Das aktuelle Wetter NRW 20°C
Kunst

Fröhliche Schwarzmalerei

06.02.2012 | 16:28 Uhr
Fröhliche Schwarzmalerei
Porträtmaler Mirso Bajramovic in seinem Atelier im Kloster Roepaen in Gennep. Fotos: Thorsten Lindekamp

Gennep.   Der Multimediakünstler Mirso Bajramovic lebt und arbeitet seit 25 Jahren in den Niederlanden. Seine Leidenschaft sind Gesichter, die zumeist einen düsteren Ausdruck haben. Ausgestellt sind seine „Kopstukken“ unter anderem neben der A 77 bei Gennep.

Entschieden hat sich der 57-Jährigen nicht für das Malen großformatiger Porträtbilder. „Die Gesichter kamen zu mir“, sagt der Maler und Multimediakünstler. Tausende hat er gemalt. Mit Pinseln und Spachtel und am Computer. Einige Bilder von Mirso Bajramovic sind zum Beispiel entlang der A 77 in Richtung Nimwegen bei Gennep zu sehen. Die düster wirkenden „Kopstukken“, die großen Köpfe. Mit einer Größe von 3,50 mal 4,50 Metern stehen sie neben der Autobahn, mitten in der Landschaft.

Maskenporträts zu Karneval

Kleinere Mirso-Porträts blicken von einem Baustellenzaun auf der Zandstraat in Gennep auf die Vorbeifahrenden. Und derzeit sind zudem in 70 Geschäften der Gemeinde Maskenporträts des Künstlers und seiner Schüler ausgestellt. Sie bringen ein wenig venezianisches Karnevalsflair an die Niers. „Die Bilder ergeben eine Karnevalskunstroute, die wir zum 66-jährigen Bestehen des Genneper Karnevalsvereins erarbeitet haben“, erzählt Mirso.

Seine Porträtmotive gehen dem Künstler nie aus. „Jeder Mensch ist einzigartig. Das Porträt ist für mich die Möglichkeit, das auszudrücken, was nicht in Worte zu fassen ist.“ Manchmal sind es Bruchteile von Sekunden in einem Gesichtsausdruck, die ihn inspirieren. Keines seiner Bilder, kein Ausdruck in den Augen, gleicht dem anderen.

Beim Malen folgt der Künstler seinem Gefühl, lässt es aus sich herausfließen. Mal in bunten Farben, abstrakt, mal figurativ, mal in bedrückend düsteren Schwarz- oder Grüntönen. „Ich habe keinen bestimmten Stil“, sagt Mirso. Die Möglichkeiten des künstlerischen Ausdrucks beim Malen sind ihm zu vielfältig, um sich auf einen zu beschränken. „Picasso hat 1924 runde Frauenfiguren gemalt und im gleichen Jahr mit geometrischen Arbeiten begonnen. Das muss kein Widerspruch sein.“

Auch Mirso schafft Kontraste in seinen Bildern. Mit hellen, fröhlichen Farben umspielt er die traurige, manchmal geradezu ängstliche Stimmung auf den Gesichtern seiner Bilder. Und umgekehrt: „Ich kann auch mit Schwarz sehr fröhliche Bilder malen.“

Dann streicht er mit einem kleinen Spachtel in seinem Unterrichtsraum im Kloster Roepaen vier- oder fünfmal blaue und weiße Farbe über die Leinwand. „Sehen Sie das?“, fragt Mirso. Der Blick schweift über das Bild auf der Staffelei. Ein bisschen so, wie bei einem 3-D-Bild. Aus einem verschwommenen Traum taucht es dann plötzlich auf: ein Gesicht. Mund, Nase und Augen, gefüllt mit dem Ausdruck von Melancholie, von Sehnsucht. „Mit dem Gesicht“, sagt Mirso, „kommuniziert der Mensch am meisten.“ Und auf eine ganz einzigartige Weise. Nicht nur mit dem, was man äußerlich wahrnimmt, sondern auch mit dem, was dahinter, darunter liegt, was keiner Worte bedarf.

