Niederrhein
Hohe Schule
15.01.2010 | 18:28 Uhr 2010-01-15T18:28:00+0100
Am Niederrhein. Die Präsidentin Marie-Louise Klotz leistet beim Aufbau der Hochschule Rhein-Waal in Kleve und Kamp-Lintfort eine Herkulesaufgabe. Ein Porträt.
Die Frau macht Tempo. Marie-Louise Klotz hat einen straffen Arbeitsalltag, ein Termin jagt den nächsten. Sie spricht schnell, präzise, klar strukturiert. Die Präsidentin der Hochschule Rhein-Waal steckt voller Ideen und hat jede Menge Tatendrang. 100 Dinge erledigt sie zeitgleich, unzählige Konferenzen sind abzuarbeiten, sie muss sich um den Hochschulneubau in Kleve und Kamp-Lintfort kümmern, das Studium an beiden Standorten auf die Beine stellen, die Prüfungsordnungen erstellen, Kooperationen schließen und Kontakte zur örtlichen Wirtschaft knüpfen. Gäbe es die leibhaftige Verkörperung einer modernen, mehrarmigen Hindugöttin: Sie würde sicher an der Landwehr 4 in Kleve arbeiten.
Der Baubeginn des neuen Hochschulcampus' in Kleve steht unmittelbar bevor und Professorin Klotz sitzt bei den Planungsrunden immer am Tisch. Das grobe Gerüst des 130 Millionen Euro teuren Neubaus steht, jetzt geht es um unzählige Details, um die Ausstattung der Räume, bis hin zur Farbe des Bodenbelages: „Vieles muss überarbeitet, angepasst und diskutiert werden”, sagt Marie-Louise Klotz. Erst in der Praxis erfahre man, ob eine Idee auch umsetzbar und belastbar ist. „So viele Hochschulen habe ich in meinem Leben ja auch noch nicht gebaut.”
Die täglichen Herausforderungen
Gemeinsam mit ihrem Vize-Präsidenten Dr. Martin Goch ist sie die alleinige Entscheidungsträgerin für die Hochschule. Auch das sei eine besondere Herausforderung. Zurzeit diskutiere man am Standort Kleve, ob der Neubau mit regenerativen Energien versehen werden kann. Aber Investitionen in Erdwärme, Luftwärme oder Photovoltaik sind offensichtlich zu teuer für das festgelegte Budget. „Andererseits sind wir der Meinung, dass eine neue Hochschule eine Vorbildfunktion haben sollte”, sagt Marie-Louise Klotz. Und dies gelte natürlich auch für den Einsatz von Zukunftsenergien und Wärmedämmung: „Wir wollen ja keinen Standard, sondern etwas Außergewöhnliches.”
Der Bauzaun am Klever Spoykanal steht bereits, die ersten Abrissarbeiten alter Gebäude werden bis zum Ende des Monats erfolgen. Im Februar liegt dann die Baugenehmigung vor und im Mai soll der Startschuss für das erste neue Gebäude erfolgen. Der Kreis Kleve und die Stadt ziehen an einem Strang, um das Jahrhundertprojekt bis 2012 zu realisieren.
Die nächste Großbaustelle wartet
Auch in Kamp-Lintfort stehen die Vorzeichen mittlerweile auf Grün. Vor Weihnachten wurden die Kaufverträge zwischen dem Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes, der RAG und der Stadt Kamp-Lintfort unterzeichnet. Der Architektenwettbewerb für die Errichtung der Neubauten wird jetzt ausgeschrieben, sagt Klotz. Die nächste Großbaustelle wartet auf sie...
Die Präsidentin wünscht, dass sich beide Standorte international ausrichten. Die Homepage www.hochschule-rhein-waal.de soll auf Englisch und Chinesisch erscheinen. In Kürze wird Marie-Louise Klotz nach China, Bangladesh, Russland und in die USA reisen, um dort für die Hochschule zu werben. Studierende aus Pakistan und Nepal hätten bereits angefragt.
Die Euphorie für das Projekt ist da. Kooperationen wurden schon mit der Krankenhausstiftung ProHomine eingegangen, mit dem Berufskolleg des Kreises und der Hochschule Arnheim-Nimwegen. Die Verzahnung von Bildung und Wirtschaft ist bereits Realität. Zwei Stiftungsprofessuren liegen auf dem Tisch. Und die Wirtschaft greife immer wieder finanziell unter die Arme. Woran es noch hapert, seien Ausbildungsplätze, die Studium und Beruf ermöglichen. „Da muss man Klinken putzen”, sagt Marie-Louise Klotz.
Die Hochschule wächst rasant: In diesem Jahr werde man 102 neue Stellen ausschreiben und 950 Studierende an beiden Standorten zählen, so Klotz.
0mitdiskutieren