Bildband
Die Schuhe der Rockstars
28.08.2009 | 14:56 Uhr 2009-08-28T14:56:00+0200Hamminkeln. Musiker hatten schon immer ein besonderes Verhältnis zu Schuhen. Gerrit Starczewski, 23 Jahre alter Fotograf aus Hamminkeln-Mehrhoog auch. Er hat in den vergangenen vier Jahre die Fußbekleidung von Stars wie Michael Stipe von REM oder Kim Gordon von Sonic Youth abgelichtet.
„Not the Shoes, not the Shoes”, wimmert der arbeitslose Radio-Discjockey Zack - gespielt von Tom Waits - in einer Anfangsszene des Kultfilms „Down by Law” von Jim Jarmusch, als seine Freundin zunächst ihn und dann seine paar Habseligkeiten zum Fenster hinaus wirft. Sekunden später landen auch die spitzen, metallbesetzten Schlangenleder-Stiefeletten auf den schlammigen Straßen von New Orleans
Das Verhältnis von Rockern zu Schuhen war immer ein ganz besonderes. Wie es schon Carl Perkins 1956 in den Sun-Studios für immer und ewig definiert hatte: „Du kannst tun was Du willst, aber trete nicht auf meine blauen Wildlederschuhe.” Gerrit Starczewski kann das nachvollziehen. Der Mann ist zwar erst 23 und ein hoffnungsvoller junger Fotograf aus Meerhoog.
Trotzdem meint er: „Schuhe sagen jede Menge über den Menschen darin aus.” Er muss es wissen. Schließlich hat er die vergangenen vier Jahre unter anderem damit zugebracht, die Fußbekleidung von Musikern abzulichten.
Herausgekommen ist nicht nur der Bildband „dancing shoes”, der Mitte September erscheint, sondern auch ein Teil einer Ausstellung über die deutsche Musikszene, die jetzt von der estischen Hauptstadt Tallinn aus mit dem Goethe-Institut auf Welttournee geht. Drei Jahre lang.
Entstanden aus Zufall
Entstanden ist sein fotografischer Schuhtick eigentlich eher aus Zufall: Im Februar 2005 im Berliner Velodrom, bei einem Konzert der Band R.E.M. Im Bühnengraben wollte Gerrit Starczewski für das Musikmagazin „Rolling Stone” das Ereignis mit seiner alten Minolta im Bild festhalten.
Plötzlich machte der Sänger Michael Stipe einen Satz bis an die Bühnenkante. Starczewski erschrak, hielt reflexartig die Kamera vors Gesicht, drückte dabei den Auslöser.
Erst später sah Starczewski sich die zufällig geknipsten Bilder an: „Das hatte was. Es charakterisierte diesen Typen sehr gut, der in den abgewetzten braunen Lederschuhen steckte.” Seitdem fokussierte Starczewski nicht mehr nur auf die oberen, sondern auch die unteren Körperteile.
Was mitunter schon Stars irritierte. Die britische Band Franz Ferdinand kam sogar mal auf ihn zu, weil sie sich darüber gewundert hatte, dass alle Fotografen aufs Gesicht, nur Starczewski auf die Füße gezielt hatten. „He, bist Du ein Schuhwichser”, fragte ihn Nick McCarthy ganz unverblümt. Erst als der 23-Jährige seine Idee schilderte, konnte das Missverständnis aufgeklärt werden. Und Franz Ferdinand war fortan begeistert.
Die Idee, scheinbar Nebensächliches in den Mittelpunkt zu rücken, scheint Gerrit Starczewski im Blut zu liegen. Als Zehnjähriger besuchte er ein Bundesliga-Fußballspiel des VfL Bochum. „Ich hatte eine kleine Pocketkamera dabei. Fotografiert habe ich aber nicht Spielszenen, sondern die Zuschauer. Beim Elfmeter habe ich die Kamera auf die Fankurve gehalten.”
Kontakt über Haldern Pop
Die Bilder hat der Fotograf dann in seinem Fanzine „Unterwegs in Sachen Fußball” verewigt, dass in Spitzenzeiten auf eine Auflage von 500 Exemplaren kam und auf niederrheinischen Schulhöfen vertrieben wurde.
Der Kontakt zur Musik kam über das Haldern-Pop-Festival 2003 zustande. Presse-Kontaktmann Wolfgang Linneweber hatte es riskiert, mit Starczewski einfach mal einen Newcomer aus der Nachbarschaft zu akkreditieren. Mit Erfolg. „Musikexpress” und „Rolling Stone” drucken seither seine Bilder, die übrigens immer noch am liebsten mit der analogen Minolta macht. und als Dia entwickelt.
Inzwischen weiß sogar Michael Stipe von dem Bildband. „Wir haben eine höfliche Mail aus der USA bekommen, in dem er uns viel Erfolg für das Projekt und ein Ansichtsexemplar wünscht. Natürlich bekommt er eins. Sogar handsigniert”, verspricht Starczewski.
- Zur Fotostrecke mit Fotos aus dem Bildband "dancing shoes"
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