Eine starke Frau: Alexandrine von Loe

Alexandrine von Loe (1766-1812)
Alexandrine von Loe (1766-1812)
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Sie heiratete mit 17, brachte zwölf Kinder zur Welt und managte die Loeschen Güter: Alexandrine von Loe, eine Powerfrau

Schloss Wissen/Weeze..  Das kommt davon, wenn man Teil einer so alten, ehrenvollen Adelsfamilie ist: Man findet irgendwann nicht nur sein Porträt in Öl an der Wand, man hat auch verflixt viel aufzubewahren. Die von Loes waren auf Schloss Wissen schon eine Generation lang zu Hause, als ein gewisser Columbus sich aufmachte, Amerika zu entdecken. Raphael Freiherr von Loe Freiherr, aktueller Hausherr auf Wissen, erzählt das nicht immer ohne Stolz – wer kann auch schon von sich und seiner Familie behaupten, mehr als 550 Jahre an ein und demselben Ort zu leben... Wie das so ist, ein Haus mit Geschichte ist immer auch ein Haus mit Geschichten – und die von Loes haben mit den Generationen ein inzwischen prall gefülltes Familien- und Schlossarchiv vorrätig. Viele Urkunden und Dokumente, Briefe und Unterlagen – da kommt ganz schön ‘was zusammen.

Nun haben sich gleich mehrere Autoren aufgemacht, zum Teil unbekannte Archivquellen zu durchforsten und die Geschichte der Familie von Loe von der napoleonischen Zeit bis zum Ersten Weltkrieg anhand einzelner Persönlichkeiten der Familie aufzuschreiben. Zwei kunst-historische Aufsätze zum Schloss und seiner Architektur und seiner Gartenanlage plus neun Beiträge zur Geschichte der Familie, die spannend zu lesen sind und bemerkenswerte Einblicke in das alles andere als sorgenfreie adelige Leben der jeweiligen Zeit erlauben.

Eine bemerkenswerte Lebensgeschichte und das Porträt einer straken Frau lässt sich anhand von 13 wiederentdeckten Briefen rekonstruieren – und dank der Aufarbeitung von Hans-Werner Langbrandtner wunderschön entdecken: Alexandrine von Loe, geboren 1766, gestorben 1812.

Eine beeindruckende Geschichte: Alexandrine Gräfin von Meerveldt ist 17 Jahre alt, als sie Edmund Freiherr von Loe heiratet. Der hatte zunächst die militärische Laufbahn eingeschlagen, „schenkte“ seiner Frau nach und nach zwölf Kinder und konnte sich und seine Familie um 1800 herum nur mit dem Verkauf des Familiensilbers über Wasser halten. Unter Napoleon machte er politische Karriere, lebte als Senator nahezu ganzjährig in Paris – Alexandrine managte derweil zu Hause alles: Familie, Kinder und die gesamten Loeschen Güter. Sie ließ Waldstücke aufforsten, Heidefelder bepflanzen, züchtete Merinoschafe, wusste, wie Brennerei und Brauerei zu funktionieren haben... Besonders anrührend sind die Briefe, die sie an ihren ältesten Sohn Friedrich Carl schreibt, der wie sein Bruder Franz Carl als Offizier der französischen Armee an den Eroberungsfeldzügen Napoleons teilnahm.

„Lebe wohl, mein bester Fritz. ... sey immer brav und gut. Als Krieger zeige Mitleid und Theilnahme den armen Leuten, die gedrückt oder irr geführt werden ...“ (April 1807).

Als sie erfährt, dass ihr Zweitältester in Hessen 15 gefangene Bauern erschießen lässt, ist sie schockiert:

„Wenn er eine solche Grausamkeit begehen konnte, dann verdient er, unter den Kannibalen gerechnet zu werden. Es empört und schmerzt mich gewaltig...“ (Februar 1812)

Im Oktober 1812 stirbt Alexandrine von Loe. In der Ahnengalerie auf Wissen ist ihr Porträt zu sehen.

So ein bisschen können Sie wieder Geschichte atmen und auf den Spuren von Alexadrine von Loe wandeln – am Wochenende, wenn Schloss Wissen sich öffnet und wieder zum bunten Parkfest einlädt. Am Sonntag, 12. Juli, wird zwischen 10 und 18 Uhr für jung und alt eine ganze Menge geboten – mit Musik, Aktionen, Handwerk und Kunstwerk, Führungen durch den Schlosspark und – für Kinder – ins Verlies (und wieder hinaus).

Wie in jedem Jahr ist der Erlös für eine gute Sache bestimmt: Die Einnahmen unterstützen gesunde wie auch hilfsbedürftige Pilger, die die Kosten einer Wallfahrt nach Lourdes nicht alleine aufbringen können. Seit vielen Jahren schon starten die Malteser ihre Lourdes-Fahrt von Schloss Wissen aus – damit auch Schwerkranke die Möglichkeit haben, mitzureisen, wird seit mehr als 30 Jahren ein Zug gemietet – gesunde und kranke Pilger machen sich dann gemeinsam auf den Weg. Was dabei alles zu erleben ist, wird ein Film verraten, der beim Parkfest gezeigt wird.

Eröffnet wird das Fest um 10 Uhr mit einer Heiligen Messe in der frisch renovierten und restaurierten Schlosskapelle. Zelebrant ist Weihbischof Wilfried Theising, der die Lourdes-Fahrer in diesem Jahr begleitet hat.

Die Frauen der Nachbarschaft werden für ein bemerkenswertes Kuchenbuffet sorgen. Wer es lieber herzhaft mag: Es gibt u.a. Leckeres vom Grill, Reibekuchen, Weinproben. Malerin Bettina Hachmann hat ihr Atelier geöffnet, dort kann man ihre Arbeiten sehen und auch Werke von Tobias Hermann (Fotografie und Malerei).

im Schlosshof finden sich Stände, u.a. Kunsthandwerk, Trödelmarkt, handbemaltes Porzellan. Höhepunkte im Kinderprogramm: Kindertheater, Clown und Jonglage, Verlies-Führungen, Ponyreiten, Kanufahrten im Schlossgraben.

Veranstalter ist die Krankenbruderschaft Rhein Maas.

Eintritt: Erwachsene drei Euro; Jugendliche 1,50 Euro; Kinder bis zehn Jahre frei.