Ganz unten: Wallraff zieht Bilanz

Duisburg..  Sein Buch schlug damals vor 30 Jahren ein wie eine Bombe, doch was hat es bewirkt: Der aufrüttelnde Erfahrungsbericht des Enthüllungs-Journalisten Günter Wallraff in der Rolle als Türke Ali brachte skandalöse, erbärmliche Lebensbedingungen und Arbeitsverhältnisse der Türken in der Bundesrepublik ans Tageslicht, zeigte bundesdeutsche Wirklichkeit der 1980er Jahre aus einer Perspektive, die Deutschen sonst nicht zugänglich war.

In seiner spektakulären Undercover-Rolle als „Türke Ali Levent“ war Günter Wallraff unter anderem Hilfskraft in einer Filiale von McDonald’s, Leiharbeiter auf einer Großbaustelle sowie bei einem Arbeiterverleiher bei Thyssen in Duisburg-Beeckerwerth und Versuchskaninchen bei einem Medikamentenversuch. Er erlebte, wie Türken buchstäblich als der letzte Dreck angesehen und behandelt wurden, gebraucht nicht nur als Lückenbüßer der boomenden Konjunktur, sondern vor allem als Billig-Arbeitskräfte für jeden Zweck, Ausputzer für dreckigste und gefährlichste Arbeiten.

Ist dieser Report von Wallraff heute tatsächlich bloß ein Bericht aus der Vergangenheit? Ist 30 Jahre nach „Ali - ganz unten“ die Arbeitswelt in Duisburg und Deutschland menschlicher, gesünder und fairer geworden? Genau diese Fragen will Friedhelm Bierkant, Bezirksvorsitzender der IG BAU Duisburg-Niederrhein, zusammen mit seinem Gast Günter Wallraff in einer öffentlichen Gesprächsrunde am Samstag, 20. Juni (10 Uhr), in der Alten Abtei in Hamborn diskutieren: „Viele unserer Leute haben damals in denselben Betrieben gearbeitet und Ähnliches durchgemacht. Wallraff hat als Ali die Drecksarbeit im Werk gemacht – die Reinigung.“ Viele der Beschäftigten dort hätten gesundheitliche Probleme davongetragen. Sie kämpften bis heute um eine Anerkennung ihrer Beschwerden als eine Berufskrankheit.

Dabei unterstützt sie die IG BAU Duisburg-Niederrhein. Doch oft sei es ein sehr großes Problem, nachzuweisen, dass der Lungenkrebs tatsächlich vom Asbest komme. Und dass man sich ihn auf der Baustelle und nicht zuhause geholt habe, erklärt der Gewerkschafter.