Flughafen Niederrhein betreibt Zeitarbeitsfirma
30.03.2010 | 21:32 Uhr 2010-03-30T21:32:00+0200
Weeze. Die Geschäftspolitik des Weezer Airports sorgt für Wirbel. Zunächst ging es um einen Parkplatz im Weezer Gewerbegebiet, den der Flughafen einem Konkurrenten vor der Nase weggeschnappt hat. Jetzt sorgt die Beteiligung des Geschäftsführers Ludger van Bebber an der Gocher Personalvermittlung Agello für Aufsehen.
40 Prozent hält der 47-Jährige an dem Unternehmen, das rund 60 Personen in der Gastronomie am Airport beschäftigt. Kritische Fragen an Landrat und Flughafen-Aufsichtsrat Wolfgang Spreen stellt auch die Kreis Klever SPD.
Allerdings ist sie wie im Fall der Stundenlöhne, die in der Airport-Gastronomie gezahlt werden, nicht immer gut informiert. So gehen die Sozialdemokraten davon aus, dass Ludger van Bebber nach wie vor von der Kreis Klever Bauverwaltungsgesellschaft an die Flughafen Niederrhein GmbH „ausgeliehen“ ist. Das ist allerdings nicht der Fall. Schon seit fast fünf Jahren nicht mehr.
Ludger van Bebber arbeitet nicht mehr für den Kreis
„Ich bin seit dem 1. Juli 2005 ausschließlich für den Flughafen Niederrhein tätig“, so Ludger van Bebber auf Anfrage der NRZ. Und die Kreisverwaltung bestätigt unabhängig davon, dass keine arbeitsvertraglichen Vereinbarungen zwischen dem Flughafen-Geschäftsführer und dem Kreis Kleve bzw. einer Tochtergesellschaft mehr existieren. „Ein Überlassungsvertrag hat nur in den ersten neun Monaten meiner Tätigkeit am Flughafen von Oktober 2004 bis Juni 2005 bestanden“, ergänzt van Bebber.
So macht es die SPD dem Landrat Wolfgang Spreen (CDU) leicht, die Kritik an van Bebbers Beteiligung an Agello zu kontern. Mit seinem Ausscheiden aus dem öffentlichen Dienst dürfte das allenfalls Flughafen-Eigner Hermanus Buurman zu interessieren haben. Doch der ist an der Gocher Gesellschaft ebenso mit 40 Prozent beteiligt wie der Sohn des früheren Klever Kreiswirtschaftsförderers, Sebastian Gilleßen (20 %). Der führt auch die Agello-Geschäfte.
Mehr als 100 Leute sind beschäftigt
Die Gesellschaft, die mittlerweile mehr als 100 Leute beschäftigt, stellt sowohl Servicekräfte für die Gastronomie am Flughafen als auch Personal für andere Firmen bereit. Unter anderem für Bonduelle in Straelen. „Beide Auftraggeber ergänzen sich optimal. Bonduelle braucht im Winter, der Airport im Sommer zusätzliche Leute “, schildert Gilleßen. Sprich: Im Winter sortieren Agello-Mitarbeiter in Straelen Salat, im Sommer servieren sie in der Flughafen-Gastro Snacks.
Die Gesellschaft zahlt nicht viel, aber immerhin besser als es der Tarif der Dehoga vorsieht. Der liegt für Gastronomie-Helfer bei 7,23 Euro pro Stunde, Agello entlohnt aber alle Helfer, die länger als acht Monate dabei sind, mit mindestens acht Euro. Zuvor hätten diese Mitarbeiter bei anderen Zeitarbeitsfirmen deutlich schlechter verdient, betont van Bebber. Dennoch ist nicht jeder Beschäftigte in der Airport-Gastro bei Agello beschäftigt. „Die Führungskräfte wie Schichtleiter sind beim Flughafen Niederrhein direkt angestellt“, bestätigt der Geschäftsführer.
Einen faden Beigeschmack kann van Bebber in dieser Angelegenheit nicht entdecken. „Wir möchten kein Geld verdienen, sondern die Ressourcen optimal ausnutzen.“ Auch für das angebliche Insich-Geschäft (§ 181), das die SPD in ihrer Anfrage wittert, hat van Bebber nur ein mildes Lächeln übrig: „Schon als Geschäftsführer der Kreis Klever Bauverwaltungsgesellschaft war ich vom sogenannten ‘Verbot des Selbstkontrahierens’ befreit, hätte also Geschäfte mit mir selbst machen können.“ Das ist eine Standard-Formulierung aus jedem Handelsregister-Auszug. Es hat sich nur nicht nicht bis zur Kreis Klever SPD herumgesprochen.
20:43
überwältigende recherche herr peters. toll wie sie sich nicht vor irgendwelche karren spannen lassen.
toll auch wie der flughafen einem konkurrenten einen parkplatz vor der nase weggeschnappt hat. ist es nicht eher so dass der parkplatz von einer anderen privatperson gekauft wurde und jetzt vom flughafen dazu gemietet wurde? flughafeneigene flächen waren sicher nicht geeignet? mal nachgefragt?
übrigens kann man auch als flughafen befürworter für faire arbeitsbedingungen und für verantwortungsvollen umgang mit steuermillionen sein.
werden die darlehen vereinbarungsgemäß zum 31.12.10 abgelöst will ich zu steuermillionen nichts gesagt haben.
14:32
@von Bernd: 7,52 Euro. Aber diese Info stammt nicht von van Bebber.
Die Agello-Nummer bleibt ein fürchterlicher Rohrkrepierer, so lange bis bewiesen ist, dass Agello unter Tarif bezahlt.
Sorry, aber das sind nunmal die Fakten.
10:17
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08:13
Na das nenne ich einen Top Unternehmer.
Zitat „Wir möchten kein Geld verdienen, sondern die Ressourcen optimal ausnutzen.“.
Ich schlage Herrn Bebber für das Bundesverdienstkreuz vor. Mehr Selbstlosigkeit kann man von einem Unternehmer nicht verlangen ;-)
21:55
Danke Herr Peters, dass Sie sich nicht von den Argumenten der Flughafengegner haben blenden lassen. Es bleibt zu hoffen, dass auch Herr Daute endlich merkt, dass Herr van Bebber in keinem (Arbeits-)Verhältnis mit dem Kreis Kleve steht und somit die kritisierten Vorgänge nicht zu beanstanden sind. Er hat betriebswirtschaftlich völlig korrekt gehandelt, auch wenn das manch einer nicht einsehen will.
20:49
Schön, dass Sie die Sicht von Herrn van Bebber so unverfälscht darstellen. Haben Sie dafür mit ihm gesprochen oder eine Pressemitteilung verarbeitet?
Und wie wäre es mal mit Nachfragen, Herr Peters?
Z.B. Was verdient man denn die ersten 8 Monate bei Agello?