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Eine Radtour, 50 Kilometer und vier Friedhöfe

15.06.2012 | 22:00 Uhr
Eine Radtour, 50 Kilometer und vier Friedhöfe
Der Soldatenfriedhof Niersenberg in Kamp-Lintfort. Foto: Gisela Weißkopf /WAZFotoPool

Am Niederrhein.   Auf einer Thementour geht’s 50 Kilometer mit dem Rad zu Friedhöfen in Moers, Kamp-Lintfort und Alpen und zurück, unter anderem zum Grab von Hanns-Dieter Hüsch.

„Ich bin gekommen, Euch zum Spaß und gehe hin wo Leides ist und Freude und wo beides ist zu lernen Mensch und Maß.“ Oh ja. Spaß hat er vielen bereitet, der weltläufige und heimatverliebte Sohn der Stadt Moers, der hier auf dem Hülsdonker Friedhof seine letzte Ruhe gefunden hat: Hanns-Dieter Hüsch. Und so steht auf der Stele auf seinem Grab ein - sein - letzter Bühnensatz. Es ist das Ende von Hüschs letztem Programm. Es lädt ein zum Nachdenken, hier an diesem idyllischen Ort mit der kleinen Bank - der Ausgangspunkt einer rund 50 Kilometer langen Radtour zu besonderen Grabstellen in Moers, Kamp-Lintfort und Alpen.

Der Zentralfriedhof in Moers mag an sich kein besonderer zu sein. Aber er ist groß und bietet mit seiner parkähnlichen Gestaltung und vielen gepflegten Gräbern einen Rückzugsort, der keineswegs bedrückend erscheint. Und allein schon das Grab von Hanns-Dieter Hüsch ist ein Besuch wert. Doch bevor wir uns zu sehr in die Muße verlieren - weiter geht’s. Auf nach Kamp-Lintfort. Entlang der Niederrheinroute, durch Kamp-Lintfort - bis kurz vor Kloster-Kamp. An der Kreuzung B 510 geht’s rechts rein - und fast vorbei am Soldatenfriedhof Niersenberg. Denn der liegt ein wenig versteckt abseits der Straße. Hinter einem alten Baumbestand sind sie aufgereiht, die Kreuze inmitten von Efeu umrankten Gräbern. 1556 Kriegstote, darunter 50 Frauen und Kinder, liegen hier seit 1954 begraben. Sie wurden damals aus 29 provisorischen Begräbnisstätten aus der Umgebung her umgebettet. Die Namen, Geburts- und Sterbedaten stimmen nachdenklich in ein paar Minuten abseits des Alltagstrotts.

Die Hüsch-Stele auf dem Zentralfriedhof in Hülsdonk. Foto:Gisela Weißkopf /WAZFotoPool

Es gibt so manchen Ort auf der Route, der zur Weile einlädt. Auf dem Weg zum dritten Ziel, dem jüdischen Friedhof in Alpen, fahren wir vorbei am Kloster Kamp. Ein Halt lohnt sich hier immer. Zumal die Strecke ein wenig sportlicher wird, wenn man durch die Leucht über Waldboden radelt - immer weiter der Niederrheinroute entlang - bis nach Alpen. Etwa 400 Meter hinter dem nördlichen Ortsausgang von Alpen liegt an der Ulrichstraße der jüdische Friedhof. Ein hölzernes Schild mit einer Menorah und zwei Davidsternen weist den Weg. Denn die Grabstellen liegen umgeben von hohen Wiesen und alten Bäumen hinter Hecken nicht sofort von der Straße sichtbar. 56 Grabsteine sind noch aus den Jahren 1792 bis 1936 erhalten. Sie zeugen von einem Teil der Alpener Geschichte, die 1714 mit dem Zuzug des ersten Juden, David Abraham, begann. 1932 zählte die jüdische Gemeinde 31 Menschen. In der Nazi-Zeit wurden 13 von ihnen deportiert und ermordet, 19 sind emigriert. 1939 wurde Samuel Meyer als letzter jüdischer Mitbürger hier bestattet. Die immer noch erhaltenen Grabmähler stehen wie stumme Zeugen einer vergangenen Zeit in der Erde.

Der letzte Teil der Route führt zurück nach Moers über Rheinberg. Ein Abstecher in die Innenstadt beispielsweise zum Underberg-Stammhaus könnte eine weitere Pausenetappe werden, bevor wir weiter in die Pedalen treten - zum Friedhof in Moers-Meerbeck, der im Volksmund „Zigeunerfriedhof“ genannt wird. Es sind die 52 Marmorgräber der Sinti und Roma, die hier auffallen. Sie heben sich ab durch ihre aufwändige Gestaltung. Die Steinplatten sind mit Ornamenten und goldenen Mosaiken mit Mariendarstellungen verziert, Laternen umgeben die Gräber und von einem Emaille-Bild lächelt der Verstorbene den Besucher an.

Seit dem Zweiten Weltkrieg liegen hier Sinti und Roma begraben. Viele wurden einst im KZ Asberg gefangen gehalten. Nachdem einer von ihnen gestorben war, wurde er in Meerbeck beerdigt. In den 50er Jahren siedelten sich einige Sinti- und Roma-Familien in Moers an. Pfarrer Bernhard Lauer hat schon viele Beerdigungen erlebt, die eher an einen Basar, als ein Begräbnis erinnerten. Lautes Klagen, Handtelefonate und Verhandlungen am offenen Grab über den Lohn des Sargträgers habe er schon erlebt. Und eines nimmt man ihm sofort ab, wenn man die Marmortische und Stühle neben den Gräbern so sieht: „Ruhig werden die Teilnehmer der Trauerfeier nur dann, wenn ich zu singen beginne. Deshalb habe ich mich daran gewöhnt, das Requiem zu singen.“

Die GPS-Daten dieser Tour (als gpx-Datei) finden Sie rechts neben diesem Artikel in der Rubrik Download.

Rosali Kurtzbach

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Kommentare
24.06.2012
19:40
Eine Radtour, 50 Kilometer und vier Friedhöfe
von Radler99 | #1

Von Moers bis Rheinberg eine sehr schöne Strecke, meist abseits der Hauptstraßen.
Von Rheinberg bis Moers entlang der Hauptstraße mit sehr viel...
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2012-06-15 22:00
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