Die Schwächsten besser schützen

Kreis Wesel..  Es sind zwei Gruppen, von Personen, die der Polizei im Kreis Wesel im vergangenen Jahr besonders viele Sorgen bereiteten und auch derzeit noch bereiten: Kinder und Senioren. Sowohl Mädchen und Jungen bis 14 Jahre als auch Menschen ab 65 waren im Jahr 2014 häufiger an Unfällen beteiligt als in den Vorjahren. Generell stieg die Zahl der Verkehrsunfälle an, wie die Statistik zeigt, die Landrat Dr. Ansgar Müller und Vertreter der Kreispolizeibehörde gestern vorlegten.

13 701 Verkehrsunfälle gab es im Kreis Wesel im Jahr 2014 insgesamt. „Der höchste Stand der vergangenen zehn Jahre“, sagt Dr. Ansgar Müller. Damit liege der Kreis aber immer noch unter dem Landesdurchschnitt. Mit 17 ist auch die Zahl der Unfalltoten im Kreisgebiet gegenüber den Vorjahren angestiegen. 2013 und 2012 waren es jeweils elf.

Pedelec-Trainings

Kinder waren unter den Verkehrstoten zwar nicht, aber zwei Jugendliche und neun Senioren. Die gestiegene Zahl von Unfällen mit älteren Menschen führt Christa Lübbers, kommissarische Leiterin der Direktion Verkehr, einerseits auf die demografische Entwicklung und damit verbunden die wachsende Zahl von Senioren generell zurück. Andererseits seien Senioren heutzutage aber auch mobiler als früher und beispielsweise mit recht schnellen E-Bikes unterwegs. Im Jahr 2014 wurden drei Senioren bei Unfällen mit Fahrrädern getötet - alle drei waren älter als 80 Jahre, zwei von ihnen waren mit Pedelecs, also elektronischen Rädern, unterwegs. Um den steigenden Unfallzahlen entgegenzuwirken, plant die Polizei zum Start in die Fahrradsaison spezielle Pedelec-Trainings für ältere Menschen in allen Kommunen. Insgesamt gab es 2014 im Kreis 831 Unfälle mit Senioren. Im Vorjahr waren es 706.

Auch bei den 143 Unfällen mit Kindern war fast jedes zweite verletzte Kind mit dem Fahrrad unterwegs. „Die Kleinen sind die schwächsten Verkehrsteilnehmer“, sagte der Landrat. Sie werden einerseits leichter übersehen als Erwachsene und können andererseits Geschwindigkeiten und Gefahren womöglich noch nicht richtig einschätzen. In Bezug auf Unfälle mit Kindern möchte die Kreispolizei ihre Präventionsmaßnahmen beibehalten und ausbauen, um die Entwicklungen wieder in eine positive Richtung voranzutreiben. So wird etwa das Präventionsprojekt „Achtung, Kinder“ weiter fortgesetzt. Die Puppenbühne zur Verkehrserziehung wird im gesamten Kreisgebiet eingesetzt. Eltern, deren Kinder sich falsch im Straßenverkehr verhalten oder mit einem nicht verkehrssicheren Fahrrad unterwegs sind, bekommen einen Brief der Polizei.

Unfallfluchten aufgeklärt

Gute Nachrichten beinhaltet die Statistik im Hinblick auf Unfälle mit jungen Fahrern. Da ist die Zahl mit 633 so gering wie noch nie. Das führt Christa Lübbers unter anderem auf die Regelung zurück, dass 17-jährige Anfänger im ersten Jahr nur in Begleitung Erwachsener fahren dürfen. Aber auch Projekte wie „Crash Kurs“, bei dem Jugendlichen Bilder tödlicher Unfälle gezeigt werden, fruchten, ist die Polizistin überzeugt. An 16 Schulen gab es das Projekt im vergangenen Jahr. Mehr als 3000 Jugendliche nahmen daran teil.

Die Zahl der aufgeklärten Unfallfluchten entwickelte sich ebenfalls positiv: In mehr als 77 Prozent solcher Situationen waren die Nachforschungen im vergangenen Jahr erfolgreich. 2013 waren es mehr als 76 Prozent, der Landesdurchschnitt für 2014 liegt bei knapp über 66 Prozent. Gerade für einen ländlichen Kreis sei diese Zahl sehr erfreulich, findet Christa Lübbers. Denn Unfallfluchten mit Fahrrädern seien generell schwieriger zu klären als mit Autos. „Fahrräder“, sagt sie dazu, „haben halt keine Nummernschilder.“