Eine neue Heimat

Duisburg..  Ein Ort, Menschen, der eigene Körper, die ganze Welt, Fiktion oder pure Nostalgie? Was bedeutet der Begriff „Heimat“? In rund 130 Veranstaltungen – von Theaterproduktionen, Tanz und Performances über Ausstellungen und Lesungen bis hin zu Workshops, Führungen und Diskussionen – nähert sich das diesjährige und bereits 36. Akzente-Kulturfestival dem Begriff in all seiner Vielfalt. Vom 6. bis zum 22. März verwandelt sich die Stadt an Rhein und Ruhr für etwas mehr als zwei Wochen selbst in eine neue „Heimat“ für Autoren, Künstler, Schauspieler und zahlreiche andere Kulturschaffende.

Zum Auftakt des Kulturfestivals wird in der Gebläsehalle im Landschaftspark Duisburg-Nord die Eigenproduktion „Der Himmel über der Ruhr“ gezeigt, eine „Heimatsuche in Bildern, Texten und Tönen“, konzipiert und durchgeführt von Jennifer Whigham und Jens Kerbel. Die rund 40 Aufführungen von Theaterstücken, Tanzeinlagen, Kabarettvorstellungen und Performances sowie das traditionsreiche „Akzente-Theatertreffen“ im Theater Duisburg sind Schwerpunkt der „Akzente“.

Zu erleben sind unter anderem die Performance „Land Akupunktur – Bodies“ des Kaiser Antonio Dance Ensembles in der Beekstraße, einer fast ausgestorbenen Einkaufsstraße in der Duisburger Altstadt, deren leerstehende Geschäfte und Möbelhäuser neue Heimat, Kulisse und Ausstellungs- sowie Vortragsraum zugleich für viele Künstler und ihre Veranstaltungen bildet.

Im Explorado Kindermuseum wird das Musical-Projekt „Ein fremdes Tier ist in der Stadt“ von der Internationalen Kinder- und Jugendbühne Bahtalo gezeigt. Und im ehemaligen Café Alex in der Münzstraße wartet auf die Akzente-Zuschauer zum Beispiel auch ein „Heymatabend“ mit Kai Magnus Sting und Jupp Goetz. Auch der ermordeten jüdischen Bewohner der Altstadt, die hier kleine Geschäfte und große Kaufhäuser errichteten, wird mit der Performance „Bisch’ol“ im Sissy Lala gedacht. Im Duisburger Theater sind im Rahmen des Akzente-Treffens unter anderem die Werke „Das kalte Herz“ vom Schauspiel Stuttgart und „Geschichten aus dem Wienerwald“ vom Deutschen Theater Berlin zu sehen. Den zweiten Schwerpunkt der 36. Akzente bilden 30 Ausstellungen und Projekte der bildenden Kunst.

Zu sehen sind zum Beispiel die Fotografien von Astrid Heups in der Ausstellung „Mein Duisburg – Heimat für Generationen“ im Stadt- und Kulturhistorischen Museum, „Der Körper als eine Heimat“, eine Ausstellung von Gabriele Kaiser-Schanz in der Salvatorkiche, oder „Otto Pankok: Sinti-Porträts & Joakim Eskildsen: Roma Reisen“ in der Kulturkirche Liebfrauen. Und was die Installation „Heimat ist da wo man hinscheißt!“ im Landschaftspark zu bieten hat, darf der Akzente-Besucher gespannt erwarten. Ein weiterer Höhepunkt des Akzente-Programms ist das stets von der Stadtbibliothek veranstaltete Literaturprogramm im Rahmen des Kulturfestivals. Sechs Lesungen stehen auf dem Programm, das in der Duisburger Altstadt geboten wird: Das Programm beginnt mit „..dass Weltkunde mit Heimatkunde beginnt – oder mit ihr endet.“ Erinnerungen an den großen Geschichtenerzähler Siegfried Lenz“, gelesen von Schauspieler Bernt Hahn und moderiert von Philosoph und Literaturwissenschaftler Dr. h.c. Hanjo Kesting; gefolgt, vom Autor Michael Kleeberg, der aus seinem zum Roman des Jahres 2014 gekürten Werk „Vaterjahre“ liest.

Zum Thema „Heimat“ folgt die Autorenlesung von Sherko Fatah, der aus seinem Roman „Der letzte Ort“ liest; drei Tage später liest der ehemalige „Zeit“-Redakteur und „Spiegel“-Kulturchef, der heute für die „Süddeutsche“ schreibt, Willi Winkler, aus „Deutschland eine Winterreise“ – seine persönliche, 800 Kilometer lange „Wallfahrt“ von Hamburg nach Altöttigen; aus ihrem Roman „Spiel der Zeit“ liest Autorin Ulla Hahn in Duisburg, bevor das Programm mit der Lesung von Thomas Wolfe „Schau heimwärts, Engel“, gelesen von Schauspieler Christian Brückner, endet. Und das genau einen Tag, bevor dann auch das abwechslungsreiche, sehr unterhaltsame, sehenswerte und spannende Akzente-Programm mit seiner vielseitigen Sicht auf den Begriff „Heimat“ endet.

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