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Geschäftsleute in Kevelaer fühlen sich getäuscht

18.04.2020 | 04:00 Uhr
Geschäftsleute in Kevelaer fühlen sich getäuscht

Kevelaer.In Kevelaer sorgt die Finanzierung eines Defibrillators fürs Kardinal-von-Galen-Gymnasium für Ärger. Hiesige Geschäftsleute fühlen sich von einer Berliner Firma moralisch getäuscht, kritisieren aber auch die Stadtverwaltung.

Zugegeben, lange überlegt habe er nicht, gibt Dirk Winkels zu. Der Inhaber des Kevelaerer Bekleidungsgeschäftes „Mutter und Kind“ wurde von einer Berliner Firma um eine Spende gebeten. Man sammle, um dem Kevelaerer Kardinal-von-Galen-Gymnasium einen Defibrillator zu spenden, habe der Mitarbeiter der Berliner Firma Winkels mitgeteilt. Zumindest hatte der Kevelaerer das so verstanden.

Dass der Mitarbeiter der Firma aus Berlin Winkels tatsächlich nur eine Werbeanzeige auf einer Informationstafel verkaufen wollte, die neben dem lebensrettenden Gerät im Gymnasium aufgehängt werden sollte, war dem Kevelaerer Geschäftsmann in diesem Moment nicht klar. Er unterschrieb den Vertrag – und viele andere Unternehmer des Wallfahrtsortes Kevelaer taten das gleiche. Gut 16000 bis 18000 Euro seien so zusammengekommen, haben die Geschäftsleute ausgerechnet. Ihrer Ansicht nach für einen Defibrillator, der ungefähr 2400 Euro wert sei.

Zweiten Defibrillator ausgehandelt

Deswegen erheben die Unternehmer nun schwere Vorwürfe gegen die Berliner Firma. Und auch gegen die Kevelaerer Stadtverwaltung. Denn im Rathaus hatte man das Finanzierungsmodell bewilligt. Und das sieht wie folgt aus: Die Berliner Firma hat mit der Stadt Kevelaer einen ersten Vertrag geschlossen. Darin versichert sie, dem Gymnasium einen Defibrillator zu spenden, wenn sie zur Finanzierung Werbeanzeigen an die Geschäftsleute verkaufen dürfe. Die - im übrigen wasserdichten - Verträge sind hingegen völlig losgelöst von der Defibrillator-Spende. Das Wort taucht im Vertragstext nicht einmal auf. „In keinem Fall handelt es sich hierbei um das Sammeln von Spenden zur Anschaffung eines Defibrillators, sondern um eine übliche Werbemaßnahme“, erklärt der Gebietsverkaufsleiter aus Berlin.

Das sehen die Kevelaerer Unternehmer anders. Sie fühlen sich moralisch betrogen. Man habe „der guten Sache wegen gespendet“, erklärt Laszlo Martens, der ebenfalls eine Anzeige gekauft hat. „Der Werbewert ist uns hingegen nicht so wichtig.“ Auch er gibt zu, vielleicht etwas vorschnell gehandelt zu haben, wirft allerdings der Stadtverwaltung vor, Firma und Geschäftsmodell nicht auf Herz und Nieren geprüft zu haben.

Im Rathaus weist man alle Schuld von sich. Die Firma habe der Stadt einen selbst finanzierten Defibrillator fürs Schulzentrum versprochen und Wort gehalten. „Von daher ist die Sache seitens der Stadtverwaltung okay“, sagte der Beigeordnete Marc Buchholz. Stattdessen hätten die Unternehmer den Vertrag genauer studieren sollen.

Zweiter Defibrillator für die Stadt

Immerhin hat sich Buchholz noch einmal mit der Berliner Firma in Verbindung gesetzt und aufgrund der enormen Geldsumme aus Kevelaer einen zweiten Defibrillator für die Stadt herausgehandelt.

