Ideal ist noch nichts in der Lebenssituation von Menschen mit Behinderung

Foto: Horstgünter Siemon.
Foto: Horstgünter Siemon.
Foto: Horstgünter Siemon
Der Sozialverband VdK und kommunale Behindertenbeauftragte kritisieren die ganz und gar nicht befriedigende Lage .

Am Niederrhein..  Bei einer Tagung des Sozialverbands VdK und kommunalen Behindertenbeauftragte aus der Region wurde deutlich, dass es noch viel zu tun gibt, bis die Ziele der UN-Behindertenrechtskonvention erreicht werden sollen.

Die Lebenssituation von Menschen mit Behinderung ist am Niederrhein nicht befriedigend. Dies ist das Ergebnis einer Tagung von Vertretern des Sozialverbands VdK und 14 kommunalen Behindertenbeauftragten gestern in Rheinberg.

Das Ziel, bis 2015 alle Schulen behindertengerecht auszustatten, werde wohl verfehlt. „Es ist ein langer Weg. Die Hauptsache ist, dass er überhaupt gegangen wird“, sagt Horst Vöge, VdK-Vorsitzender des Kreisverbandes Niederrhein. Es fehle an Verbindlichkeit. Ein „Inklusionsplan“, der die Zuständigkeiten von Kommunen, Land und Bund auf dem Weg zu mehr gesellschaftlicher Gleichheit regelt, lasse seitens des Landes auf sich warten - und wird wohl erst nächstes Jahr in Kraft treten.

Schon heute sei der Handlungsbedarf sehr groß. Besonders bei den Schulen. In vier Jahren sollen behinderte und nicht-behinderte Kinder gemeinsam lernen. Vielerorts verhindere dies aber die bauliche und personelle Situation. Es mangele an speziell geschulten Angestellten. Auch Klassen mit über 30 Schülern seien ein Problem für die optimale Betreuung aller Kinder.

Auch wenn Förderschulen nicht verschwinden werden, gel­te es „nach ortsnahen Lösungen zu suchen, wie das Zusammenführen verschiedener Schulformen gelingt“, so VdK-Geschäftsführer Robert Walter. Positiv-Beispiele gebe es aber auch: Schon seit den 70er Jahren habe sich etwa Moers Gedanken über integrative Maßnahmen gemacht - nicht nur im schulischen Bereich.

Ebenfalls in der Kritik des Sozialverbands ist der öffentliche Nahverkehr, auf den Menschen mit Behinderung verstärkt angewiesen sind. Nicht-barrierefreie Busse, zu klein gedruckte Fahrpläne, kundenfeindliche Taktungen: „Allerorts sind wir weit vom Idealzustand entfernt“, sagt Erika Morsch, Behindertenbeauftragte beim Kreis Wesel. An einem Nahverkehrsplan werde gearbeitet. Er soll 2012 im Kreis Wesel stehen.

Und auch die ärztliche Versorgung beunruhigt den VdK. „In fünf Jahren werden wir mit Ausnahme der Innenstädte einen flächendeckenden Ärztemangel haben“, warnt Vöge. Arztbesuche werden dann mit längeren Wartezeiten und Anreisen verbunden sein.

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