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Siegfried-Spektakel

Heimsieg für den Drachentöter

20.05.2012 | 19:56 Uhr
Drachenvorführung beim Siegfriedspektakel in Xanten. Foto: Bernd Lauter / WAZ FotoPool

Xanten. Das Ritterturnier war einer der Höhepunkte beim Xantener Siegfried-Spektakel .

Das Volk zu Xanten kennt kein Halten mehr und erst recht keine Verwandten. Es will das finale Duell sehen: Siegmund gegen Siegfried, der König gegen den Drachentöter, der Vater gegen den Sohn. In Sechserreihen drängen sich die rund 250 Zuschauer um den Turnierplatz im Park am Nordwall. Mit rhythmischem Klatschen fordern sie die Entscheidung im Kampf um die Krone von Xanten.

Die beiden Reiter, die in voller Ritterrüstung auf ihren Pferden sitzen, zieren sich noch ein bisschen, gegeneinander anzutreten. Doch dem Sog der Masse können sich die stolzen Kämpfer nicht entziehen. Ein kurzer Trommelwirbel, dann galoppieren die Schlachtrosse der Kontrahenten aufeinander los. Beim ersten Mal verfehlen sie die Ritter noch mit ihren Lanzen. Aber im zweiten Anlauf rammt Siegfried die Lanze mit voller Wucht vor das Holzschild seines Vaters. Späne wirbeln auf, Siegmund wankt und kann sich nicht im Sattel halten. Der König, der seine Krone gerade an den Sohn verloren hat, liegt jetzt wie ein Käfer auf dem Rücken im Gras.

In diesem Moment ist es wirklich ein Spektakel

Siegfried hat das Duell gewonnen. Heimsieg für den Drachentöter. Die Zuschauer jubeln. Und in diesem Moment beim Ritterturnier ist das Siegfried-Spektakel wirklich: ein Spektakel. Mit Show-Rittern, die ihr Handwerk verstehen. Mit einem Herold, der das Turnier lustig und kindgerecht moderiert. Und mit vielen vor allem jungen Zuschauern, die sich vor Staunen die Augen reiben.

Es passt einfach an diesem Samstag, dem dritten Tag des viertägigen Siegfried-Spektakels. Die Sonne hat die Eisheiligen ausgesessen und strahlt vom Himmel. Die Besucher tröpfeln jetzt zur Mittagszeit nicht mehr wie noch am Morgen – sie strömen. Und die Kulisse mit dem Dom im Hintergrund, der Stadtmauer, der Krimhildmühle und dem Klever Tor sucht sowieso ihresgleichen für ein Mittelalter-Festival.

Drachen und Gaukler

Solche Rahmenbedingungen gepaart mit Xantens Erwähnung als Heimat von Siegfried, dem Drachentöter, in der Nibelungensage: Da verwundert es fast, dass sich die Stadt in Gestalt der Tourist Information Xanten (TIX) erst 2003 ihrer Siegfried-Wurzeln erinnerte und das Fest zu Siegfrieds Ehren erstmals auf die Beine stellte. Seither hat sich das Siegfried-Spektakel, das die TIX gemeinsam mit der Mittelalter-Agentur „Sündenfrei“ organisiert, am Himmelfahrtswochenende auch überregional etabliert. Zum Jubiläum kamen jetzt nach TIX-Angaben 16 000 Besucher nach Xanten. „Das ist ein neuer Rekord“, sagt TIX-Chef Peter Friese.

Einer der Besucher ist Felix Franzke aus Hamburg. Der 10-Jährige steht in einem Verkaufsstand und wiegt ein Kurzschwert in der Hand. „Ich bin Florettfechter im Verein und suche eine Waffe“, sagt Felix, der übers Wochenende bei seiner Tante in Bocholt zu Besuch ist. Felix ist ganz begeistert von dem Schwert, sein Vater aber nicht vom Preis: 180 Euro kostet die handgeschmiedete Waffe.

Natürlich gibt es auch beim Siegfried-Spektakel die typischen Stände wie auf jedem Mittelalter-Markt: vom Schmid über die Kräuterstände bis zu Leder- oder Fellhändlern. Aber zuallererst soll es ein Fest für die ganze Familie sein: mit vielen kindgerechten Angeboten.

Eines dieser Angebote ist die mittelalterliche Falknerei, die ein paar Meter weiter ihre Zelte aufgeschlagen hat. Die Schlange ist lang, junge Familien mit Kindern wollen die Greifvögel aus der Nähe sehen. Die fünfjährige Emily aus Essen streichelt dem Uhu Hugo gerade übers Gefieder und sagt: „Boah, ist das weich!“

„Einer der schönsten Märkte überhaupt“

Falkner Rudolf Pauels aus Rimbach kommt seit vier Jahren regelmäßig zum Siegfried-Spektakel, „weil es einer der schönsten Märkte überhaupt ist.“ Aber Glück bringt dem Falkner das Xantener Festival nicht. Jedes Jahr ist ihm bisher ein Vogel entflogen; diesmal war es Ronja, ein dunkler Wanderfalke, der sich schon am ersten Tag auf Wanderschaft machte.

Jetzt steht Pauels inmitten einer großen Runde von Betrachtern und präsentiert seine verbliebenen Vögel bei der Flugschau: Ares, der Steinadler, und Uhu Hugo parieren gut. Nur Sakerfalke Sha’ri ist störrisch und lässt sich auch mit Futter nicht vom Dach des Bäderhauses weglocken. Dann fliegt der Falke auf – aber leider in Richtung Stadt statt auf Pauels’ Arm.

Noch beliebter als die Greifvögel ist bei den Kindern allerdings der Drache Fangdorn, der sich mehrmals am Tag zeigt. Fangdorn gibt sich mal hart und spuckt Feuer, dann ist er wieder ganz zart und lässt sich sogar streicheln – ein Angebot, das kaum ein Kind auslässt.

Fangdorn sei übrigens der Ur-Ur-Enkel von Fafnir, in dessen Blut einst Siegfried badete, sagt sein Erbauer Guido Peters. Aber das mit dem Drachenkampf, das ist dann doch eine andere Geschichte...

Matthias Wenten



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