Die spinnen, die Frauen
12.02.2010 | 20:08 Uhr 2010-02-12T20:08:00+0100
Voerde. Auf dem Hof von Ute Sprock in Voerde wird die Wolle von 25 Schafe auch gleich gespült, gezupft und gekämmt.
Odin, die kleine schwarze Spelsau, ist ein wenig störrisch. Irgendwie passt ihr diesmal die Nähe von Jakobschaf Oliver nicht , das neben ihr auf der Wiese steht. Das macht sie auch deutlich mit ein paar Seitenstupsern. „Na, die können heute aber nicht miteinander, da muss ich wohl zwischen gehen”, sagt Ute Sprock, die die Szene aus ihrem zur Spinnstube umfunktionierten Wintergarten beobachtet. Bunte und naturbelassene Wollfasern liegen auf dem Tisch. Brigitte Ramaker und Anja Steeger drehen sie durch den Wolf und kadieren sie an der Maschine. Fussel fliegen umher – und in den Tee. „Das bleibt nicht aus”, schmunzeln sie. Einmal im Monat treffen sich die Freundinnen auf dem Hof der Familie Sprock in Voerde zum Spinnen.
75 Kilo Rohwolle
Es ist ein altes Hobby, „das aber wieder im Kommen ist”, sagt Ute Sprock. Auf Märkten, auf denen sie ihre Wolle verkauft, wird sie vermehrt angesprochen. Und auch Spinnkurse seien wieder beliebt. Ute Sprock selbst ist in einer Essener Gruppe dabei. „Wir sind so 20 Frauen. Und die meisten sind Städter”, räumt die 43-Jährige mit dem Vorurteil auf, Spinnen sei nur was für „Landfrauen.” Sie selbst spinnt seit vier Jahren.
Angefangen hat es mit einem Alpaka. „Die Wolle ist so schön weich”, sagt Anja Steeger. „Ich wollte immer Alpakas haben, hatte aber keinen Platz”, sagt sie. Platz, den konnte Ute Sprock auf ihrem Hof bieten. 500 Kilometer sind sie nach Holstein gefahren, um die Alpakas zu kaufen. Aus Zweien sind 25 Schafe unterschiedlicher Arten geworden.
Ein bis zweimal im Jahr werden sie geschoren – „je nach Art bringen sie bis zu drei Kilo Wolle pro Tier und Jahr”, sagt Ute Sprock. 15 Minuten braucht sie für einen Schnitt. „Das ist nicht schnell. Profis schaffen das in ein paar Minuten”, sagt sie. Doch was tun mit rund 75 Kilo Rohwolle? „Die nur verkaufen, wollte ich nicht. Ich wollte sie selbst weiterverarbeiten”, sagt Ute Sprock. Sie kaufte ein Spinnrad, eine Kadiermaschine und lernte die Wolle mit Soda zu spülen, „da ist die Badewanne schon mal eine Nacht blockiert”, durch den Wolf zu drehen, zu zupfen und zu kämmen, wobei geschickterweise gleich der restlichen Dreck aus der Wolle geholt wird. „Leider hat noch niemand den Tieren gesagt, dass sie sich nicht dreckig machen dürfen”, scherzt Ute Sprock.
Erinnerungen am Früher
Überhaupt ist es eine muntere Frauengruppe, die auf dem Hof spinnt und zu der immer mal wieder Frauen stoßen, die das Spinnen lernen wollen. „Es kann unglaublich entspannend sein”, sagt Brigitte Ramaker, die aus der Wolle Pullover und Westen strickt.
Wenn die Frauen mit ihrem Spinnrad auf Märkten unterwegs sind, erregen sie viel Aufmerksamkeit. „Die Leute bleiben interessiert stehen und die Wolle verkauft sich auch besser”, sagt Ute Sprock. Auch wenn es noch kein lukratives Geschäft ist und ein Hobby bleibt. „Und es ist schön, wenn man sieht, dass sich viele Menschen an früher erinnern. Vor allem Demenzkranke erzählen auf einmal ganz viel von früher”, erzählt Brigitte Ramaker, die mit ihrer Kadiermaschine kämpft. Die dreht und dreht und dreht. Aber nicht schnell genug. „Das geht aber schneller”, sagt Ute Sprock und hilft erst ihrer Freundin – und dann Odin und Oliver draußen auf der Wiese. Die kebbeln sich noch immer – und das ist gar nicht gut für die Wollstruktur.
Mehr Infos: 02855/7229 oder per mail: usprock@spinntec.de
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