Duisburger forschen an Computerspielen
27.02.2010 | 10:01 Uhr 2010-02-27T10:01:00+0100
Duisburg.Hochauflösend war gestern, die Zukunft ist dreidimensional. Filme wie „Avatar“ feiern dank der modernen 3D-Technik Erfolge an den Kinokassen der Multiplexe auf der ganzen Welt. Aber zukünftig sollen die Effekte nicht nur auf Leinwand überzeugen, sondern auch als Computerspiel auf dem heimischen Monitor.
Daran arbeitet unter anderem eine Arbeitsgruppe an der Universität Duisburg-Essen unter der Leitung von Professor Maic Masuch. Mit verschiedenen Firmen und wissenschaftlichen Einrichtungen wie dem renommierten Fraunhofer-Institut für integrierte Schaltungen in Erlangen, wo unter anderem das Datei-Komprimierungsformat MP3 erfunden wurde, haben sich die Duisburger zusammengeschlossen und suchen dabei nach Möglichkeiten, wie zum Beispiel Szenen aus Kinofilmen in Videospielen wieder verwendet werden könnten.
Klingt spektakulär. Ist es auch. Auch wenn das Büro von Professor Maic Masuch im zweiten Stock des Gebäudes LE auf dem Duisburger Campus ganz und gar nicht danach aussieht. Der Monitor mag etwas größer dimensioniert als anderswo erscheinen, der angeschlossene I-Pod spielt „A Message To You Rudy“ von The Specials. In der Ecke steht ein Bücherschrank, daneben die Vitrine mit den Spielen. Spannender ist der Blick ins Labor am Ende des Flurs.
Mit der Shutterbrille
Dort sitzen der wissenschaftliche Mitarbeiter Jonas Schild und die Studenten Jonas Fischer und Julian van Lunteren mit der sogenannten „Shutterbrille“ hinter einem dreidimensionalen Beamer und schauen sich Szenen aus dem Videospiel zu „Avatar“ sowie einen Film von einem Rennen auf dem Nürburgring an, der in 3D-Stereo-Technik aufgenommen wurde.
Dreck hüpft nach dem Ausritt des Rennwagens ins Kiesbett aus dem Bild. Der Siegerschampus spritzt dem Betrachter entgegen. Doch bevor der nur virtuell geduschte Zuschauer zum Handtuch greift, erklärt Jonas Schild den Effekt, der auf einer Trägheit des Sinnesorgans Auge beruht. Die beiden Seiten des Displays in den Brillengläsern schließen sich jeweils 60 mal pro Sekunde und verwandeln das - ohne Sehhilfe - verschwommen wirkende Bild in eine gestochen scharfe, dreidimensionale Szene.
Tatort in 3 D
Die eigentlich aus der Automobilentwicklung stammende Technik will sich jetzt auch die boomende Spiele-Industrie zu Nutze machen, um noch realistischer wirkende Szenarien zu schaffen. „In Zukunft werden wir in der Lage sein, nach dem Krimi an den 3D-Tatort zurückzukehren, um den wahren Mörder zu finden“, veranschaulicht Masuch.
Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg, auf den sich auch die Filmproduktionen begeben müssen. „Bisher wird dort noch viel mit Pappmaché gearbeitet“, sagt der 43-jährige Braunschweiger, der im vergangenen Jahr seinen Ruf an die Duisburger Uni erhalten hat. „Wenn man in einer Spielszene als Figur wirklich hinter die Kulissen gucken will, dann muss das Set wirklich originalgetreu aufgebaut sein.“
Tiefe im Raum
Was seine Arbeitsgruppe bisher herausgefunden hat, stimmt wenig positiv. „In den Spielen sind häufig noch viele Fehler“, urteilt Masuch. Zum Beispiel bewegen sich die Figuren nicht in der richtigen Tiefe im Raum oder werden von Gegenständen verdeckt, die eigentlich dahinter angeordnet sein müssten im Raum.
„Bewegungen im Vordergrund werden viel schneller wahrgenommen als Abläufe, die weiter entfernt stattfinden“, erklärt Masuch. Das werde von Entwicklern nicht entsprechend bei der Programmierung berücksichtigt. Diese Effekte möchte Masuch im kommenden Semester genauer erforschen. Gemeinsam mit Psychologen, mit denen er in der Abteilung für Informatik und Angewandte Kognitionswissenschaft Tür an Tür arbeitet. „Das ist hier eine einmalige Konstellation, um solche Zusammenhänge zu erforschen“, erklärt der Professor, der in Magdeburg promovierte und über die Duke University in North Carolina und die Fachhochschule Trier an den Niederrhein kam.
Keine Berührungsängste
Berührungsängste mit dem scheinbar Trivialen kennt der Professor nicht . Im Gegenteil: „Computerspiele sind für den Informatiker ein hochkomplexes Thema, weil verschiedene Bereiche ineinander greifen. Hochauflösende Grafiken, Interaktivität, Künstliche Intelligenz und Netzwerke. Das ist für viele Studenten faszinierender als zum Beispiel die Beschäftigung mit Datenbanken. Obwohl die in vielen Spielen eingebaut sind.“
Auch wirtschaftlich wachsen Spiele- und Kinoindustrie immer enger zusammen. „Zu jedem großen Hollywood-Film erscheinen mittlerweile Spiele“, betont Masuch. Da liege es nahe, einmal produzierte Inhalte auf verschiedenen Ebenen weiter zu verwerten. Eines allerdings macht Maic Masuch bei seiner wissenschaftlichen Arbeit nicht: selbst am Computer spielen. „Seitdem ich an diesem Projekt arbeite, komme ich überhaupt nicht mehr dazu.“
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