Fromme Frauen sind gefährlich

Prof. Dr. Daniela Müller (Mi.) stellt im Gespräch mit Vikarin Bernadette und Äbtissin Magdalena (r.) vom Kevelaerer Klarissenkloster ihre Vortragsreihe "Fromme Frauen sind gefährlich" vor.
Prof. Dr. Daniela Müller (Mi.) stellt im Gespräch mit Vikarin Bernadette und Äbtissin Magdalena (r.) vom Kevelaerer Klarissenkloster ihre Vortragsreihe "Fromme Frauen sind gefährlich" vor.
Foto: KB
Was wir bereits wissen
An drei Abenden stellt die Kirchenhistorikerin Prof. Dr. Daniela Müller Leben und Wirken dreier bemerkenswerter Frauen vor: Heloise, die Äbtissin. Wilhelmina, die Ketzerin, Johanna, die Jungfrau.

Kevelaer..  Das ist natürlich schon ein bisschen frech, so ein Titel für eine, zugegeben, ungewöhnliche Vortragsreihe, die auch noch in einem Kloster erfunden wurde und ebendort auch zu erleben ist: „Fromme Frauen sind gefährlich.“ Und so etwas dann noch im Zuge des „Jahr der Orden“, zu dem Papst Franziskus aufgerufen hat. Die Äbtissin des Klarissenklosters zu Kevelaer, Sr. Magdalene, und ihre Stellvertretrin Sr. Bernadette, die selbst mehr als 30 Jahre die Geschicke des kontemplativen Ordens leitete, schmunzeln – ein wenig spitzbübisch, wie es scheint. In Kevelaer ist halt doch manches anders. „Wir freuen uns auf diese Vorträge über drei bemerkenswerte Frauen des Mittelalters – immerhin waren sie es, die die Geschichte und die gesellschaftlichen und religiösen Vorstellungen ihrer Zeit maßgeblich mitgestaltet haben.“ Und es waren ja auch Klöster, die Frauen Freiheiten ließen, Freiraum für Bildung, politische Einflussnahme, selbstbestimmtes Denken.

Zwischen Glaube und Vernunft

Punktlandung also für die Referentin, die Kichenhistorikerin Prof. Daniela Müller, die einen Lehrstuhl an der Katholischen Universität Nijmegen inne hat und sich bestens auskennt mit frommen Frauen des Mittelalters – und all den politischen und machtverquickten Intrigen, spirituellen Gedankenwelten und ganz alltäglichen und irdischen Begebenheiten im Leben jener Frauen, die sich für den Schleier entschieden haben – aus welchen Gründen auch immer.

„Das Besondere am Christentum ist ja, dass es Frauen in der Tat die Möglichkeit bot, außerhalb der vorgegeben Rolle als Mutter und Ehefrau zu leben, sogar als religiöse Autorität wahrgenommen zu werden und an den Schaltstellen der Zeit zu sitzen.“ Aber es waren dann auch christliche Würdenträger, die die Frauen auf die Scheiterhaufen trieb, als Ketzerinnen verurteilte.

Daniela Müller will Geschichte erzählen, will Denken und Fühlen des Mittelalters aus der mitunter verklärten, dunklen und einseitigen Sicht der Filmemacher und Bestseller-Autoren herausholen. „Ich möchte das Mittelalter lebendig werden lassen und zeigen, dass es eine spannende Epoche war, eine Zeit, in dem Werke entstanden, die die Welt veränderten. Die Trennung von Staat und Kirche, die Diskussion um Glaube und Vernunft, Anpassung und Widerstand, die Stellung der Frau. Die Wurzeln der Demokratie und unseres Selbstverständnisses führen uns nicht in das Zeitalter der Aufklärung sondern mitten hinein ins Mittelalter.“

Zum Auftakt: Heloise, die Äbtissin

Und weil sich Geschichte immer besser verstehen lässt, wenn sie Gesichter bekommt, wird Daniela Müller drei faszinierende Frauengestalten aus der Vergessenheit holen – und / oder die ganze Wahrheit über sie erzählen: Heloisa, die Äbtissin. Wilhelmine, die Ketzerin. Johanna, die Jungfrau.

Der erste Vortrag im Rahmen der „Klarianischen Gespräche“ ist denn auch gleich alles: Liebesgeschichte, Abenteuerroman, Kirchenskandal, Krimi, politisch brisant. Im Mittelpunkt: Heloise (1099-1164), eine junge und hochgebildete Frau in Paris, die als gelehrteste Frau ihrer Zeit galt. Ihr Onkel hatte den berühmten Philosophen und Kleriker Abealard für sie als Hauslehrer engagiert – aber Abealard war nicht nur Philosoph und Kleriker sondern auch ein Draufgänger mit vielen amourösen Abenteuern.

Heloise verliebte sich unsterblich in ihn, die beiden heirateten heimlich und doch, es gibt kein Happyend. Oder doch? Nun, Heloise geht ins Kloster und macht Karriere, gründet einen Orden, mischt in der Politik mit, fordert Bildung für alle als höchstes Gut. Abaelard besucht sie. Von „ehelichen Wonnen“ ist die Rede, was nicht alle erfreut: des nachts wird Abaelard gewaltsam entmannt. Abaelard überlebt und wird Mönch, bleibt Gelehrter, Heloise wird Äbtissin in einem der von ihm gegründeten Klöster. Als er stirbt, holt Heloise den toten Abaelar zu sich. Ihre Liebesbriefe sind erhalten und heute noch wunderschön zu lesen. Heloise kämpfte dafür, dass Frauen ihre eigene Klosterregel erhielten. Stress mit Papst und Bischof war da vorgezeichnet. Heloise setzte sich durch. Vor nunmehr 900 Jahren.

Drei Vorträge zum Thema „Fromme Frauen sind gefährlich“ wird Kirchenhistorikerin Prof. Dr. Daniela Müller im Klarissen-Kloster in Kevelaer (St. Klara Platz 2) halten. Eintritt frei, anschließend wird zum gemütlichen Gedankenaustausch bei Tee und Plätzchen eingeladen. Beginn des Vortrags in der Klarissenkirche: jeweils 19 Uhr.

20. Januar: Heloise, die Äbtissin.


17. März: Wilhelmina, die Ketzerin. Sie kam um 1271 als Unbekannte mit ihrem kleinen Sohn nach Mailand. Schnell nannte sie sich Guglielma, die Menschen verehrten sie, es soll Wunderheilungen gegeben haben. Sie hatte die Vision von einer Frauenkirche. Nach ihrem Tod begann ein Heiligenkult, 20 Jahre später wurde ihre Leiche ausgegraben und sie als Ketzerin verbrannt.


14. April: Johanna, die Jungfrau. Jeanne d’Arc nannte sich Tochter Gottes, wurde auf dem Scheiterhaufen verbrannt – und dann verehrt.