Ein Märdchen Märchen in Marienthal

Hamminkeln..  Mit einem quietschgelben Koffer steht sie da. Den habe sie immer dabei, auf ihrer Reise mit dem Fahrrad durch Deutschland. Darin, wie sie sagt: Dichter und Denker. Diplom-Gedichtesprecherin Anna Magdalena Bössen machte mit ihrem Projekt „Deutschland. Ein Wandermärchen“ im Haus Elmer halt. Die Grundidee des Projekts ist einfach und doch genial: Bössen radelt durch die Republik und bietet dabei ihre Auftritte an – gegen eine Bühne, Unterkunft und Verpflegung. Auf ihrer Internetseite können sich Interessenten anmelden.

Ob Auftritte in heimischen Wohnzimmern, Kapellen oder Schlössern - die Gedichtesprecherin durfte schon einiges erleben. Angefangen hat sie im letzten Jahr, direkt 4160 Kilometer auf dem Fahrrad zurückgelegt und an mehr als 50 Stationen halt gemacht. Eine Frage, die sie immer begleitete: „Bin ich Deutschland?“ Diese Frage zu beantworten, werde immer schwieriger für sie, je mehr sie entdecke. Eines sei ihr jedoch klar geworden: „Deutschland ist so vielschichtig, das kann ich alleine gar nicht sein.“ Zu Deutschland gehöre zum Beispiel Gastfreundschaft, aber auch ein Hang zum Perfektionismus. Dieser sei ihr beim Treffen neuer Gastgeber besonders aufgefallen: Alle wollten sie zufrieden stellen und auch sie hatte Angst, dass sie enttäuschen könnte.

Auch die Frage nach dem Begriff der Heimat kam immer wieder auf. Ist die Heimat mit einem Standort verbunden, mit Gerüchen, der Wahrnehmung? Oder – findet man Heimat doch nur in sich selbst und somit an jedem Ort? Für Anna Magdalena Bössen bedeutet besonders eines Heimat: Familie. Daher freute sie sich besonders, dass ihre Familie sie in Marienthal besuchte.

In ihrem Programm „Bin ich Deutschland?“ trug sie, eingebettet in die Geschichten, die sie von ihrer Reise erzählte, die unterschiedlichsten Gedichte vor. Darunter „Deutschland. Ein Wintermärchen“ von Heinrich Heine. Dieses Gedicht hatte Bössen auch zum Namen ihres Projektes inspiriert. Mit bunten Fotos von sich selbst auf der Reise, von ihrem Fahrrad, ihrem Koffer, ihren unterschiedlichen Unterkünften und der Landschaft, lockerte sie die Stimmung auf und brachte das Publikum mit Anekdoten zum Lachen. Auch von ihrem Studium an der Hochschule der Künste in Stuttgart berichtete sie und gab den Zuhörern ein paar Minuten Sprechtraining: „Wachsmaske, Messwechsel“, erklang es im Publikum. Das Marienthaler Publikum war von der erfrischend ehrlichen Bössen und ihrem Projekt begeistert.