Ein affenstarker Auftritt
05.01.2009 | 18:19 Uhr 2009-01-05T18:19:00+0100
KARNEVALSUMZUG. Jecke Minister ließen ihr Auto mit den Malereien zweier Orang-Utan Damen aus dem Zoo verzieren.
KREFELD. Narrenkappe, rote Nase, Alaaf und Helau – da steht bekanntlich nicht jeder drauf. Sogar hier bei uns am schönen Niederrhein soll es Menschen geben, denen das Fünfte-Jahreszeit-Theater zu affig ist. Auf solche Ansichten von Karnevalsmuffeln setzt man in Krefeld jetzt einfach noch eins obendrauf: mit einer ordentlichen Portion Selbstironie und viel Selbstbewusstsein bekennen sich die Krieewelschen Jecken nun ganz öffentlich zu ihrem 'affigen', närrischen Treiben. „Wir machen uns in der Session ja auch zum Affen”, gesteht Prinz Johannes der IX., alias Johannes Kockers, freimütig. Und wenn das schon so ist, dann darf man das ruhig noch ein wenig unterstreichen. Mit einer neuen Kooperation beispielsweise: zwischen den Karnevalisten und den Orang-Utans des Krefelder Zoos.
Denn genauso bunt, wie der Karneval und so abstrakt wie für manchen das närrische Treiben sein mag, sind die Kunstwerke von Tilda und Sita, die das neue Ministerauto küren. Und das präsentierten die Minister des Kabinetts von Prinzenpaar Johannes XI. und Martina II. gestern voller Stolz auf dem Zoogelände. Direkt vor dem künstlerischen Atelier: dem Affenhaus, Wohnort der Orang-Utan Damen Tilda und Sita. Ganz in weiß und ohne Blumenstrauß (denn die Karnevalisten sammeln stattdessen für die Schneeleoparden-Anlage) kommt der neue affen- und pferdestarke vierrädrige Auftritt als Audi Q5 daher. Auf der Kühlerhaube und an allen vier Türen farblich getupft einzig mit den abstrakt bunten Malereien der beiden tierischen Künstlerinnen. Vom Heck grüßt der Werbespruch 'Design by Sita' , daneben ein Porträtfoto der Künstlerin.
„Rund 80 Bilder sind bisher im Rahmen des Beschäftigungsprogramms von den Affen gemalt worden”, erklärt Zoodirektor Wolfgang Dreßen. Seit mehr als zehn Jahren malen Orang-Utans bereits überall in Zoos. Und verdienen sich in Krefeld sogar damit Geld für einen Sommerwohnsitz. „Wir wollen 2010 mit dem Bau eines Außengeländes für die Tiere beginnen”, sagt der Direktor (siehe Kasten). Seit einem halben Jahr werden die Gemälde auch deshalb über einen Galeristen in die ganze Welt verkauft.
Das Affenhaus des Krefelder Zoos stammt aus den 70er Jahren. Damals war das gitterlose Gehege mit tropischer Bepflanzung das modernste in Europa. Zum artgerechten Leben der Affen zählt heute jedoch auch eine Aussenanlage. Zwischen Bäumen, Sträuchern und einem plätschernden Wasserfall fühlen sich die Affen besonders wohl. Deshalb wurde im Krefelder Zoo das Projekt „Ein Garten für Gorillas” ins Leben gerufen, mit dem der Bau eines neuen Freigeheges finanziert werden soll. Von den rund eine Millionen Euro Gesamtkosten gilt es in diesem Jahr noch 300 000 Euro aufzubringen. Mit einer Spende ab 50 Euro kann sich jeder Tierfreund auf einem angeklebten Blatt im Affenhaus verewigen lassen. Infos an der Zookasse oder unter 02151/5 12 37 51.
Sechzig Prozent des Erlöses kommen dem rund eine Millionen teuren, neuen Außenbereich zugute. Die Preise für die 'affigen' Malereien liegen dabei zwischen beachtlichen 50 und 950 Euro. Ein verdienter Lohn, wie Dreßen, der von den kreativen Fähigkeiten seiner tierischen Künstler überzeugt ist, meint: „Denn da steckt soviel Fantasie und Arbeit drin, das müssen sie mal mit abstrakten Werken vergleichen, die im Museum hängen...”.
Auch die Karnevalsminister waren schnell vom Affentalent beeindruckt: „Die Tiere sind so intelligent, sie wählen Farben und Material aus, und ihre Malereien entsprechen dem künstlerischen Ausdruck eines drei- oder vierjährigen Kindes, hat man uns gesagt”, so Christian Haase, Minister für Jold und Juwele. Und weil die inhaltliche Überleitung von den tierisch-bunten Bildern der Orang Utan Damen zum jecken Treiben keiner großen Hangelei bedarf, stand für die Karnevalisten schnell fest, dass es wohl kaum eine bessere Karossen-Verzierung zum Motto „Tüpisch Krie-ewel” gibt.
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