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Die Pampers-Abteilung

20.10.2008 | 18:27 Uhr

Mitarbeiter der Kreisverwaltung können ihre Kinder ab Frühjahr 2009 während der Arbeit in Wesel betreuen lassen.

Geht es nach Kreisdirektor Ralf Berensmeier, bekommt die Kreisverwaltung bereits in naher Zukunft eine neue Abteilung: die Pampers-Abteilung. Dann nämlich könnte im Kreisjugendamt an der Jülicher Straße eine Kinderbetreuungsstelle für den Nachwuchs der Mitarbeiter ihren Betrieb aufnehmen. „Als größter Arbeitgeber in Wesel haben wir Vorbildfunktion”, erklärt er diesen Schritt. Berensmeier sieht die Angelegenheit aber auch pragmatisch: Gut 60 Prozent der Belegschaft sind Frauen. „Durch jede Babypause gehen diese qualifizierten Kräfte teilweise längerfristig verloren.” Deshalb will der Kreis mehr zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf beitragen. Zumal ab 2015 sowieso mit einer erheblichen Personalfluktuation durch Altersteilzeit und Renteneintritt zu rechnen sei, gestalte es sich bereits jetzt schwierig, in bestimmten Bereichen gute Fachkräfte zu gewinnen. Was das Konzept angeht, musste der Kreisdirektor gar nicht in die Ferne schweifen. Eine ähnlich funktionierende Einrichtung, wie sie in Wesel im Frühjahr 2009 entstehen soll, gibt es bereits in Dingden. Der Textilveredler van Clewe, bei dem sich Berensmeier schlau gemacht hat, schuf im August vergangenen Jahres eine solche Betreuungsmöglichkeit. In einem lichtdurchfluteten ehemaligen Büro kümmert sich eine Erzieherin um den Nachwuchs der Mitarbeiter (die NRZ berichtete).  Da das Kreis-Gebäude an der Jülicher Straße in den kommenden Monaten ohnehin rundum saniert wird und zur Wärmedämmung etwa eine neue Fassade erhält, böte sich dieser Standort an. Vor kurzer Zeit hat die Kreisverwaltung an dieser Stelle auch einen neuen Außenspielplatz eingeweiht. Eine Erzieherin könnte angestellt werden, die in mehreren Räumen des Verwaltungsbaus die Kinder unter drei Jahren während der normalen Dienstzeit von 7 bis 16.30 Uhr betreut. Über die neu zu schaffende Stelle müsste die Politik befinden.

Berensmeier ist sicher, dass Bedarf besteht. Nicht nur im Kreishaus selbst, wo bei einer Umfrage aktuell bis zu 70 Kinder unter drei Jahren gezählt wurden. Ähnlich sieht es bei der Polizei, der Agentur für Arbeit, bei RWE und EAW aus. Oder eben in den übrigen Dienststellen des Kreises. „Zuerst einmal wollen wir klein und unbürokratisch anfangen, dann kann man sehen, ob das Angebot ausgeweitet wird”, so Berensmeier. „Kinder sind unsere Zukunft. Es liegt an uns, dies soweit wie möglich zu fördern und mit dem Beruf vereinbar zu machen.” Nicht das einzige familienfreundliche Beispiel in der Kreisstadt: Um Fachkräfte an den Standort Wesel zu binden, hilft auch der Konzern Altana Mitarbeitern und ihren Familien in Sachen Kinderbetreuung. Das Chemie-Unternehmen hat eine Kooperation mit dem Kindergarten „Abenteuerland” in Lackhausen geschlossen, in dem ein Kontigent an Betreuungsplätzen für Kinder ab sechs Monaten bereitgehalten wird.

Marc Wolko

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