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Die stampfen, die Römer!

24.09.2008 | 18:03 Uhr

ARCHÄOLOGIE. Häuslebauer wie zu Caesars Zeiten: Im Xantener APX werden drei Lehmbauten originalgetreu rekonstruiert.

Wie haben die Römer das gemacht? In Xanten werden die Häuser originalgetreu nachgebaut. (Fotos: Heiko Kempken)

XANTEN. Die Herausforderung liegt für Peter Kienzle im Detail. Waren die römischen Handwerkshäuser an dieser Stelle zweigeschossig oder dreistöckig? Der Baulehm, wie setzte sich der zusammen? Wie wurde der eingeschalt und mit dem Bauholz in Verbindung gebracht? Wie lange benötigt man überhaupt, um so einen Baustein zu schaffen? Und wie sahen die Wände von innen aus? Waren sie bemalt und wenn ja, wie? Hatten die Fenster Glaseinsätze? "Leider gibt es kein Baubuch, in dem man einfach mal so nachschlagen kann", sagt der Bauforscher des Archäologischen Parks in Xanten (APX). Seit über einem Jahr rekonstruiert Peter Kienzle drei römische Handwerkshäuser. Gestern wurde der Baubeginn des abschließenden dritten Hauses vorgestellt.

Ein reines Puzzlespiel

Peter Kienzle muss auf viele Quellen zurückgreifen. "Die ausgegrabenen Fundamente geben Aufschluss über die Statik der Häuser", erzählt Kienzle. Viel verrät auch der römische Architekt Marcus Vitruv, der in seinen "De architectura libri decem" zwischen 33 und 22 vor Christus wichtige Details aufgeschrieben hat. Auch in Gesetzes- oder Naturbüchern kann man fündig werden. Etwa verrät das römische Nachbarschaftsrecht, wie hoch man Häuser bauen darf und in welchen Abständen sie zu errichten sind. In Naturbeschreibungen wird beiläufig erwähnt, welches Holz sich gut für den Hausbau eignet. "Es ist ein Puzzlespiel", sagt Bauforscher Peter Kienzle, der viel Zeit in das Wissen für eine Rekonstruktion der römischen Handwerkerhäuser gesteckt hat.

Mittlerweile ist man in Xanten um einige wichtige Erfahrungen reicher. Das erste Handwerkerhaus, in dem nachweislich ein Bronze-, Guss- und Silberschmied tätig war, ist schon weit fortgeschritten. Der Rohbau steht, die Innendecke ist eingezogen. "Die beiden anderen Häuser gehen wesentlich zügiger, weil wir hinzugelernt haben", erzählt APX-Sprecher Ingo Martell.

Mit einem luftdruckbetriebenen Stampfer werden die Lehmblöcke gefertigt, ohne Zusatz von Bindemitteln. Etwas über zwei Stunden braucht ein geübter Handwerker für einen Block. "Die Römer mussten das früher mit einem Holzstampfer per Hand machen. Aber wir haben herausgefunden, dass dies nicht wesentlich länger gedauert hat. Mit dem Holzstampfer dauert es zirka 160 Minuten", erzählt Kienzle.

Handgeschmiedete Nägel

Im APX wird alles originalgetreu nachgebaut. Die drei Häuser werden an historischer Stelle errichtet, die römischen Fundamente, die man in den 80er- und 90er-Jahren freigelegt hat, werden durch Betonpfeiler entlastet. In der einstigen Römerstadt Colonia Ulpia Traiana wurden vermutlich alle normalen Häuser mit Lehm errichtet, denn "ein natürliches Steinvorkommen gibt es hier nicht." Um die Lehmwände vor Nässe zu schützen, wurden die Sockel mit Ziegelsteinen errichtet, darauf wurden dann die 60 Zentimeter breiten Lehmblöcke gesetzt.

Hans-Hubert Heinrichs und seine neunköpfige Kolonne kommen aus dem westfälischen Hiddenhausen und haben sich auf Lehmbauten spezialisiert. "Das ist der größte Auftrag für uns", sagt Heinrichs, denn zweistöckige Lehmhäuser werden kaum gebaut. Ist das Material einmal getrocknet, wird es steinhart. Die Arbeiter seien alle "mit viel Herz bei der Sache", lobt Architekt Kienzle. Schließlich sei dies auch das größte deutsche Lehmbauprojekt.

In zwei Jahren sollen die drei Häuser fertig sein. "Dann können wir erstmals ein normales Wohnumfeld mit beidseitiger Bebauung darstellen", freut sich Martell. Alle Häuser werden zugänglich sein und Aufschluss über das Handwerkerleben geben. "In den 120 Quadratmeter großen Häusern waren im Erdgeschoss die Werkstatt und ein Verkaufsraum untergebracht, im Obergeschoss wohnte meist eine Familie mit drei bis vier Kindern", erklärt Kienzle. In den Schuppen schliefen die Sklaven oder Angestellten.

"Bei diesem Projekt steht die Bautechnik klar im Vordergrund", sagt Kienzle. "Wir wollen nicht einfach nur ein paar Häuser hinsetzen, sondern an den Arbeiten lernen, wie die Römer gebaut haben." Die Forschungsergebnisse werden vom Land finanziell getragen. 80 Prozent der Baukosten, insgesamt 2,5 Millionen Euro, werden übernommen. Genug Geld, um von Hand gehobelte Holzbohlen in Auftrag zu geben oder handgeschmiedete Nägel: Das Stück für einen Euro.

ANDREAS GEBBINK

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