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Grüße nach Dnjepropetrowsk

01.06.2012 | 16:06 Uhr
Grüße nach Dnjepropetrowsk
Das Stadion am Bresserberg in Kleve. Foto: Heinz Holzbach

Am Niederrhein.   Der letzte Teil der Fußballplätze-Tour führt 60 Kilometer von Millingen in den hohen Norden zum Klever Bresserberg, der schon glorreichere Zeiten erlebt hat.

Die Reise zu den Fußballplätzen geht in die dritte und letzte Runde. 60 Kilometer lang ist die Einweg-Fahrradroute von Millingen nach Kleve. Damit haben wir - um alle 16 Sportanlagen der Bezirksligagruppe 9 mit dem Fahrrad zu erreichen - insgesamt mehr als 170 Kilometer auf dem Sattel verbracht. Das ist viel. Die Kicker von den Färöer-Inseln werden bei Auswärtsspielen weniger Strecke hinterlegen müssen. (Die GPX-Datei mit den Tourdaten befindet sich rechts im Bereich "Download")

Start ist auf dem Platz des SV Millingen, der sich die weiten Reisen in den Norden des Kreises Kleve künftig wird sparen können. Die Blau-Weißen von der Jahnstraße in Rheinberg liegen zwei Spieltage vor Saisonende abgeschlagen auf dem letzten Tabellenrang und werden sicher absteigen. Doch nicht nur die Kicker des SVM haben bessere Zeiten gesehen. Auch der Naturrasen und der hintere Trainingsplatz mit zwei Jugendspielfeldern ist - offensichtlich der Zeit geschuldet - in keinem guten Zustand.

Fantastischer Panaromablickbis zu den Rheinauen

Nachdem es zunächst mitten durch das Örtchen Alpen geht, wartet eine größere Herausforderung: Die Strecke verläuft durch ein Waldstück auf schmalem und unbefestigtem Weg steil bergan. Am höchsten Punkt angekommen wird die Anstrengung mit einem fantastischen Panoramablick bis zu den Rheinauen nach Xanten belohnt. Man radelt bei weiterhin toller Fernsicht in Richtung Sonsbeck weiter, zum Willy-Lemkens-Sportpark. Neben einer Tennis- und einer weitläufigen Freizeitanlage bietet der SV Sonsbeck, dessen zweite Mannschaft in der Bezirksliga kickt, drei Sportplätze mit drei verschiedenen Belägen - also Kunstrasen, Naturrasen, Asche.

Am Balberger Ley entlang und ein paar Kilometer über die so genannte Herrensitz-Route geht es zum dem Klub, für dessen Aussprache man genauso lange braucht wie für Borussia Mönchengladbach und fast so lange braucht wie für Dnjepr Dnjepropetrowsk aus der Ukraine: zu Viktoria Winnekendonk. Für den Kevelaerer Ortsteil gab’s vor zehn Jahren im Rahmen des bundesweiten Wettbewerbs „Unser Dorf soll schöner werden“ die Goldmedaille, doch da war der Weezer Airport noch nicht so stark frequentiert und die Einflugschneise lag noch nicht genau über Winnekendonk. Die Fußballer scheint der Lärm nicht zu stören, 2010 sind sie aufgestiegen. Der schmucke Rasenplatz liegt direkt an der Kevelaerer Straße, an der die Tour bis in den Wallfahrtsort weiter geht.

Den Kevelaerern ist vieles heilig, und auch die Leichtathleten des Kevelaerer SV genießen einen hohen Stellenwert. Von hier aus eroberte etwa Kathrin van Bühren die Sportwelt, 2004 wurde sie Deutsche Hallenmeisterin im Weitsprung. Die Fußballer fallen da natürlich ab, sie scheinen im gut gepflegten Hülsparkstadion und seiner großzügig gebauten Tribüne die Läufer, Springer und Werfer eher zu stören. Bemerkenswert ist, dass bei den Blau-Gelben der frühere Duisburger Bundesligaprofi Horst „Pille“ Gecks seit Jahren als Trainer an der Seitenlinie fungiert. Der Fußball-Rentner tritt mittlerweile schon in regelmäßigen Abständen als Retter oder Feuerwehrmann in Erscheinung. Jedes Mal soll es das allerletzte Mal sein. In dieser Saison hat’s nicht geholfen. Der KSV, zurzeit auf dem vorletzten Platz, steigt zum Saisonende definitiv ab. Vor einigen Wochen hat „Pille“ Gecks die Brocken hingeschmissen.

Die Tour verläuft in nordwestlicher Richtung weiter, bis in den Laarbruch, einem großen, zusammenhängenden Waldgebiet, um das - bedingt durch den Ausbau des Flughafens - lange gerungen wurde. Der Weg ist jetzt weder asphaltiert noch besonders eben - von daher sportlich. Es geht an Weeze vorbei und wieder auf die Herrensitz-Route bis nach Goch und dort durch die Fußgängerzone. Vorsicht: Fahrrad schieben!

Über Nierswalde und Reichswalde führt die Strecke zum nördlichsten Punkt und zum Ziel der Reise, an den Klever Bresserberg. Hoch über der Stadt liegt die tolle Anlage der Blau-Roten, deren Reserveteam in der Bezirksliga spielt, deren erste Mannschaft aber auch nur noch in der Landesliga. Es gibt ein Stadion, dazu zwei neue Kunstrasenplätze. Die 5000 Menschen fassende „Volksbank-Arena“ genügt höchsten Ansprüchen und ist Überbleibsel glorreicher Zeiten. Der 1. FC Kleve schnupperte noch vor wenigen Jahren in der neu eingeführten Regionalliga Profifußball-Luft. In der Schwanenstadt gastierten Clubs wie Rot-Weiß Essen, Eintracht Trier oder Preußen Münster. Es folgte der Abstieg und im März 2011 schließlich die Insolvenz.

Stephan WappnerGünter Patzke



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Kommentare
02.06.2012
00:41
Grüße nach Dnjepropetrowsk
von Festus29 | #1

Mich würde mal interessieren wo die Verfasser auf der Platzanlage des SV Sonsbeck den Ascheplatz gesehen haben, Da gibt es zwei Naturrasen - und einen Kunstrasenplatz.

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