Gotlandschafe aus Großholthuysen

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Issum..  Sprachprobleme gibt es hier nicht – obwohl niemand in der Familie Schwedisch spricht. Ein „Mähä“ ist ein „Mähä“ und das ist am Niederrhein genauso verständlich wie auf der südschwedischen Insel Gotland unweit von Stockholm. Und es heißt übersetzt ich hab’ Hunger oder schön hier oder bitte streichle mich – je nach Betonung. Na ja, eigentlich kommen die neuen, vierbeinigen Familienmitglieder der Breuers-Frauen und von Mario Smeyts ja auch gar nicht mehr wirklich aus Schweden, sondern von Züchtern aus Osnabrück und Mülheim an der Ruhr. Denn im Herbst vergangenen Jahres hatte die Großholthuysener Patchwork-Familie eine tierisch gute Idee: die vom Aussterben bedrohten, robusten, langlebigen, fruchtbaren, temperamentvollen, anhänglichen und verschmusten sowie hornlosen Gotlandschafe in Großholthuysen am Niederrhein zu züchten.

„Wir wollten wieder etwas Wolliges“, sagt Sandra Breuers. „Vorher hatten wir Angoraziegen, aber die waren sehr schwierig und der Bock hat uns auch angegriffen. Da mussten wir sie abgeben.“ Nur flauschig sollten die neuen Vierbeiner auch wieder sein, „denn mit der Wolle kann ich filzen und spinnen und damit alte Handwerkskunst erhalten und attraktive Modeaccessoires herstellen“, sagt die gelernte Agrarbürofachfrau, die in einem Hof- und Melchtechnik Betrieb im Büro arbeitet und die Gotlandschafe als Hobby züchtet.

Seit vergangenem Herbst grasen nun auf den Weiden rund um den bis vor 20 Jahren von Mario Smeyts Vater bewirtschafteten Hof sechs Mutterschafe und ein Bock der schwedischen Pelzschafe im Issum-Sevelner Ortsteil.

„Wir haben die Tiere auf einer Kreistierschau in Euskirchen entdeckt und ich war direkt begeistert“, sagt die 44-jährige Mutter von zwei Töchtern. „Wir haben uns schon vorher für Schafe interessiert, weil wir keine Ziegen mehr wollten – auch, weil es schwer ist, neue Ziegen für die Zucht zu bekommen“, sagt Mario Smeyts. Also wurden Wollschafe gesucht und Gotlandschafe gefunden. Ein Glück, denn die Schafzüchter seien eine sehr aufgeschlossene und freundliche Gemeinschaft, „wo man sich auch bei anderen Züchtern informieren kann und einander hilft.“ Im Ziegen-Zucht-Milieu scheint es, als seien die Tiere mit ihrer Mentalität ihren Haltern recht ähnlich...

Doch die tolle flauschige Wolle der Schmusesafe mit ihren schwarzen Köpfen und dem hell-dunkelgrauen Fell und die Tatsache, dass man mit den Schafzüchtern so gut auskommt, waren nicht allein ausschlaggebend für die Anschaffung: „Gotlandschafe schmecken auch wirklich gut“, sagt Sandra Breuers. „Wir haben schon Wurst von einem Züchter probiert und das Fleisch ist sehr mild, nicht so streng geschmacklich wie normales Schaf- oder Lammfleisch.“ Für ihre zwölf- und fünfzehnjährigen Töchter sei das kein Problem, Fleisch von ehemaligen Haustieren zu essen. „Wir haben auch Hühner die wir schlachten und essen – wir halten uns quasi unser eigenes Biofleisch. Und wir haben das mit meinen Töchtern vorher besprochen und es ist in Ordnung für sie.“

Namen sollten die Gotlandschafe deshalb eigentlich nicht bekommen, aber bei nur sieben Tieren ist das schwierig. „Vielleicht wird das anders. wenn wir irgendwann mal 30 Gotlandschafe haben“, meint Mario Smeyts. Denn eine so große Herde, das wäre das Ziel der Hobbyzüchter. Aktuell steht allerdings erst einmal der Nachwuchs der ersten Gotlandschafe in Großholthuysen an: „Wir warten jeden Tag jetzt auf die ersten Lämmer der sechs trächtigen Muttertiere“, sagt die Schafhalterin. Und dann kommt es auf die Lämmer an, wie es weiter geht. „Die Weibchen werden wir wohl behalten. Und die Männchen...“, Mario Smeyts stockt und schaut seine Lebensgefährtin an, „na ja, die Männchen, die werden wohl zum Schlachter kommen“. Irgendwann müssen ja die Lammkeulen-Rezepte auch mal aus eigener Produktion probiert werden. Mähähä...