Ob der im Schulzentrum allerdings so gut ankommt, darf bezweifelt werden. Karl Hagedorn, Rektor des Gymnasiums, überlegt nun sogar, vielleicht auch das erste Gerät wieder abzuhängen. Wegen der dubiosen Finanzierung. „Und weil im Notfall der Rettungsdienst ohnehin wohl schneller am Unfallort wäre, als jemand von uns den Defibrillator geholt hat“, erklärt der Rektor. Auch die von der Berliner Firma angepriesene Werbetafel mit den Anzeigen der „edlen Spender“ erfüllt zumindest für die Schule nicht den versprochenen Zweck. Als schwarzes Brett für Informationen zum Schulalltag ist die bunt überfrachtete Tafel völlig ungeeignet.

Darüber hinaus haben Schule und Stadt noch ein anderes Problem: Dieser Fall dürfte der allgemeinen Spendenbereitschaft wenig zuträglich sein.

Benedikt Giesbers

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Kommentare
08.10.2010
14:27
Geschäftsleute in Kevelaer fühlen sich getäuscht
von rangan40 | #11

@Elmo6,

es streitet keiner ab, dass ein öffentlicher Defibrillator, oder auch ein paar mehr davon eine wirklich supersinnvolle Sache ist. GENAU DAS ist allerdings der Grund, warum so viele Schulen/Städte/Unternehmer Verträge bei diesen Firmen unterschreiben, sie wollten ja was Gutes! Und die Werbung als Dankeschön. Abzocke daran is (meiner Meinung nach), dass diese Defis erst montiert werden, wenn Unsummen für die WERBUNG kassiert wurden. Für dieses Geld hätte man JEDE Schule damit ausrüsten können! Es ist nicht der Ärger wg. einer ansich guten Sache, sondern daß der Wunsch, sich an einer guten Sache zu beteiligen, von gewissen Firmen wirtschaftlich schamlos ausgenutzt wird!

Zur Zeit geistern solche Angebote GANZ MASSIV in GRONAU herum.... drum prüfe, wer sich derart bindet... oder so...

06.10.2010
09:49
Geschäftsleute in Kevelaer fühlen sich getäuscht
von Defi1 | #10

In einer Sache gebe ich Elmo6 Recht: Den Defibrillator nicht aufhängen zu wollen wegen der dubiosen Finanzierung, versehen mit dem Kommentar der Rettungsdienst wäre eh schneller zeigt einfach, dass der Rektor die Wichtigkeit einer schnellen Erstversorgung nicht erkennt. Erschreckend für eine Person in der Position.

Den Geschäftsleuten möchte ich keinen Vorwurf machen. Wenn ein solches Modell von der Stadt gefördert wird, würden 99% aller Beteiligten nicht tiefer nachforschen.

Die Rolle Stadtverwaltung finde allerdings höchst bedenklich.....

05.10.2010
22:20
Spende oder Werbung?
von Elmo6 | #9

Ich bin ehrlich gesagt völlig fassungslos!

Hier wird Werbefläche Verkauft um einen Defibrillator zu spenden. Abgesehen davon, dass der Defibrillator im Moment die einzig wirksame Methode ist einen Menschen mit Kammerflimmern zu retten, sind hier nach eigenen Berechnungen 16 bis 18.000 Euro zusammengekommen.
Mit Sicherheit viel Geld. Wenn ich das hier so lese ist dieser Betrag wohl zu viel für ein Menschenleben. Nun ja, es betrifft ja wohl sowieso erstmal die anderen
Verantwortung wird abgegeben: Der Rettungsdienst ist ja sowieso schneller Wir haben in Deutschland eines der besten Rettungssysteme Weltweit. Das ist aber nur so gut, weil wir oft Erst Helfer haben, die mit eben solchen Geräten Hilfe Leisten und es dem Rettungsdienst damit überhaupt ermöglichen so gut zu sein.

Aber im Moment sind wir erstmal patzig und wollen das Gerät nicht! Zu teuer für ein Menschenleben!
Es betrifft ja nur die anderen. Was ist aber wenn die anderen plötzlich ein Gesicht bekommt und es sich um eine Freund, Familienangehörigen oder Arbeitskollegen handelt? Ach ja, ich habe völlig vergessen....18.000 Euro sind zu viel......

