Im Zeichen der Tulpe

Mit dem Flüsterboot durch die Tulpenfelder.
Mit dem Flüsterboot durch die Tulpenfelder.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Man kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Sieben Millionen Blumenzwiebeln sind erwacht im Keukenhof in Lisse. Und wer sich traut, lässt sich ein Blumen-Menü servieren...

Lisse..  Sie ist wieder ausgebrochen, die Tulpomanie. Und nicht nur bei den Niederländern. Neinnein, Japaner und Belgier, Chinesen, so viele Osteuropäer, Deutsche und Finnen, Spanier und, ja, sogar Briten – der „schönste Frühlingspark der Welt“ ist ein Schmelztiegel wahrer Blumenfreunde. Mehr als 40.000 Besucher an einem einzigen Tag – „die ganze Welt ist in Frieden bei uns“, strahlt Annemarie Gerards, Public Relations Managerin im Keukenhof in Lisse. Acht Wochen im Jahr hat der 32 Hektar große Park nur geöffnet, eine Million Besucher haben das im letzten Frühjahr genutzt. Man kann sie verstehen. Die Blumenshow zeigt im 66. Jahr, was Züchter, Händler und Designer aus einfachen Knollen zaubern können – im Mittelpunkt steht der Star: die Tulpe.

Tulpen gucken

So weit das Auge reicht: Tulpen. Und was für welche: franselige und glockenförmige, tulpige und nelkenähnliche, manche sehen sogar aus wie Rosen – blaue und rote, gelbe und violette, manche haben lustige Namen wie etwa Spongebob oder Yellow Wave, manche sind berühmt und fallen doch im Meer der Abertausenden kaum auf – wie die kräftig violette „Cathay“, die Chinas First Lady im vergangenen Frühjahr mit einem Glas Champagner taufte.

Martin Elling ist 25 Jahre jung und der Park-Designer. Will heißen, er hat sich ausgedacht, was in welcher Ecke des zum Teil mit wunderbar alten Bäumen bestückten Geländes wann und wie blühen soll. Er hat auch das Blumenmosaik „erfunden“, dass an Vincent van Gogh erinnern soll und an dem die Menschen stehen bleiben, sich verwundert die Augen reiben und dann nur noch eines sagen: „Oooh.“

Dreißig Gärtner haben die bunte Pracht in den Park gebracht, einer von ihnen ist Luud ter Laak. Und der Mann ist Experte in Sachen „Lasagnetechnik“. Denn damit möglichst immer etwas blüht in einem Beet, werden verschiedene Blumenzwiebeln in verschiedenen Schichten gepflanzt. Die Frühblüher ganz oben, die Aprilblüher darunter und ganz tief dann die spät blühenden Sorten. Luuds Tipp: Pflanzen Sie ab Ende September zunächst die Tulpe „Claudia“ oder „Queen of Night“ etwa 20 cm tief. Abdecken und dann Hyazinthen und die Tulpe „Hearts Delight“ etwa in zehn Zentimetern Tiefe versenken. Wieder Erde drauf und dann zum Schluss Krokusse oder Narzissen einbringen, wieder Erde drauf – und sich dann ab April überraschen lassen...

Tulpen essen

Das sollten Sie nicht unbedingt im Keukenhof tun – aber im Örtchen Lisse etwa. Da haben sich Ton und Ellen Freriks für ihr gemütliches Restaurant „De Vier Seizonen“ in diesem Jahr das Blumen-Menü ausgedacht. Höhepunkt: die in Tempurateig gebackene Tulpenblüte (schmeckt wie Chicoree), das Lavendelsößchen zum Lamm und das Rosenparfait zum Dessert. Es empfiehlt sich, Letzeres mit einem Schnaps etwas zu mildern...

Eine Viertelstunde Autofahrt weiter ist Rob Lammers mit seinem Team auch blumig kreativ geworden: Mitten in der wirklich wundervollen Welt der Dünen bei Noordwijk wird das Keukenhof-Menü serviert. Unter anderem... (Strandplaats Nederzandt, www.etenbijnederzandt.nl).

Tulpen pflücken

Das kann man da, wo die Tulpen wachsen, die in Lisse bei Ton und Ellen auf die Teller kommen: Biologisch angebaut, ohne Chemie aber mit viel Liebe umsorgt wachsen 200.000 Tulpen gerade zu einem prächtigen Beet heran. In Annemiekes Pluktuin, in Hillegom, sechs Kilometer vom Keukenhof entfernt. Annemieke hat viele Jahre als Psychologin gearbeitet, hat dann aber umgesattelt und bietet nun mit Ehemann Pieter nicht nur Abertausenden von Blumen ein neues Zuhause sondern auch rund 30 jungen Leuten mit psychologischem Handicap eine feste Beschäftigung. Im Frühjahr geben die Tulpen den Ton an – kann man bis etwa Mitte Mai bestaunen und selber ernten – 300 verschiedene Sorten, 20 Cent pro Tulpe. (www. annemiekespluktiun.nl)

Tipp für alle Nichtblumenpflückenwoller: Schräg gegenüber wartet eine einzigartige Sammlung von Ford-Oldtimern auf Ihren Besuch. Im Den Hartogh Ford Museum in Hillegom sind 209 uralte Fords aus der Zeit zwischen 1903 – 1947 in Stellung gebracht – vom Popcornwagen bis zum Rotekreuzauto, vom Al Capone-Modell bis zum A-Ford Pheaton. (www.fordmuseum.nl)