Fabrik

1914 errichteten die Gebrüder Honig in Nimwegen am Waalufer eine Fabrik für Weizenstärke. Später wurden dort auch unter anderem die Tütensuppen hergestellt, für die die Marke Honig in den Niederlanden bekannt ist.

2001 wurde das bis dahin im Familienbesitz befindliche Unternehmen vom US-Lebensmittelkonzern Heinz (Ketchup) aufgekauft.

2012 stellte der Konzern nach fast 100 Jahren die Produktion am Waalufer ein und errichtete an anderer Stelle in Nimwegen ein neues Innovationszentrum. Nach langen Verhandlungen kaufte die Stadt für 60 Millionen Euro das Gelände und stellte es jungen Unternehmen für eine Startphase zur Verfügung.

2022 muss das letzte Unternehmen das Gelände räumen.

Markus Peters

Kommentare
Funktionen
Fotos und Videos
16. Moerser Rocknacht
Bildgalerie
Open Air
Dong Open Air 2016
Bildgalerie
Festival
Hallo Radler!
Bildgalerie
NRW-Radtour
article
11472378
In Nimwegen entsteht Kreativquartier in alter Suppenfabrik
In Nimwegen entsteht Kreativquartier in alter Suppenfabrik
$description$
http://www.derwesten.de/region/niederrhein/in-nimwegen-entsteht-kreativquartier-in-alter-suppenfabrik-id11472378.html
2016-01-17 21:09
Niederrhein