Demographischer Wandel
Dorfschule muss wegen Schülermangels schließen
16.02.2010 | 11:19 Uhr 2010-02-16T11:19:00+0100
Rheinberg. Schule ist aus: Nach mehr als 100 Jahren wird die Dorfschule in Rheinberg-Ossenberg aufgelöst. Wegen Schülermangels. Daran ändern auch die mit "Wir bleiben hier" beschrifteten Banner am Zaun vor der katholischen Grundschule nichts mehr. Nur 14 i-Dötzchen haben sich angemeldet. Zu wenige.
„Wenn Sie einen Nachruf schreiben wollen”, seufzt Rektorin Monika Wolters beim Anruf der Redaktion, dann könne man sich gerne treffen. „Wir bleiben hier” schreien die Banner zwar noch in grün-rot-blau vom Zaun vor dem alten Backsteingebäude und im Foyer hängen die Zeitungstexte über die Elternproteste.
Aber der Kampf ist verloren – die katholische Grundschule, so empfahl es der Schulausschuss jetzt, wird Ende Juli aufgelöst. Wegen Schülermangels. Nach über 100 Jahren. Das Gebäude, immerhin, soll der Grundschule Wallach angegliedert werden.
In den 60er Jahren gab es noch genug Schüler
„Die großen Bauvorhaben auf dem Kapellenfeld haben die Gemeindeverwaltung vernlasst, einen Neubau mit sechs Klassenräumen, einem Werkraum und einer Lehrküche zu erstellen.”
Mit diesem Satz endet der Abriss der „Geschichte der Volksschule Ossenberg” aus dem Geschichtsbuch der Gemeinde Borth. Das war 1968. Da ging es seit Jahren aufwärts mit den Schülerzahlen. Und mit der Schule. Solvay sei Dank.
Mit der Fabrik, erzählt Monika Wolters, kamen ab 1906 auch die Menschen nach Ossenberg. So viele, dass die eine Lehrerstelle, die jahrhundertelang kaum finanziert werden konnte, um eine zweite aufgestockt und der Bau einer neuen Schule beschlossen wurde.
Das alte Gebäude steht heute noch: Backsteine, berankt, eine Dorfschule wie im Buch, die 1914 einen Anbau erhielt. Weil sie schon wieder aus allen Nähten platzte.
Neuen Spielplatz eingeweiht
Irgendwie hatte man in Ossenberg darauf gezählt, dass dieser Trend anhält. Doch in die aktuellen Neubaugebiete zogen weniger Familien mit Kindern. „Entweder haben die Leute keine Kinder oder sie sind schon erwachsen”, bedauert die Schulleiterin, die diese Amt schon seit 38 Jahren inne hat.
Auch die Stadt Rheinberg hatte wohl anders gerechnet. Gegenüber der Grundschule, die wegen Kindermangels ausgelöst wird, wurde erst vor drei Monaten ein neuer Spielplatz eingeweiht: so schön und so groß, dass Horden von Schülern darauf Platz fänden. Wenn nur dieser demographische Wandel nicht wäre.
13 i-Dötzlichen haben sich fürs Schuljahr angemeldet, die 14. Anmeldung kam noch in der vergangenen Woche. Gerechnet hatte man mit 21. Das hätte für eine Klasse gereicht. Eine Klasse wie die der Schulleiterin. 18 Stühlchen stellt sie beim Pressebesuch auf die Tische.
Beste Unterrichtsbedingungen sind nicht erlaubt
„Eine gute Größe”, sagt sie dazu, man könne mit 18 Kindern ganz anders arbeiten als mit 30. Noch besser geht es freilich mit 14, man denke nur an Pisa. Aber das ist eben nicht erlaubt. Der Plüsch-Storch auf der Fensterbank der „Storchenklasse” lässt die Flügel hängen – er hat versagt, gewissermaßen.
92 Kinder besuchen die Schule mit den insgesamt fünf Klassen derzeit. Und zwar – das gibt es noch – gerne. Wie Mara (8), Chantal (8), Tiark (9) und Nele (8): Sie mögen ihre Lehrerinnen, sagen sie, die Schule und außerdem rechnet Tiark auch noch so gerne.
„Am liebsten hätte ich keine Ferien”, sagt er. Wenn Viertklässler im Sommer auf die weiterführende Schule wechseln, wären noch 62 Schüler an der katholischen Grundschule mit der Lizenz zum evangelischen Religions-Unterricht. Zu wenig. 80 waren es mal in den 80er Jahren, erinnert sich Monika Wolters. Das ging, ausnahmsweise. Auch 150 waren es schon.
Ab nach Wallach?
