Es braucht einen Kümmerer

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ir benötigen in Kleve eine „Willkommenskultur“. Bei den Beratungen zum Klever Haushalt waren sich alle Kommunalpolitiker einig, dass die vermehrt zugewiesenen Flüchtlinge mit offenen Armen empfangen werden müssen. Die meisten Asylbewerber haben viel Elend in ihren Heimatländern erleben müssen, im Kreis Kleve soll es ihnen besser gehen.

Doch auf eine „Willkommenskultur“ sind die meisten Kommunen am Niederrhein offenbar nicht vorbereitet. Wie auch? Im vergangenen Jahr wurden so viele Flüchtlinge aus aller Welt zugewiesen, dass die Verwaltungen schon fast damit überfordert waren, den Asylbewerbern überhaupt ein Obdach zu bieten. Dass eine Wohnung, ein Zimmer alleine nicht reicht um von „Willkommenskultur“ zu sprechen, ist sicherlich allen Verantwortlichen bewusst. In Kleve fehlt es aber an Strukturen, um Leistungen anbieten zu können, die über das Maß der Unterkunft und Beratung hinaus gehen. Eine „Willkommenskultur“ sollte doch bedeuten, dass man Flüchtlinge an die Hand nehmen kann, ihnen zeigt, welche Einrichtungen es in Kleve gibt, wo sie Sprachkurse absolvieren können, wo sie Sport treiben oder Musik spielen können.

Das Engagement in der Bevölkerung ist vorhanden. Nur schreien die Freiwilligen förmlich nach einer Struktur, nach einer Koordinierung. Sie vermissen die Unterstützungsleistungen, wenn es darum geht Deutschbücher anzuschaffen, eine Schultafel zu organisieren oder Arbeitskleidung. Zu oft hätten sie ein „Nein“ gehört, wo doch ein „Ja“ so vieles erleichtert hätte.

Mit diesen zahlreichen Aufgaben ist die Caritas überfordert. Die wenigen Stunden, die Betreuung der Flüchtlinge angesetzt sind, sind viel zu wenig. Die Politik in Kleve sollte darüber nachdenken, ob die Kreisstadt nicht doch so etwas wie einen Integrationshelfer für Flüchtlinge benötigt, der diese Schaltstelle zwischen Verwaltung, sozialen Trägern, Vereinen und Ehrenamtlichen sein kann.