Die Dinnershow

Die Mutter der Kompanie, Lynn Steverink. Früher hat sie Kreuzfahrtgäste unterhalten.
Die Mutter der Kompanie, Lynn Steverink. Früher hat sie Kreuzfahrtgäste unterhalten.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Ein bisschen Abba, ein bisschen Jazz, ein bisschen Musicalmelodien. Und dabei lecker essen. Lynn Steverink ist mit ihrem Theater Op Bezoek unterwegs - feste Spielstätte: das Hotel Asteria in Venray

Venray..  Die Frage kommt von ganz alleine: Nehmen wir das kleine Schwarze oder doch lieber die lässige Variante?Immerhin: Dinnershow ist angesagt, „een geweldige avond vol zang en dans“ verspricht der Veranstaltungsflyer, dazu serviert „een heerlijk diner“. Lynn Steverink macht die Sache sofort klar: „Es gibt keinen Dress-Code. Kommen und Spaß haben, das ist das, was zählt.“ Lynn Steverink ist so etwas wie die Mutter der Kompanie, sie ist – nein – das Alter wird nicht verraten – aber sie hat immer noch diese wunderbar tragende jazzige Stimme, die man hören möchte, wenn die Titanic sich anschickt, unterzugehen...

Lynn Steverink ist die Chefin von „Theater op Bezoek“, einer schwungvollen Truppe junger Tänzer und Tänzerinnen, Sänger und Sängerinnen, die über die niederländischen Showbühnen schwebt – und im grenznahen Venray in der Provinz Limburg, kurz hinter Venlo, ihre feste Spielstätte hat. Im Hotel Asteria kann man sie regelmäßig hören und sehen.

Ein Blick auf die gefüllten Stühle sagt: Lynn hatte Recht. Der Dress-Code heißt: jeder wie er mag.

Die Tische sind festlich geschmückt, es gibt Stoffservietten und frische Blümchen – gemütlicher kann man so einen Saal nicht machen. Der nette ältere Herr am elektronischen Tasteninstrument ist Alexander Steverink, Pianist und der Mann von Lynn. Die meiste Zeit ihres gemeinsamen Lebens sind die beiden zur See gefahren, haben Kreuzfahrtgäste auf der ganzen Welt unterhalten. Jetzt, im etwas reiferen Lebensabschnitt, wollten sie es eigentlich ruhiger angehen lassen – ging aber nicht. Die Musik hat sie einfach nicht losgelassen.

Ein markerschütternder Gong knallt durch den Raum, ups, aber: alles wird leise: Showtime. Neun fröhliche, singende und sehr bewegliche junge Damen und Herren wirbeln durchs Publikum auf die Bühne und wieder zurück. Ganz nah dran, auch ganz hinten im Saal.

Bei „huisgerookte zalm met mosterd dille dressing“ darf man sich erholen – und, hoppalla: gerade noch auf der Bühne, nun im Service: Theater op Bezoek bringt die Getränke an die Tische. Ungewöhnlich - „ja, vielleicht“, sagt Lynn. „Aber ich finde das wichtig, dass die Künstler Kontakt mit dem Publikum haben. Das ist ein schönes Miteinander, man kommt ins Gespräch. Wie auf dem Kreuzfahrtschiff, da ist man ja auch immer unter den Gästen.“

Natürlich sind auch „richtige“ Service-Kräfte bei der Arbeit – sogar der Hotelmanager krempelt die Ärmel hoch und trägt die schmutzigen Teller weg – bei Gloria in excelsis deo als Hintergundmusik wird der erste Gang abgeräumt. Und dann ein bisschen Kabarett, ein Abba-Medley, ein Weihnachtslied – die Truppe kommt gut ‘rüber.

Dann die Suppe: Wildboullion met paddenstoelen. Schmeckt so, wie es sich anhört, lecker. Theater op Bezoek sorgt dafür, dass alle Gläser voll sind. Sehr aufmerksam. Dafür ist es ganz schön trubelig zwischen den Tischen. Irgendwer ist immer in Bewegung.

Dann brüllt der alte Theatergong wieder los – Ruhe zaubert sich in den Raum. Es folgt der Western-Block. „Das sind alle sehr gut ausgebildete Sängerinnen und Sänger“, hat Lynn vorher gesagt. „Aber nicht jeder hat das Glück, in den Musicalhäusern ein Engagement zu bekommen.“

Mit dem zweiten Glück landet man bei Lynn. Je nach Typ und Charakter stellt die Chefin das Showpaket zusammen, das wechseln kann, wenn die Menschen wechseln. „Das ist wichtig. Das Programm orientiert sich an den Künstlern – und nicht umgekehrt.“ Wenn also, wie bei der Truppe jetzt, sieben verflixt gut singen können und zwei verflixt gut tanzen, dann wird die Show so gestrickt, dass sieben singen und zwei tanzen. Lynn lächelt und man ahnt, was da für ein kreativer Kraftakt hinter steht.

Gong. Der Hauptgang. Kalfsentrecote met cepes saus. Es ist fast 22 Uhr und der Herrentisch rechts an der Wand ist schon sehr fröhlich. Die Mädels vom Theater op Bezoek scheint das nicht zu erschüttern. Noch een biertje?

Der Gong knallt durch Zeit und Raum, Theater op Bezoek hat längst schon wieder die Rollen getauscht. Zwischendurch singt auch Lynn. Solo. Nur der Mann am Klavier und sie. Schöne, starke, ruhige Momente.

Rumms. Da wäre dem Garcon die kleine Etagere mit den Schüsselchen für Pommes, Salat und Böhnchen fast doch noch aus der Hand gerutscht – aber gelernt ist gelernt, nahezu lautlos fängt er alles auf, nix fällt runter, alles ist gut. Ein leichtes Lächeln. Sorry.

Gongggggg.

Es ist die Zeit der Schweißtücher für die tanzenden und fröhlich swingenden Herrschaften auf der Bühne. 23.20 Uhr. Champagne pannacotta met chocolade mouse en joghurt bosvruchten ijs !!!

Finale mit Medleys und ganz viel Stimmung – hat jemand überhaupt noch auf diesen Gong geachtet? Ein leichtes, leises Stück zum Schluss und, das muss sein, ein bisschen Weihnachten noch. Finale mit koffie of thee met een bonbooetje. Mitternacht. Schluss. Vorhang. Lynn Steverink schwebt durch die Reihen. Schön war’s, dochdoch, wirklich.

Lynn lächelt, keine Spur von Müdigkeit. „Ich bin froh“, sagt die Prinzipalin, „dass mein Sohn uns bei der Choreographie hilft“. Und dann lächelt sie wieder. „Der ist Ballettänzer. In Australien.“

Theater op Bezoek kann man buchen – die Show enthält auch deutsche Ohrwürmer. Kontakt über facebook.

In Venray ist die Truppe um Lynn Steverink wieder im Hotel Asteria zu sehen. Dinnershows am 18. März, 28. April,9. Mai, 12. September, 17. Oktober, 14. November, Kerstshow am 12. und 19. Dezember. Infos: www.asteria.nl

Dinnershow mit vier Gängen und Übernachtung: ab 109,50 Euro.