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Einmal Profifußball und zurück

22.06.2012 | 18:36 Uhr
Einmal Profifußball und zurück
Umut Akpinar vor dem Vereinswappen des 1.FC Kleve. Foto: Thorsten Lindekamp /WAZ Foto Pool

Kleve.   Umut Akpinar verschwand unlängst mit den Kickern des 1. FC Kleve in der Versenkung - dahin, wo sie hergekommen waren. Zuvor hatte der gebürtige Türke mit deutschem Pass noch die dünne Luft geschnuppert, die im Profifußball weht.

Eine Saison in der Regionalliga mit Partien gegen Preußen Münster, Rot-Weiß Essen oder auf dem Betzenberg gegen die U 21 des 1. FC Kaiserslautern. Das war einmal. Jetzt geht’s wieder gegen VfL Tönisberg, TuB Bocholt oder VfR Krefeld-Fischeln. „Das ist okay, dafür habe ich jetzt wieder mehr Zeit für meine Familie“, sagt Akpinar.

Der defensive Mittelfeldakteur ist eine treue Seele, im Fußball gehört er damit eher zu den Paradiesvögeln. Der gebürtige Emmericher kickt seit 1996 am Klever Bresserberg. Es begann in der Landesliga, noch im Trikot des VfB Kleve. Zwei Jahre nach der Fusion mit dem SC Kleve im Jahr 2000 schaffte Akpinar mit dem neu geschaffenen 1. FC Kleve den Sprung in die Verbandsliga. Schon eine Saison später klappte der Aufstieg in die Oberliga. 2008 stürmte die Truppe schließlich in die Regionalliga.

Duelle gegen Schmelzer und Jones

Es war ein Jahr voller Fußballwunder für Jungs wie Akpinar, der sich überraschenderweise immer der Stärke der Spielklasse anpassen konnte. Es gab einwöchige Trainingsaufenthalte in der Türkei, Übernachtungen in Spielerhotels, Fußballmatches vor häufig mehr als 5000 Fans. Es gab Duelle gegen Spieler wie Marcel Schmelzer und Nuri Sahin, Carlos Grossmüller und Albert Streit oder Rene Adler und Jermaine Jones.

Nach dem Abstieg in die NRW-Liga 2009 folgte Anfang 2011 die Insolvenz des Klubs und der Zwangsabstieg in die Landesliga. Der 1. FC Kleve hatte jahrelang über seine Verhältnisse gelebt, um es vereinfacht darzustellen. Das weiß auch Akpinar, doch der heute 35-Jährige hat das Gefühl, „dem Verein etwas zurückgeben zu müssen“, wie er sagt.

Nicht nur im Profifußball, der längst eine Marktwirtschaft geworden ist, spielt das Geld die alles entscheidende Rolle. „Man hört ja immer häufiger, dass Spieler deshalb den Verein wechseln, weil sie 20 Euro mehr im Monat bekommen“, sagt Akpinar. Söldnertum in seiner schrägsten Form. „Das kann ich nicht nachvollziehen“, sagt der Fußballer, der oft Angebote von anderen Vereinen bekam, diese aber stets dankend ablehnte.

Mehr Freiheiten in der unteren Spielklasse

Akpinar sitzt auf der Tribüne im Stadion am Bresserberg, die zum großen Regionalligajahr errichtet, aber bisher immer noch nicht fertig gestellt wurde. „Ich wusste gar nicht, dass wir so ein tolles Stadion haben, das sieht ja von hier oben noch viel besser aus, das sind ja Bundesligaverhältnisse.“ Doch das ist nur noch der schöne Glanz. Akpinar, der als Energieelektroniker bei Probat in Emmerich tätig ist, schätzt es heute, dass er in der unteren Spielklasse wieder mehr Freiheiten hat. Dass er auch einmal während der Saison mit seiner Frau Yasemin und den Kindern Ilkay (6) und Kaan (2) ein paar Tage Urlaub machen kann. Dass er nicht - wie noch zu Regionalligazeiten - Urlaub nehmen muss, um eine Woche ins Trainingslager fahren zu können.

Umut Akpinar wird bald seine aktive Laufbahn beenden und Trainer werden. Den Übungsleiter-C-Schein hat er schon in der Tasche. „Irgendwann wird es Zeit, ein neues Kapitel aufzuschlagen“, sagt er.

Vielleicht beim 1. FC Kleve...

Stephan Wappner

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