05.10.2010
18:43
Geschäftsleute in Kevelaer fühlen sich getäuscht
von Der Niederrheiner | #8

@all klugschitters hier

bin auch sogenannter geschäftsmann, der einmal mit so einer nummer beinahe reingefallen ist, seitdem gibt es hier gar nichts mehr ! schade eigentlich, sind sicher nicht alle verbrecher, aber haben sie den die gesamten unterlagen ihrer KV oder der privaten Haftpflicht gelesen ?

Da ruft jemand für eine gute Sache von der Stadt abgesegnet und unvermittelt an, da ist man schnell geneigt JA zu sagen, genau dass machen sich diese Kollegen zu nutze... die Stadtverwaltung sollte sich schämen, auf sowas reingefallen zu sein ! hoffentlich haben die aus fehlern gelernt, ich habe es....

05.10.2010
17:08
Spende oder Werbung?
von DR_Canasius | #7

Letztes Jahr wollte man mich mit einer
ähnlichen Betrugsmasche über den Tisch
ziehen.
Spielteppiche für einen Ev. Kindergarten
ganz in der Nähe. Allerdings sollte ich
dafür in einem Werbekasten eine
Anzeige schalten. Für 3 Jahre, 750 Euros
im Vorraus.
Habe den Kerl rausgeworfen.
Immer wieder meldet sich auch die
Polizei Unna (angeblich), ich möchte
doch eine Anzeige im Programmheft
des Polizeichores Unna schalten.

Immer die gleich krumme Sache.

05.10.2010
15:47
Spende oder Werbung?
von Nie-Wieder-Geldverschwendung-Durch-Sozies | #6

P.S. Die Stadtverwaltungen aller Städte sollte sich in Zukunft aus solchen Koppelgeschäften raushalten. Das riecht nach Lobbyismus, Bestechung, Vorteilsgewährung etc. Hier sind garantiert Eurönchen geflossen. Wenn nicht offiziell dann eben BAT (Bar Auffe Tatze)

05.10.2010
15:41
Spende oder Werbung?
von Nie-Wieder-Geldverschwendung-Durch-Sozies | #5

Theres no business like Gesundheits-Business gewürzt mit a bisserl Werbung.
perfide ist doch, dass die Stadtverwaltung dieses, nennen wir es ruhig so, Roßtäuschergeschäft abgesegnet oder genehmigt hat. Dafür sind doch sicherlich einige Eurönchen geflossen, oder? Und dann stelle ich mir das mal vor: Da kommt ein windschnittiges kerlchen in einen Laden im hillijen Kevelaer und macht eine kommunikative Verbindung zwischen dem super-sozialen Geschäft mit Charity-Charakter: Gib mir was für nichts (Werbeplakette, Muahahah) und Du kriegst nichts für etwas (soziales Gewissen für die Spende für den Defi). Und jetzt haben diese Kaufleute gerechnet und haben festgestellt, dass sie moralisch betrogen wurden. Irrtum, die sind ganz real behummst worden, ganz real. Und Verträge lesen geht in dieser Drückersituation nicht wirklich, denn im hillijen Kevelaer gibts nur hillije Geschäfte.
Die Masche hat geklappt und die Stadtverwaltung, UND DAS IST DER SKANDAL, hat dem Vorschub geleistet!

05.10.2010
15:18
Geschäftsleute in Kevelaer fühlen sich getäuscht
von AK | #4

Na da hätten die Herrn Unternehmer vielleicht ja vorher mal selbst druaf kommen können, zusammenzuschmeissen und so ein Ding zu kaufen incl. einer Messingplatte mit dem Namen der Spender. Aber das war wohl nicht einfach genug?

05.10.2010
15:00
Spende oder Werbung?
von lebensretter. | #3

Puhpuhpuh, ich weiß nicht, was das für Geschäftsleute sind, die Verträge nicht lesen.

05.10.2010
08:17
Spende oder Werbung?
von schuetzemetti | #2

und warum sollte eine Berliner Firma in eine Schule in Kevelaer spenden....

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