Im Sommer nun wird die Schule mit der Gemeinschaftsgrundschule Wallach zusammengelegt. Ausgerechnet Wallach! Die Wallacher hatten sich vor 150 Jahren in Ossenberg unbeliebt gemacht, weil sie für den Besuch der Ossenberger Kinder an ihrer evangelischen Schule Geld forderten.
Die 596 Mark kümmern heute freilich niemanden mehr. Viel mehr Sorge machte den Eltern zuletzt, dass sie ihre i-Dötzchen möglicherweise von Ossenberg nach Wallach fahren müssen, weil in Ossenberg die Jahrgänge zwei bis vier unterrichtet werden sollten.
So sah's bisher aus. Wobei der Bürgermeister ankündigte, dass möglicherweise doch eine erste Klasse in den Räumen in Ossenberg untergebracht werden könne.
Monika Wolters mahnt die Kolleginnen, die gerade die Schule dekorieren, ja nichts an die Wände zu kleben. „Wegen der Farbe”. 38 Jahre vergisst man nicht so leicht. Ihr selbst werde wohl „etwas anderes angeboten”. Alles in allem sei es aber „nicht so schlimm” gekommen, wie von vielen befürchtet. Bloß, dass die Schule eben nicht im Dorf bleibt.
19:13
es ist echt eine schande, was mit ossenberg passiert. man kürzt die gottesdienstzeiten, schliesst die metgerei ( die gott sei ndank wieder geöffnet hat, der zeitungsladen schliesst, volksbank und sparkasse weg, schule dicht.
gibt nicht mehr viel, was man ossenberg noch wegnehmen kann.
umso wichtiger, dass die ossenberger, und damit meine ich ausdrücklich auch die neubürger, bei festivitäten auch zusammen halten. also, wo bleibt ihr bei den karnevalssitzungen, dem schützenfest? kommt mal hin, es lohnt sich...
07:37
Hab egehört Amplonius ist unwirtschaftlich. Nächste Schließung?
21:22
Mal eben was anderes... im Artikel steht x-mal, dass Fr. Wolters seit 38 Schulleiterin ist - aber war nicht bis Anfang der 90er noch Grunert (oder Gruhnert) Schulleiter?
08:57
Ägerlich ist, dass es noch so lange dauert, bis die ossenberger Vereine die Räume endlich nutzen können. Kann man die Kinder nicht vorher an anderen Schulen unterrichten?
17:22
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15:34
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15:12
Bravo Herr Mennicken... und als nächstes wird Paul Gerhardt geschlossen? Muss doch wohl sein, weil man doch mit den anderen Direktoren eng verbändelt ist. Eine absolute Unverschämtheit dieser Klüngel in Rheinberg..
15:08
Ruhig Blut. Ihr habt ja Recht, wenn ihr euch über Politiker beschwert, denen die Qualität unseres Bildungssystems am Popo vorbei geht. Das ist seit Jahrzehnten eine Sauerei. Aber lasst euch doch bitte nicht dazu anstiften, Neid auf andere zu haben. Geld ist genug da. Das geht nicht (nur) an Projekte im Ausland, sondern zu viel größeren Beträgen in die Taschen der Bonzen. Dagegen muss was getan werden. Dann bleibt auch viel Geld für die Bildung und den deutschen Alltag übrig und trotzdem noch viel Geld für Hilfen an Bedürftige in anderen Ländern.
13:27
Da schließe ich mich an. Dem tollen Deutschland ist die polnische Oma, der russische Zaar, jeder Afghane, Iraker, Iraner, jeder muslime und jeder anderweitig gesinnte LIEBER und WICHTIGER als sein eigenes deutsches Volk. Wo bleibt die Zeit, in der Kinder nicht mehr gradestehen müssen für Missetaten, welche längst vergangen. Deutschland, wach auf!!! Hör zu, geh auf die Straße und fang an zu leben!
Das einem ein solches Glück, in einer kleinen Klasse lernen zu dürfen verwehrt wird, ist eine sauerei! Da gehen unsere Bildungaschancen dahin.
12:23
Eine Klassestärke von 14 Kindern ist verboten?
Aha, so nehmen unsere? Politiker also die Rechte der Deutschen wahr:
Gleichschlechte Lernbedingungen für alle.
Da sind der deutschen Regierung 430 Millionen Euro Steuergeld für Afghanistan doch viel wichtiger als deutsche Kinder.
http://www.tagesspiegel.de/politik/international/afghanistan/Entwicklungshilfe-Wiederaufbau-Dirk-Niebel;art15872,3015818
Wieviele Lehrer man mit 430 Millionen wohl beschäftigen könnte?
Aber Ihr wählt gerne gute Menschen, gell?
Weil das Ausland immer wichtiger ist als Deutschland, wir haben ja eine böse Vergangenheit, deshalb müssen unsere Kinder auch eine böse Zukunft erdulden.
Strafe muss sein.
*Zyn. aus.*