Großes Kino
09.05.2008 | 20:30 Uhr 2008-05-09T20:30:56+0200FILMTIERE. Ein Pferd auf der Bühne, ein Hund vor einem Bankautomaten - die Deinats aus Pfalzdorf trainieren echte Showstars.
GOCH. Der starke, kräftige Hund aus Goch-Pfalzdorf hat es geschafft: Er war der Star. Mitten in der deutschen Hauptstadt. Der Mastiff-Rüde "I've got the power", kurz "Power" genannt, stapfte die Charlottenstraße in Berlin auf und ab und präsentierte stolz seine wuchtigen 90 Kilogramm. Er platzierte sich direkt vor einem Bankautomaten - und verjagte die Kundschaft. "Power" bellte plötzlich und laut auf Kommando, eine Frau in Minirock und Stöckelschuhen nahm Reißaus. Perfekt. Und das trotz der hellen Lichter um den Hund herum und der etlichen Kameras, die auf Schienen surrend ihm entgegen fuhren. Der Fernsehwerbespot für eine Telefon-Auskunft, die den Weg zu einem ungefährlicheren Bankautomaten parat hat, war im Kasten.
"Solche Kunststückchen müssen auf den Punkt abgerufen werden", sagt Walter Deinat. Gemeinsam mit seiner Frau Ortrud führt er am Rande der Gocher Heide in Pfalzdorf eine Hundepension, eine Hundeschule, ein Tierheim für Findlinge (zuständig für Goch, Uedem, Bedburg-Hau, Kalkar, Rees) - sowie zusammen mit Geschäftspartner Hermann Lock aus der Nähe von Frankfurt auch eine Art Filmtier-Verleih: "L & D Filmtiere".
Erdmännchen und Wasserschildkröte
Die Deinats haben unter anderem einen Waschbären, ein Erdmännchen, Zwergkaninchen, Wasserschildkröten, Kühe, einen Leopardengekko, einen Königspython und Ponys im Programm. Und ganz viele Hunde: Zwei Mastiffs, fünf Möpse, den Staffordshire Terrier "Shira" und und und. Sie halten die Tiere selbst auf dem eigenen Gelände oder können sie - ähnlich einer Agentur - problemlos vermitteln. An Produktionsfirmen, die die Tiere für Werbespots, Filme oder auch Live-Sendungen brauchen. Frank Elstner, Ranga Yogeshwar, Kaya Yanar, Günther Jauch, Karl Dall, Oliver Pocher, Horst Lichter oder Heino Ferch - die Kunst, Tiere filmreif zu dressieren und trainieren, verschaffte Walter und Ortrud Deinat den Zugang zur deutschen Fernsehbranche.
Das Hobby zum Beruf gemacht
1994 zog das Ehepaar aus der Nähe von Mainz an den Niederrhein. Der Hauptgrund damals: "Dieses Riesengelände hier in Pfalzdorf", sagt Walter Deinat und lässt seinen rechten Arm im Uhrzeigersinn weit durch die Luft schwingen. Frei nach dem Motto: Mein Haus, mein Hof, mein Garten. Ortrud Deinat ergänzt: "Wir haben eben unser Hobby zum Beruf gemacht." Viel Platz, viele Tiere - und auch viel Arbeit.
Den allerersten Auftrag bekamen die Deinats vor einigen Jahren, als sie über viele Ecken die Anfrage nach einem Filmhund erreichte. Für den Streifen "Vom Suchen und Finden der Liebe" mit Moritz Bleibtreu, Uwe Ochsenknecht und Alexandra Maria Lara. Der Regisseur: Helmut Dietl. Deinats Mastiffrüde "Jerry", der mittlerweile verstorben ist, spielte vor der Kamera gut mit, während Walter Deinat hinter der Kamera Handzeichen und Kommandos gab - und schon schnupperten die Gocher am großen Kino. Über Uwe Ochsenknecht kam später eine Zusammenarbeit in "Die Wilden Kerle 3" zustande, zudem lernten sie Walter Simbeck aus Oberbayern kennen, den Chef "einer der größten Filmtierschulen überhaupt", erklärt Walter Deinat.
Nach und nach schuf sich Familie Deinat - Tochter Eva kümmert sich zuhause um das Mops-Quintett - ein Netzwerk, auf das sie heute zurückgreifen kann. Und dies auch regelmäßig tut. "Wollen wir hoffen, dass es auch so bleibt", hat der 55-jährige Walter Deinat Gefallen daran gefunden, mit den Tieren durchs Land zu ziehen. Aktuell wird Mopshündin "Angelina" am Set der neuen RTL-Serie "112 - Sie retten Dein Leben" benötigt, Stute "Rivana" begeistert die Zuschauer in "Das Käthchen von Heilbronn" (Heinrich von Kleist) auf der Bühne des Schauspielhauses Düsseldorf.
Bunte Reifen, schiefe Ebenen
Das Training für die Auftritte gibt's zuhause: Wenn Ortrud, Walter und Eva Deinat rot-weiße Pylonen, bunte Sprungreifen, hölzerne Gerüste, Leitern, schiefe Ebenen und Parcours für die tierischen Schüler aufbauen. Und Kommandos wie "Sitz!", "Platz!" oder "Peng!" (Rolle seitwärts) üben. Walter Deinats Leitsatz: "Man muss dem Hund etwas bieten." Dann sei das Tier zufrieden. Und das Herrchen auch.
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