Fechter sind in Stellung
14.09.2008 | 22:19 Uhr 2008-09-14T22:19:34+0200TURNIER. In Moers kämpfte gestern der NRW-Nachwuchs für einen Platz bei den Deutschen Meisterschaften.
MOERS. Das metallische Schlagen der sich kreuzenden Klingen erfüllt die Halle. Das hohe Piepen der Signalanlagen und die Schreie der Fechter nach einem Punktgewinn fallen in das Florettkonzert mit ein. "Der muss treffen", ruft der Moerser Trainer Herbert Wagner seinem Schützling zu. Der nickt, klappt die Maske herunter, greift seinen Gegner erneut an und setzt den entscheidenden Treffer.
Trotzdem ist die Miene von Paul Tenbergen nicht zufrieden, als er die Fechtbahn in der Halle der Moerser Heinrich-Pattberg-Realschule verlässt. "Ich habe meine letzte Aktion nicht so beendet, wie ich das geplant hatte", sagt der Elfjährige vom Fechtclub Moers. Er habe seinen Gegner mit einem Begleitstoß nach einer Parade treffen wollen, erklärt Paul Tenbergen. Er will beim Hodey-Cup vor eigenem Publikum unbedingt das Finale erreichen. "Das kann ich schaffen", sagt er überzeugt.
Wenn sein Trainer ihm zwischendurch etwas zurufe, dann helfe ihm das. "Er sieht etwas, zieht seine Schlüsse und gibt mir Tipps", sagt Tenbergen. Er akzeptiert die Autorität des Trainers diskussionslos. Für Herbert Wagner ein Voraussetzung für den Erfolg. "Die Demokratie ist dann beendet, wenn die Hallentür zufällt. Das klingt hart, aber einer muss die Ansagen machen, sonst ist das Training nicht zielorientiert."
Klare Regeln für alle
Nachwuchsförderung heißt für ihn vor allem auf Erfolge hinzuarbeiten. Und davon hat Herbert Wagner viele vorzuweisen. Er war nicht nur sechs Jahre Trainer des aktuellen Olympiasiegers Benjamin Kleibrink, seine Schützlinge stehen regelmäßig bei Landes-, Welt- und Europameisterschaften der Junioren auf der Planche und sind in der Deutschen Rangliste spitze. Erfolge, die auf Disziplin basieren.
"Wir haben Regeln festgelegt, an die sich alle halten müssen", sagt Herbert Wagner. Er duldet weder wiederholtes Zuspätkommen noch ungeschliffene Umgangsformen. Wer gegen die Regeln verstößt, dem drohen Liegestützen. "Mir wird oft zuviel Strenge vorgeworfen, aber ich bin eben ein Lehrer. Ich kann einem Elfjährigen nicht bei jeder Anweisung mein pädagogisches Konzept darlegen", betont der Bundesjugendtrainer. Seine klare Linie kommt bei den jungen Sportlern an.
"Neulich sollte der Paul drei Liegestützen machen, weil er wiederholt unaufmerksam war. Seine Oma sagte, das bräuchte er nicht. Paul hat ihr geantwortet, es sei für ihn eine Ehre, für seinen Trainer die Liegestützen zu machen", erzählt Herbert Wagner. Lächelnd schaut er seinen Nachwuchsfechter an, der nickt wie zur Bestätigung. Dann muss Paul Tenbergen wieder mit seinem Florett auf die Bahn. Schwester Johanna drückt an der Seite die Daumen. Paul geht gleich in die Offensive und setzt den ersten Treffer. Der Gegner gibt sich nicht geschlagen, setzt nach. Metallisch schlagen die Klingen aufeinander, bevor Paul Tenbergen den entscheidenden Treffer setzt.
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