Ganz nach seinem Geschmack
20.06.2007 | 08:57 Uhr 2007-06-20T08:57:51+0200COMEDY ARTS. Der neue Festivalleiter Holger Ehrich will "ein bisschen am Gesamterlebnis ändern." Besserer Ablauf, mehr Action.
Das Moerser Comedy Arts-Festival gilt als das älteste seiner Art in Deutschland. Seit 1976 kommen kleine und große Künstler an den Niederrhein. Die Redaktion hat mit dem neuen künstlerischen Leiter Holger Ehrich gesprochen.Das 31. Internationale Comedy Arts-Festival ist das erste, für das Sie verantwortlich sind. Ist es Last oder Lust, ein etabliertes Event zu übernehmen?
Holger Ehrich: Es ist gar keine Last. Es ist eine große Ehre und eine große Herausforderung. Ich habe großen Respekt vor dem, was Werner Schrick in den vergangenen dreißig Jahren aufgebaut hat. Dennoch gibt es sicher hier und da etwas zu verbessern oder zu verändern.
Waren Sie selbst regelmäßiger Gast des Festivals?
Ehrich: Regelmäßig nicht. Dazu bin ich selbst als Comedian im Duo Diagonal häufig unterwegs. Schließlich laufen in Deutschland viele Festivals parallel zu diesem Termin.
Ihre Lieblings-Comedians?
Ehrich: Das ist schwer zu beantworten. Aber Leo Bassi ist schon so etwas wie mein persönlicher Held. Auch die Men in Coats, die ja vor zwei Jahren in Moers waren, habe ich schon früh in mein Herz geschlossen, als ich 1992 ihre Premiere gesehen hatte.
Was genau wollen Sie am Festival verändern?
Ehrich: Ich will der Linie schon im Großen und Ganzen treu bleiben: Das Spektrum des Humors bleibt breit und abseits vom TV-Mainstream. Also Gesichter, die man auch in Stadthallen sehen kann, brauchen nicht nach Moers zu kommen. Ich will ein bisschen an dem Gesamterlebnis ändern. Der Happening-Charakter soll noch stärker herausgekitzelt werden. Die Pausen sollen klarer abgegrenzt werden. Und ja, ich habe mir einen reibungsloseren Ablauf vorgenommen. Außerdem will ich das Profil an den einzelnen Festivaltagen noch weiter schärfen. Ich bin mit dem Programm jetzt sehr zufrieden und auch sicher, dass der Bogen stimmt.
Die Moderatoren der drei Festivaltage sind erstmals alle deutschsprachig...
Ehrich: Das war Zufall. Das ist nicht unbedingt Konzept. Es wird so sein, dass das Moerser Publikum auch weiter von englischsprachigen Nummern gefordert wird.
Nach welchen Kriterien haben sie das Programm zusammengestellt?
Ehrich: Nach meinem persönlichen Geschmack, auch ein bisschen Zeitgeschmack. Ich hatte ja nur wenige Monate Zeit und hätte mir auch andere Künstler vorstellen können, die aber so kurzfristig nicht konnten.
Was wünschen Sie sich, was das Publikum hinterher sagt: ,Das war ja wie immer' oder doch ,Das ist ja ganz anders'?
Ehrich: Die Leute dürfen schon merken, dass da jetzt ein frischer Wind weht.
Werner Schrick war auch immer ein großer Freund des Straßentheaters. Mit Hinweis auf knappe Finanzen wurde das kostenlose Programm in der City Jahr für Jahr zurückgefahren. Wieso kriegen Sie einen ganzen Tag Straßentheater zusätzlich hin?
Ehrich: Mehr Geld habe ich jedenfalls nicht. Ich musste halt woanders sparen. Das ist ein Versuchsballon, der kann auch wieder kippen. Mal sehen, wie das ankommt. Ich habe ja nur die kleine Variante des Straßentheaters im Programm, keines mit großen Bühnen und Aufbauten, relativ unaufwendige Stücke.
Gibt es jemanden im Who is Who des Moerser Festivals, den Sie an Schricks Stelle niemals eingeladen hätten?
Ehrich: Es gab da sicher einige, die zwar ganz interesssant waren, aber nicht mein Geschmack. Im Großen und Ganzen höre ich aber immer wieder von Kollegen, wie beliebt das Festival ist. Auch als Treffpunkt und Ideenbörse der Comedians selbst.
Soll das Festival größer werden?
Ehrich: Nicht unbedingt. Dann ist man künstlerisch zu eingeschränkt. Bei mehr als den derzeit 1300 Zuschauern gehen nur noch bestimmte Genres.
Vor einigen Jahrten haben die Schweizer Stage TV in Moers richtig abgeräumt. Haben Sie schon Wunschkandidaten fürs nächste Jahr?
Ehrich (schmunzelt): Die Truppe Stage TV gibt es noch. Die hat ein neues Programm...
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