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Ein bewegtes Leben

14.01.2009 | 17:53 Uhr

Isabelle Gräfin von Loe starb im Alter von 105 Jahren in Kevelaer. Am kommenden Montag wird die einstige Schlossherrin von Wissen auf dem katholischen Friedhof in Weeze beigesetzt.

Isabelle Gräfin von Loe

AM NIEDERRHEIN. Bis zuletzt stand sie im Mittelpunkt ihrer großen Familie: Am Samstag verstarb Isabelle Gräfin von Loë, geborene Prinzessin zu Salm Salm, Wild- und Rheingräfin im Alter von 105 Jahren in Kevelaer. „Am Silvestermorgen hat sie noch mit der Familie Mikado gespielt. Ihr Geist war immer noch rege. Aber das Herz hat zum Schluss nicht mehr mitgemacht”, sagte Enkel Raphael Freiherr von Loë, Schlossherr von Wissen gestern bewegt. „Ihr Leben war nicht immer einfach.”

Geboren wurde Isabelle Gräfin von Loë 1903 in Potsdam, wo ihr Vater Emanuel Erbprinz zu Salm Salm auf Anholt in der Leibgarde des Erbprinzen diente. Dort wuchs sie als Älteste von fünf Geschwistern auf. Ihre Mutter Christine, eine geborene Erzherzogin von Österreich aus der ungarischen Linie, war befreundet mit der Kronzprinzessin. Als der Erste Weltkrieg ausbrach, befand sich die Familie auf einer Schiffsreise. Ihr Vater ging in Gibraltar an Land und wurde sofort verhaftet. Nach seiner Freilassung wurde er zur Ostfront eingezogen – und fiel am ersten Tag seines Einsatzes.

Isabelle zog mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern an den Niederrhein. Zwischen Rhede und Anholt wurde sie groß und lernte Anfang der 20er Jahre Felix Freiherr von Loë kennen und lieben. „Es muss eine sehr innige Beziehung gewesen sein”, so der Enkel. Das Paar heiratete 1925 und hatte sieben Kinder, aber viel zu wenig Zeit miteinander. Direkt am ersten Tag nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde Felix eingezogen. Nur noch selten konnte er zurück nach Schloss Wissen kommen, wo Isabelle in den schwierigen Zeiten das Heft in die Hand nahm. Im August 1944 fiel Felix Freiherr von Loë in Russland.

Trotz mehrfacher Aufforderung ließ Isabelle sich gegen Ende des Krieges nicht evakuieren. Gemeinsam mit 80 Zivilisten, die in den Kellern der Vorburg Zuflucht und Schutz suchten, betete sie die Nächte durch, während in Weeze, Goch und Kleve die Bomben fielen. Zwei ihrer Söhne, darunter auch der Vater Raphael Freiherr von Loës, kehrten aus dem Krieg wieder heim. Eine Tochter Isabelles starb an Kinderlähmung.

Ihre Kinder schenkten ihr 23 Enkel, zuletzt zählte sie 65 Urenkel. „Sie war das Zentrum einer immer stärker wachsenden Familie. Ihren 100. Geburtstag haben wir hier auf Schloss Wissen gefeiert”, erinnert sich der Freiherr. Als sein Vater heiratete und das Schloss übernahm, kaufte Isabelle 1957 ein Haus in Kevelaer, wo sie bis zu ihrem Tod lebte. Heute trägt die Turmsuite auf Schloss Wissen ihren Namen. Wenn am Montag in der Marienbasilika in Kevelaer die Messe für die Verstorbene gefeiert wird, werden sich sicher viele Menschen am Niederrhein noch einmal an die außergewöhnliche Frau erinnern. Isabelle Gräfin von Loë wird auf dem katholischen Friedhof in Weeze beigesetzt. (gag)

GABI GIES

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