Die laufen einfach andersherum

Retro-Run. Sieht lustig aus, ist aber richtiger Sport. Und die sind verflixt schnell, die Läufer.
Retro-Run. Sieht lustig aus, ist aber richtiger Sport. Und die sind verflixt schnell, die Läufer.
Foto: NRZ
Vorwärts kann ja auch jeder... Die LG Alpen veranstaltet ihren traditionellen Stadtlauf. Hunderte von Läufern gehen an den Start. Ein Höhepunkt: der Retro-Run, der Rückwärtslauf. Fünf Kilometer andersherum

Alpen..  Die Niederrheiner sind eben so: Sie schwimmen gern mal gegen den Strom, essen Rübenkraut auf Blutwurst, kommen schon mit dem Fahrrad auf die Welt und nennen ihren Heimatort, zum Beispiel, Alpen – obwohl die höchste Erhebung da ein eiszeitlicher Buckel von 46 Metern ist. Nun, da wundert es nicht, dass auch die sportlichen Menschen in Alpen ein bisschen andersherum sind – und mit dem Rücken voran gehen: Die LG Alpen etwa, der erste Verein landes- wenn nicht sogar bundesweit, der die Disziplin Rückwärtslaufen als Volkslauf anbot. Das ist fünf Jahre her und seitdem ist die seltsame Bewegungsart aus Alpen nicht mehr wegzudenken. Retro Run heißt das dann, und es ist wirklich so, wie der Name es sagt: Die Sportler laufen rückwärts.

Am 18. Juli ist es wieder soweit. Beim traditionellen Stadtlauf in Alpen starten Hunderte von Läufern – von den Bambini bis zu den Senioren – über verschiedene Strecken ganz normal, und es gibt die kleine aber immer größerer werdende Fangemeinde derer, die es lieber verkehrt herum mögen. Fünf Kilometer lang ist der Retro Run-Kurs – und die Besten schaffen die Distanz unter 30 Minuten – oder knapp drüber.

Wilhelm Schmitz ist einer aus der jungen Generation der Rückwärtsläufer. Der Mann ist 69 Jahre alt, Laufwart bei der LG Alpen und hat bei den Deutschen Meisterschaften in Erfurt in der Kategorie M65 sich noch ganz normal auf den 9. Platz gelaufen. Seine persönliche Bestzeit über die 5 Kilometer: 20 Minuten, 20 Sekunden. Vorwärts. Jetzt trainiert er für die Weltmeisterschaften im Rückwärtslaufen, die im nächsten Jahren in Essen stattfinden werden (Kevelaer ist als Veranstaltungsort auf den letzten Metern ausgeschieden).

Warum um alles in der Welt läuft man denn falsch herum? Herr Schmitz schmunzelt. „Ich laufe für mein Leben gern. Rückwärts ist das eine ganz besondere Erfahrung, es ist fast schon bisschen meditativ, man strengt alle Sinne an, man trainiert Beinmuskeln, die man vorher gar nicht kannte – und die helfen einem dann auch wieder beim Vorwärtslaufen.“

Klar sei das am Anfang ein bisschen komisch und ungewohnt. „Aber bei uns geht kein Rückwärtsläufer allein auf die Strecke, wir stellen immer eine Begleitung, die vorwärts mitläuft“ – und aufpasst, dass die Aktion nicht in einem Schlagloch oder an einer Bordsteinkante jäh endet. Weltrekordhalter Achim Aretz vom 1. RRC Essen (10 km in 40.02 Minuten, rückwärts) war schon öfter in Alpen am Start. „Das ist ‘ne tolle Strecke, super organisiert und macht richtig viel Spaß.“

Motto unter den etwas anderen Bewegungssportlern: „Rückwärtslaufen heißt Vorwärtskommen.“ Na denn: Startgeld für den Retro Run in Alpen: sieben Euro. Eine Urkunde gibt es auch.

EURE FAVORITEN IN DIESER STUNDE