Im Auge des Betrachters

Am Niederrhein..  Von weitem und auf den ersten Blick wirken sie wie gedruckt, die Bilder des Johann Hendrix. Es ist nicht das einzige, was den Betrachter seiner Porträts irritiert. Irgendwie scheinen die Gesichter, die er malt, dieser Welt ein wenig, nun ja, entrückt.

Der Künstler selbst spricht lieber von einer gewissen Ewigkeit und Unsterblichkeit, die er den Köpfen auf der Leinwand durch seinen eigenwilligen Stil verleiht.

Auch deshalb stellt der Mann aus Duisburg-Rheinhausen nun in Xanten aus: im Drei-Giebel-Haus gegenüber dem Dom, sprich bei den Heiligen, lateinisch: ad sanctos. Der uralte Name der uralten Stadt gibt der Ausstellung von 25 Werken ihren Namen.

Schönheit auf der ganzen Linie

Zu sehen sind also vor allem Porträts von Verwandten, Bekannten und Freunden, auch von seiner Frau und sich selbst. Darüber hinaus werden Landschaften gezeigt, die ebenso Momentaufnahmen sind, und dennoch zeitlos erscheinen. In diesem gewollten Widerspruch liegt die Spannung der Bilder begründet, die Johann Hendrix mit einer handwerklichen Genauigkeit plant, die dann doch überrascht. Er arbeitet viel mit Lineal und Zollstock.

In seinem Atelier, nah am Hochemmericher Markt in Rheinhausen gelegen, beginnt er seine Arbeit mit einem Dia oder Foto des Motivs, das er erst mit Bleistift und dann mit Ölfarbe auf die Leinwand bringt. So weit, so einfach. Denn das wirklich Schwierige, wie er betont, beginnt jetzt, und kann auch schon mal ein paar Tage dauern.

Mag der nun folgende Vergleich auch ein wenig anmaßend klingen, im Grunde genommen folgt Johann Hendrix bei seiner Arbeit dem alten niederländischen Meister Piet Mondrian. Auch er möchte durch das Gleichgewicht von Farben, Flächen und Linien ein harmonisches Gesamtbild schaffen. Es gelingt ihm, ohne langweilig zu sein.

Dazu teilt der Künstler ein Motiv in einzelne und unterschiedlich große Flächen auf. Die neu entstandenen Rechtecke und Quadrate füllt er mit zueinander passenden Farben, ohne dabei das Motiv bis zur Unkenntlichkeit zu verfremden.

Im Gesicht, zum Beispiel, bleibt ein Auge ein Auge, eine Nase eine Nase, ein Mund ein Mund, alles ist weiterhin gut zu erkennen.

Aber dennoch verändert sich durch diese Geometrisierung, diese Zerlegung in unzählige Einzelteile, der Gesamteindruck – und zwar entscheidend. Die Gesichter wirken nunmehr seltsam glatt und unnatürlich abstrakt.

Erstaunlich dabei ist: Was sich zunächst nach einer Entmenschlichung anhört, führt vielleicht zum charakteristischen Kern einer Person. Gerade weil dem Bild die realistische Anmutung entzogen wurde, rücken wenige, vielleicht wesentliche Wesenszüge in den Blickpunkt.

Oft spielen die Augen in den Porträts von Johann Hendrix eine bedeutende Rolle. In seinen Bildern scheinen sie wirklich ein Spiegel der Seele zu sein. Mal forsch oder fordernd, mal milde oder sanftmütig, mal streng oder wachsam blicken diese unbekannten Menschen den Betrachter an – und geben einen ersten Eindruck davon, wer sie sind und wie sie ticken.

Ob dieser Eindruck täuscht, kann und soll an dieser Stelle nicht aufgeklärt werden. Johann Hendrix geht es darum, ein anderes aber wiederzuerkennendes Abbild eines Menschen zu schaffen. Lange hat der Schüler des Malers und Bildhauers Volkram Anton Scharf gebraucht, um seinen Stil zu finden. Mit 58 Jahren ist er mit seiner Kunst da, sagt er, wo er hin wollte.