Duisburger Hüttenwerk erneuert Hochofen

Foto: Stephan Eickershoff
  • Für 120 Millionen Euro wird der Hochofen B von HKM neu zugestellt
  • Im Inneren werden von Spezialisten feuerfeste Steine vermauert – später herrschen 2000 Grad
  • Nach der Fertigstellung soll die Anlage 8000 Tonnen Roheisen liefern – täglich

Seltsam nackt wirkt er, der Hochofen B der Hüttenwerke Krupp-Mannesmann im Süden der Stadt. Die mächtigen Rohre, die zum gewohnten Bild des Aggregats gehören, sind demontiert, ebenso weitere Anlagenteile, die zu Schrottberge rund um den Hochofen aufgetürmt wurden. Neuzustellung ist die Erklärung, zwischen 450 und 550 Mitarbeiter von Fremdfirmen und weitere Mitarbeiter von HKM sind am Werk, um die 120 Millionen Euro werden für die auf 100 Tage terminierten Arbeiten investiert.

Ein Krangigant auf Raupen markiert den Weg zur Baustelle. Zehn Lastwagen haben ihn in Teilen zu HKM gebracht, wo er wie ein Bausatz zusammengesetzt wurde, um schwerste Lasten in die Höhe zu hieven. Beeindruckend, und doch ist er nur ein Kran vom mehreren, die rund um den Hochofen aufgefahren wurden.

In dessen Inneren sind die Maurer am Werk, Spezialisten, die überwiegend aus Portugal kommen und sich verstehen auf den Umgang mit dem feuerfesten Material, das den stählernen Körper des Ofens mit seinen kupfernen Kühleinrichtungen vor der jahrelangen Höllenhitze schützen muss. Kohlenstoffsteine werden zuerst verbaut, sie leiten die Wärme gut. Davor kommt eine weitere Schicht aus keramischen Material.

Präzision ist gefragt, denn die Qualität der Maurerarbeit entscheidet mit über die Dauer der Ofen-„Reise“, darüber also, wie lange der Hochofen täglich bis zu 8000 Tonnen Roheisen liefert. Zuletzt war der 1981 erstmals angeblasene Hochofen B im Jahr 2000 neu zugestellt worden, davor schon einmal 1992.

Elf Meter im Durchmesser

Elf Meter misst der Innenraum des Ofens im Durchmesser, rund 26 Meter ist er hoch. Gerade beginnen die Feuerfest-Experten die Maurerarbeiten an den beiden Abstichlöchern, durch die im Dezember wieder Roheisen fließen soll, um per Torpedowaggon zur Weiterverarbeitung gebracht zu werden.

Vor Beginn der Arbeiten war der Ofen zunächst einmal entleert worden, was sich leichter anhört, als es ist. Die Abstichlöcher befinden sich nicht an der tiefsten Stelle, aber auch von dort muss das Eisen entfernt werden. „Ofensau“ heißt diese Restmenge, für die ein eigenes Abstichloch gebohrt werden muss. Eine stattliche Sau im Übrigen: 800 Tonnen Roheisen konnten flüssig entfernt werden, weitere 400 Tonnen mussten im erkalteten Hochofen aufwendig kleingebrannt und entfernt werden. Und für diese Arbeiten musste eine eigene Absaugung installiert werden, um der Staubentwicklung Herr zu werden. „Das hat gut geklappt“, sagt Andreas Spiering, Projektleiter bei HKM für die Neuzustellung.

Im Ofen organisiert Yaki Ceka den Nachschub an Feuerfestmaterial, weist die Maurer ein, zeigt die großen Kreissägen vorm Hochofen, mit dem die Steine zugeschnitten werden. Aus Beeck kommt der Bauleiter der Feuerfest-Fachfirma, 40 Jahre ist er im Geschäft, spricht längst auch Portugiesisch und hat 40, wenn nicht 50 Hochöfen von innen gesehen in seinem Berufsleben, in Bruckhausen, in Bremen, bei Salzgitter oder der Dillinger Hütte.

Seit zwei Jahren wird geplant

2014 habe man mit der Planung der Neuzustellung begonnen, blickt Spiering zurück. 100 Tage sind nicht viel, und die Arbeiten sind umfassend. Die Ausmauerung des Hochofens ist eine Sache, die umfassende Erneuerung der Anlagen rund um den Ofen mehr als nur eine andere. Kühlung, Gasabzug, Gießhallen-Entstaubung, Gießrinnen, Möllerung, Kokszuführung, Winderhitzer, Steuerungstechnik, Schrägaufzug – überall wird überholt, ersetzt, erneuert, auf den neuesten Stand gebracht. Dabei geht’s es um Technik, aber auch um Umweltschutz. Schließlich soll der Hochofen B danach mindest für ein Jahrzehnt Tag für Tag und rund um die Uhr Eisen liefern. Und gerne auch länger als nur ein Jahrzehnt.

Im Dezember soll’s damit wieder los gehen. Einen Tag brauche man für das Hochfahren, sagt Spiering. Erst gebe man viel Koks hinein und wenig Eisen, dann von letzterem immer mehr. 2000 Grad sind’s dann wieder an den Blasformen, durch die man derzeit wie durch Bullaugen ins Ofeninnere blicken kann. 1400 Grad heiß, oder auch mehr, ist das flüssige Eisen, das regelmäßig abgestochen wird. Kalt ist der Ofen dann lange nicht mehr.

Die 1990 im Zusammenhang mit der Stilllegung des Krupp-Hüttenwerkes in Rheinhausen gegründeten Hüttenwerke Krupp-Mannesmann verfügen über zwei Hochöfen.

Gesellschafter von HKM sind Thyssen Krupp Steel Europe mit 50 Prozent der Anteile, Salzgitter Mannesmann mit 30 % und Vallourec & Mannesmann Tubes mit 20 % .

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