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„Ich muss kein Rockstar mehr werden!“

14.06.2012 | 19:03 Uhr
„Ich muss kein Rockstar mehr werden!“
Die lieben Wölfe auf dem offiziellen

Krefeld/Rheinberg.   Alexander Classen von der Krefelder Kultband „Dear Wolf“ hat mit „Hello Stars“ ein neues Album vorgelegt

Alexander Classen war gerade Anfang 40, als er sich im Jahr 2003 einer Herzklappen-OP unterziehen musste. Heute könnte er schwören, dass „das nicht passiert wäre, wenn ich damals glücklich gewesen wäre“. Es war, wie er sagt, die Musik, die immer in ihm drin steckte und nicht raus konnte.

Also zog der Krefelder mit den Jungs wieder in den Proberaum und holte die Band Dear Wolf, die Anfang der neunziger Jahre Furore in der Independent-Szene gemacht und die Bühne mit Größen wie Slash oder Roger Taylor von Queen geteilt hatte, aus der Versenkung. Dear Wolf lebt, die Kultkombo hat jetzt mit „Hello Stars“ ihr siebtes Album veröffentlicht, und Alexander Classen ist ein glücklicher Mensch.

Als die Band, deren Köpfe damals wie heute Sänger Classen, Gitarrist Martin Smeets und Oliver Griethe (Drums) und Tobias Kirsten (Bass) sind, 1989 ihr Debütalbum auf Vynil heraus brachte, wurde ihr eine große Zukunft bescheinigt. „Es ist Definitionssache, was man unter Erfolg versteht“, sagt der heute 51-jährige Classen. Geld sei nie der ausschlaggebende Faktor gewesen. „Ich wollte Platten machen, touren, Platten machen, touren - und davon leben.“ Das klappte auch eine ganze Zeit lang ganz gut. Doch irgendwann ging den lieben Wölfen einfach der Biss verloren. Classen: „Der Markt ändert sich, dann werden die Auftrittsmöglichkeiten rückläufig, und irgendwann geht dir die Puste aus.“ Es waren also nicht musikalische Differenzen, die 1997 zur Auflösung von Dear Wolf führten, sondern - sagen wir - fehlende Kondition.

Hinfallen und wieder aufstehen

Agenturchefin Bianca Eysenbrandt und Bandleader Alexander Classen.

Nach der Wiedervereinigung 2005 und einem weiteren Album 2008 (The Falldownstandup) brauchten die Wölfe vier Jahre, um „Hello Stars“ vorzulegen. Darauf zwölf Songs, die immer noch ein bisschen nach achtziger Jahre klingen und die sehr präsente Stimme Classens, die immer noch ein bisschen nach Morrissey klingt, dem Sänger der legendären Smiths. Das alles ist gut, wie es ist. Würden die Radiosender Songs wie „Revenge“ regelmäßig spielen, würden sie in den Charts ganz nach oben klettern. Kurzum: Dear Wolf verkaufen sich auf „Hello Stars“ reifer und besser denn je. Oder wie es Bandleader Classen sagt: „Deine Musik entwickelt sich weiter, ohne ihre Vergangenheit und deine eigenen Erfahrungen vergessen zu können.“

Die Rheinbergerin Bianca Eysenbrandt, die mit ihrer Agentur „Sesli Booking“ eigentlich nur türkischsprachige Rockbands auf die Konzertbühnen vermitteln wollte, hat eigens für Dear Wolf ihr Konzept erweitert. „Als ich nach einem Konzert von Dear Wolf erfahren habe, dass die Band auch noch einen Booker sucht, konnte ich nicht Nein sagen.“ Die 37-Jährige bucht seit einiger Zeit Konzerte für die Krefelder Kombo. „Ich habe bei Festivals angefragt, auch in kleineren Hallen“, sagt sie. Und was ihr dabei oft begegnet sei, war die ablehnende Haltung gegenüber einer Band, deren Mitglieder älter als vierzig Jahre sind. „Die Veranstalter sagen dann oft, was sollen wir mit einer Band, die es vor 20 Jahren schon nicht geschafft hat?“ Als hinge musikalische Qualität von der Anzahl der Geburtstagsfeiern ab.

Keine Radioeinsätze

Was Alexander Classen indes ärgert, ist der „Zustand in der Medienlandschaft“. „Ich weiß nicht, was man tun muss, um Radioeinsätze zu bekommen“, sagt der Sänger und Songwriter, der heute bei den Maltesern mit geistig und körperlich behinderten Menschen zu tun hat. „Im Radio gibt’s viel von der Stange. Dabei dachte ich immer, die öffentlich-rechtlichen Sender hätten einen Bildungsauftrag.“ Doch es ist etwa nicht so, dass Dear Wolf dabei die Puste ausginge. Die erste Single „Revenge“ ist draußen, bald folgt die zweite Auskopplung „Sketch of the Universe“. Gemeinsam mit der Plattenfirma „Fuego“ fahren die Wölfe die Taktik der kleinen Schritte, aber auch mit der nötigen Gelassenheit. „Ich muss kein Rockstar mehr werden“, sagt Classen. Aber die Musik, die in ihm drin ist, die muss raus.

Stephan Wappner



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