Ein Bummel durch Leiden

Ausgesprochen hübsch: die Innenstadt von Leiden imAbendrot.
Ausgesprochen hübsch: die Innenstadt von Leiden imAbendrot.
Foto: LM
Was wir bereits wissen
Kunst, Kultur, Kirchen und Kneipen: Die niederländische Universitätsstadt probiert es mit Entschleunigung

Leiden..  Es muss nicht immer Amsterdam sein. Wer in den kommenden Wochen und Monaten einen Urlaub an der niederländischen Nordseeküste macht und zur Abwechslung mal einen Stadtbummel einstreuen will, könnte zur Abwechslung das kleine Universitätsstädtchen Leiden anfahren, das mit seinen Grachten, Flüssen und Kanälen ein wenig wie Amsterdam im Miniaturformatwirkt. Nur eben viel gemütlicher.

Und in diesem Jahr gibt es in Leiden auch eine Menge zu feiern. Zum Beispiel die Universität am Rapenburg mit ihrem hübschen Botanischen Garten, die in diesem Jahr 440 Jahre alt wird. Wilhelm von Oranien hat sie 1575 gegründet. Angeblich aus Dankbarkeit gegenüber der Stadt, die sich den spanischen Truppen im Jahr zuvor hartnäckig widersetzt hatte. Damit ist die Uni Leiden die älteste Universität der Niederlande. 25 000 Menschen studieren dort heute. Der prominenteste Absolvent dürfte König Willem-Alexander sein, der wegen seiner - durchaus verständlichen - Zuneigung zu den vielen gemütlichen Kneipen der Stadt einst den Spitznamen „Prins Pilsje“ verpasst bekam. Das alte Akademiegebäude und der Botanische Garten sind zu besichtigen, anschließend bietet sich ein Spaziergang rund um die Sternwarte entlang der „Witte Singel“ zurück zur alten Universität an.

Nur einen Steinwurf weit entfernt steht die Pieterskerk, eine der ältesten Kirchen der Stadt. Das Besondere an ihr ist nicht der fehlende Turm, der bereits 1512 einstürzte (Baumängel), sondern die Tatsache, dass hier von 1609 bis 1625 John Robinson predigte, geistiger Vater und Chef-Ideologe der britischen Puritaner, die 1620 von Leiden aus zur endgültigen Besiedlung Nordamerikas aufbrachen.
Eine weitere Besonderheit der Stadt kann um die Ecke bewunder werden: Die Muurgedichten (Mauergedichte), die auf Häuserwänden in der Innenstadt zu sehen sind. 101 Texte von bekannten und unbekannten Dichtern aus aller Welt sind in unterschiedlicher Gestaltung in der Originalsprache und -schrift auf die Wände der Häuser gemalt.
Vom prächtigen Stadhuis an der Breestraat aus Bentheimer Sandstein ist seit einem Brand im Jahr 1929 leider nur noch die Fassade übrig. Wenn Sie sich über die vielen gekreuzten Schlüssel wundern - sie sind das Symbol der Stadt.

Auf der sogenannten Koornbrug, einer hübschen Holzbrücke aus dem frühen 19. Jahrhundert, geht es über den Nieuwe Rijn. Obwohl sich in Leiden der Oude (alte) und der Nieuwe (neue) Rijn teilen und auch wieder vereinigen, bevor es Richtung Küste geht, sind diese beiden Flüsschen nur unbedeutende Nebenarme des weit verzweigten Rheindeltas. Der Hauptstrom mündet ironischerweise als Nieuwe Maas vor Rotterdam in der Nordsee. Aber das wird der Stadtführer deutschen Touristen wohl kaum erzählen.

Auf der anderen Seite der Brücke ist die Burcht, ein künstlich aufgeworfener Fluchthügel aus dem 11. oder 12. Jahrhundert, zu entdecken. Die Motte wurde im 17. Jahrhundert befestigt und bietet einen guten Überblick über die Innenstadt.

Am Zusammenfluss von Oude und Nieuwe Rijn geht es weiter über den Apothekersdijk und Prinsessekade Richtung Steenstraat. Dort steht der Sint Salvatorhof. Einer von insgesamt 35 „Hofjes“ der Stadt. Sie wurden zwischen dem 13. und dem 19. Jahrhundert von reichen Bürgern der Stadt gestiftet, die für minder bemittelte und ältere Mitmenschen etwas Gutes tun wollten. Die Namen der Hofjes verweisen häufig auf diese Wohltäter. Diese Anlage baute Pauwels van de Velde, ein reicher Kaufmann aus Antwerpen, 1625. Die Höfe werden nach wie vor von älteren Menschen und Studenten bewohnt. Die meisten Höfe sind aich zu besichtigen, um respektvolles Auftreten wird aber gebeten.

Der berühmteste Sohn der Stadt, Rembrandt Harmenszoon van Rijn, kam im Juli 1606 ein paar Meter weiter am Weddesteeg zur Welt. Sein Geburtshaus ist nicht mehr erhalten. Ein kleiner Platz mit einem Denkmal erinnert an den Malerfürsten, der hier auch studierte und seine ersten Pinselstriche auf die Leinwand setzte. Entgegen landläufiger Meinung war seine Familie ganz und gar nicht arm. Im Gegenteil. Vater Harmen verdiente eine Menge Geld, als Müller und auch als Makler.

Ausstellung: Global Imaginations

In De Meelfabrik, Oosterkerkstraat 16-18, Leiden, ist bis zum 4. Oktober noch die spannende Ausstellung „Global Imaginations“ zu sehen. In der Industrieruine werden auf bis zu sieben Etagen Plastiken und Installationen gezeigt, die oft aus schräger Perspektive einen Blick auf die moderne Gesellschaft erlauben.


Der verstorbene Chinese Chen Zhen zeigt eine von Stühlen umringte Stahlkugel, in deren Mitte die Menschenrechte aufleuchten. Lucy und Jorge Orta haben das Wasser der nahen Gracht nicht nur künstlerisch aufbereitet. Simryn Gill aus Singapur lässt unter dem Dach die Encyclopaedia Britannica zu Papierbooten falten und Pascale Marthine Tayou an einem Fischernetz zehntausend bunte Plastiktüten herabbaumeln. Gleichermaßen beeindruckend wie bildstark.

Die Ausstellung ist mittwochs bis sonntags von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 7,50 €, Besucher unter 18 Jahren haben freien Eintritt.