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Eine Nische aus Lehm

23.11.2010 | 19:15 Uhr

Rees. Eigentlich geht Tobias Jöhren notorisch fremd. Der 28-Jährige ist nämlich nicht etwa ein gelernter Maurer oder Zimmermann, sondern Maler und Lackierer. Trotzdem ist er seit acht Jahren mit seiner Firma „Projektbeginn“ als Lehmbauer unterwegs.

Das Unternehmen ist als Fachbetrieb zertifiziert – und gehört damit einem exklusiven Kreis an. Lediglich 120 zertifizierte Lehmbauer gibt es bundesweit.

Auf die Idee gekommen, mit Erde zu arbeiten, ist der Halderner schon während seiner Lehre. „Damals habe ich die Arbeit mit Lehmputz kennengelernt. Das Material hat mich sofort begeistert“, schildert Jöhren. Auch aus ökologischen Gründen. Die im Lehm enthaltenen Tonminerale nehmen nämlich große Mengen Luftfeuchtigkeit auf und geben sie zeitversetzt wieder ab.

Regulierung des Raumklimas

Durch diese natürliche Regulierung des Raumklimas werden zudem Gerüche abgebaut. „In Lehmbauten herrscht eine Luftfeuchtigkeit zwischen 50 und 56 Prozent. Der Mensch fühlt sich bei einer Luftfeuchtigkeit von 53% am wohlsten“, erklärt der Chef von inzwischen drei Mitarbeitern. Das reine Verputzen von Innenräumen überlässt er heute meist Partnerfirmen, sein Unternehmen kümmert sich verstärkt um die Sanierung alter Häuser mit Lehm oder um Neubauten.

In Lehmbauweise werden derzeit auch die römischen Handwerkerhäuser im Archäologischen Park Xanten erreichtet. „Die allerdings werden in Stampflehmtechnik gebaut“, erklärt Jöhren. Eine Methode, die heute viel zu teuer und aufwendig wäre. „Stattdessen wird ein Ständerwerk aus Holz aufgebaut und die Zwischenräume mit Lehm verputzt.“ Eine Technik, die an Fachwerkbauten erinnert.

Sanierung
mit Erde

Derzeit arbeitet Jöhren mit seinen Leuten in Emmerich–Elten, wo ein niederländisches Ehepaar seine Traum-Immobilie gefunden hat und die Sanierung des Gebäudes mit verschiedenen Lehmputzen vorantreibt. „Eine tolle Herausforderung“, so der Öko-Handwerker. „Insbesondere für Menschen, die ihr Haus natürlich dämmen und nicht in Styropor einschweißen wollen.“ Es gibt allerdings auch ganz praktische Vorteile. Ist mal eine Delle oder ein Loch in der Wand, kann Jöhren einfach mit Kelle und Eimer vorbeikommen und die schadhafte Stelle ausbessern. Deshalb wächst der Markt für Lehmbau ständig.

Den Rohstoff, also den Lehmputz, bezieht Jöhren wie viele andere von der Firma „Claytec“ in Viersen, die sich schon in den achtziger Jahren auf den alten Baustoff spezialisiert hatte und Lehm und Putz in einer alten Ziegelei produzieren. Das Unternehmen hat unter anderem am historischen Fort Al Jahili in der Oasenstadt Al Ain im Emirat Abu Dhabi gearbeitet und fürs Kölner Kolumba-Museum die Wände gestaltet. Allerdings hat das Bauen mit Lehm auch seinen stattlichen Preis. „Es kostet etwa ein Drittel mehr als konventionelle Häuser“, betont der Jungunternehmer.

Ein Drittel
teurer

Für Kunden, die sich bewusst für den Baustoff entscheiden, ist das kein Problem. Sie greifen gerne tiefer in die Tasche. Schließlich ist der Baustoff hundertprozentig natürlich und wird ohne chemische Zusatzstoffe verarbeitet. „Lehm ist zwar teurer“, erklärt Pietenel Beule, die sich derzeit in Emmerich-Elten einen Hof mit Lehm dämmen lässt, „aber auch gesünder.“

Markus Peters

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