„Malen ist wie Meditation für mich. Ich folge einfach dem was und wer ich bin, denn das ist das, was ich kann.“ Seine Liebe zu Bildern hat der in Sarajevo geborene Maler früh entdeckt. „Im Alter von sieben Jahren war ich fasziniert von Rembrandt.“

Später studierte er Architektur, blieb aber beim Zweidimensionalen. Er ging nach Dubrovnik in die Touristenstadt am Mittelmeer und malte Gesichter. Bis zu 20 Porträts von Urlaubern entstanden so täglich in seinem „Atelier unter freiem Himmel“, wie er es nennt. Dann traf er die Liebe. „Und sie brachte mich nach Gennep.“

Seit mehr als 25 Jahren lebt und arbeitet Mirso nun in der niederländischen Grenzgemeinde. In seinem Atelier im alten Stadthaus und bei Seminaren und Workshops im Kloster Roepaen. Dass es ihn ausgerechnet nach Gennep verschlug, macht für den Künstler Sinn. „Die Gesellschaft wird oft durch Grenzen getrennt, die in unseren Köpfen gezogen werden. Kunst dagegen verbindet: Nationen, Rassen, Klassen, Geschlechter und Religionen.“

In Mirsos großformatigen Porträts wird das vielleicht besonders deutlich. Sie zeigen nur den Einzelnen, mit einem einzigartigen Ausdruck. Einem immer neuen, einem allumfassenden und zutiefst menschlichen.

Workshops - Individueller Unterricht

„Kunst ist eine Art, um das Leben schöner zu machen“, sagt Mirso Bajramovic. Als Künstler ist es seine Mission, diese Art weiter zu geben. Derzeit unterrichtet er fünf Gruppen im Malen. Seine Schüler lernen die Grundtechniken. „Aber es wird nicht klassisch nach einer Vorlage gemalt. Jeder soll malen, was er schön findet.“

Mirso Bajramovic geht beim Unterricht auf jeden individuell ein. „Er erklärt einem wirklich alles ganz toll“, sagt Marlies Paassen aus Goch, die seit 20 Jahren seine Schülerin ist und jede Woche für den Malunterricht mal eben „rüber“ nach Ottersum fährt. Sie spricht fließend Niederländisch, denn Deutsch spricht der Künstler nicht. Dafür, neben dem Niederländischen, Russisch, Englisch und ein wenig Italienisch.

In den kommenden Monaten hat der Künstler ein besonderes Projekt mit seinen Schülern geplant: Modest Mussorgskis Klavierzyklus „Bilder einer Ausstellung“ wird am 3. Juni im Kloster Roepaen, Kleefseweg 9, in Gennep-Ottersum gespielt. Entgegengesetzt zu der Entstehung der Komposition, die musikalisch die Gemälde von Viktor Hartmann beschreibt, sollen Bajramovic’s Schüler nun Bilder nach der Musik entstehen lassen.

Weitere Informationen zu Mirso Bajramovic sowie seinem Seminar- und Tagesworkshop-Angebot (für Firmen oder Vereine) sind im Internet unter
www.ateliermirso.nl oder www.mirso.nl erhältlich.

Elke Wiegmann

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/6321503/create

Aktuelle Fotos und Videos
Musik und Sonne pur
Bildgalerie
Moers Festival
Sommer, Sonne ...
Bildgalerie
Hitze
Heftige Unwetter in NRW
Bildgalerie
Unwetter
Unwetter am Niederrhein
Bildgalerie
Wetter
Aus dem Ressort
Mann beim Grillen vom Balkon geschleudert
Grillparty
Eine schwere Verpuffung hat am Pfingstwochenende ein junger Mann in Rees ausgelöst. Bei einer Grillparty kippte er Spiritus in die Glut. Durch die Druckwelle wurde ein 33-Jähriger vom Balkon geschleudert. Er wurde schwer verletzt.
200 Liter pro Abend
Pfinsten daheim! (V)
Vom gelben Engel bis zum Bademeister. Das lange Pfingstwochenende am Niederrhein aus fünf verschiedenen Blickwinkeln. Mit Dragan Simic, Kellner im Duisburger Biergarten „Lindenwirtin“