Ein einzig' Mal
03.01.2008 | 23:12 Uhr 2008-01-03T23:12:59+0100KARNEVAL. Carsten Kämmerer aus Rheinberg-Ossenberg ist der NRZ-Karnevalsprinz. Heute lädt er zum Empfang ins Schloss.
RHEINBERG. Er ist ein Sänger, ein Dichter, ein Prinz - irgendwie ein halber und doch ein ganzer. Ganz sicher aber ist er ein echter Niederrheiner, und das qualifiziert ihn für unseren Posten: Carsten Kämmerer aus Rheinberg-Ossenberg ist unser neuer NRZ-Karnevalsprinz und löst damit unseren bisherigen Titelträger Bodo Malsch aus Duisburg ab! Jetzt haben wir die Narrenkappe also wieder auf und begrüßen Sie, liebe Jecken, mit einem dreifachen: Prinz Carsten "Helau", NRZ "Helau", Niederrhein "Helau"!
Ein halber Prinz, wie soll denn das gehen? Entweder ganz oder gar nicht, könnte der - vollkommen berechtigte - Einwand lauten. Nun gut: Prinz Carsten hat es doch glattweg fertig gebracht, sich an seinem allerersten Tag in Amt und Würden entschlüsseln zu lassen. Weg war eines der Zeichen der Macht. "Da war ich nur noch ein halber Prinz - oder besser gesagt, ein Drittel-Prinz", sagt er und schüttelt den Kopf. "Das passiert mir nicht noch einmal!" Den Schlüssel hat er sich wieder geholt und er hütet ihn nun wie seinen Augapfel.
Der Dorfkarneval ist sein Ding
Apropos hüten: Prinz Carsten trägt den Beinamen der Pflegende - weil er gelernter Kinderkrankenpfleger und heute stellvertretender Leiter der Weseler Caritas-Sozialstation ist, aber auch, weil es seine Ossenberger sicher und warm bei ihm haben. Dieser "Dorfkarneval", wie ihn unser Prinz liebevoll und charmant lächelnd bezeichnet, ist sein Ding.
Er liebt die Spontanität, die es seiner Meinung nach eher auf dem Land als in der Stadt gibt. Da verzichtet er auch gern auf einen Rheinberger Umzug, der nur alle zwei Jahre stattfindet - und 2008 eben nicht. "Ich will voll und ganz für die Ossenberger dasein", sagt er.
Hier ist er schließlich in die karnevalistischen wie bürgerlichen Schuhe gewachsen.
Kindergarten, Grundschule, Gymnasium, Ausbildung, seine gesamten 35 Jahre hat er im Ossenberg-Dorf verbracht. 1981 ("oder war es '82?") stieg Carsten Kämmerer in die Bütt und gebar den ossenbergschen Kinderkarneval mit. Jahr für Jahr dasselbe Spiel, mal als Büttenredner, mal als Sitzungspräsident, aber immer mit Spaß in den Backen. Bis er volljährig war. Ab dann durfte er bei den Großen mitmischen, konnte sich von den Kleinen aber noch nicht trennen und feierte zwei Jahre lang einfach doppelt Karneval. Wieder ab in die Bütt und das Publikum verzückt.
Als "der Erlebnisreiche aus Ossenberg" nahm er die Rheinberger Prominenz auf die Schüppe, mit seinen "Sechs Freunden" parodiert er seit sechs Jahren die Welt der Rentner, des Horst Schlemmers oder des Heintjes mit seinem Pantomimenchor. "Das ist immer gut angekommen", sagt unser Prinz und bedauert es ein wenig, in diesem Jahr als Adeliger nicht in die Bütt zu steigen. "Dieses Privileg habe ich mir genommen..."
Party mit dem Prinzen
Dafür schmettert er jetzt Klassiker: Die "Hände zum Himmel" hat er auf Ossenberg umgemünzt und nach zweieinhalbstündiger Aufnahme im Tonstudio auf CD gebrannt. Live zu hören sein, wird's heute im Ossenberger Schloss. Für rund 50 Prinzenpaare vom Niederrhein und aus den Niederlanden wird Prinz Carsten die Pforte zum Rokokosaal öffnen. Es freut ihn der Hausherr bei einer der größten niederrheinischen Karnevalsveranstaltungen zu sein.
Das Wichtigste ist für ihn die Partystimmung. Deshalb gibt es nach dem Schlossempfang die Riesensause im Zelt - und das nicht nur auf der Bühne, sondern nach knapp einer Stunde mitten drin im Trubel, auf der Tanzfläche und sonstwo. "Ich habe veranlasst, dass die Prinzen sich unters Volk mischen können, damit sie mit ihren Leuten feiern können."
Und eigentlich passt es unserem NRZ-Prinzen Carsten auch recht gut, dass er wohl der einzige Prinz ist, der an Rosenmontag keinen offiziellen Auftritt hat. "Vielleicht fahre ich nach Köln zum Zug." Denn einen eigenen hat er ja nicht. "Finde ich auch nicht schlimm." Was er im Nachhinein bedauert ,ist, dass diese Session so kurz ist, aber die Auftritte trotzdem nicht weniger werden. Dann kann er doch einfach im nächsten Jahr nochmal den Prinzen geben? "Nee", sagt Carsten, der Pflegende, "das macht man nur einmal."
Schon allein, weil es eine Menge Geld kostet, "das man aber gerne in die Hand nimmt." Ansonsten braucht ein Prinz dasselbe wie ein Karnevalist: Spontanität und Spaß an der Freud'. Seine Frau Kathrin aus - pfui - Sprockhövel kann Karneval hingegen gar nix abgewinnen, aber ein wenig hat Carsten sie schon auf seine Seite gezogen. Zu den Höhepunkten der Session folgt sie ihrem Prinzen, unterstützt ihn, wie und wo sie kann.
Und dann üben wir schon mal, Achtung: Prinz Carsten: "Helau", NRZ: "Helau", Niederrhein: "Helau"!
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