Der „Weiße Riese“ vor der Sprengung

Homberg. Wer über eine der Rheinbrücken fährt, sieht sie. Im Prinzip von fast jedem Platz in Homberg aus sind die „Weißen Riesen“, die sechs 20-geschossigen Hochhäuser aus den 1970-er-Jahren, zu erkennen. Bezirksbürgermeister Hans-Joachim Paschmann (SPD) stand jüngst auf dem Vorplatz der Glückauf-Halle und sagte mit Blick in Richtung Osten: „Im August nächsten Jahres wird der erste ,Weiße Riese’ gesprengt.“ Sein Optimismus und auch der von Stadt und Politik sind bekanntlich durchaus begründet. Geld vom Land (21 Millionen Euro) ist da, zudem befinden sich gleich zwei leere „Riesen“ im Besitz der Stadt. Doch bis das erste Haus mit seinen 320 Wohnungen fallen kann, ist noch vieles zu tun.

Ein Generalunternehmer für den Abbruch des Hauses Friedrich-Ebert-Straße 10-16 ist laut Aussage von Stadt-Sprecherin Anja Kopka gefunden. Den Namen mochte sie ob der nicht-öffentlichen Entscheidung der Politik nicht nennen. Das Unternehmen würde aber bestimmt in Kürze ein entsprechendes Schild an den Hochheider Bauzaun pappen. Die Firma liefere laut der Sprecherin ein Gesamtpaket, das heißt, es kümmert sich um die Entrümpelung, die Entkernung und um den Abriss.

3,5 Millionen Euro pro Abriss

Veranschlagt wird der Abbruch der Schrottimmobilie laut Aussage des Bezirksbürgermeisters mit 3,5 Millionen Euro. Erst wenn dieser Bau in Schutt und Asche liege, würde man sich an den Abriss des zweiten Hauses machen. Für den sogenannte „Taubenschlag“ (Ottostraße 24-30) würden dann ebenfalls rund 3,5 Millionen fürs Plattmachen fällig. Geht es nach Hans-Joachim Paschmann, fällt noch mindestens ein weiterer der dann noch verbliebenen vier „Weißen Riesen“. Mit dem Besitzer von Ottostraße 54-56, dem Ruhrorter Unternehmer Heinz Fromberger, stünde man ob verschiedener Vorstellungen der Kaufsumme aktuell vor Gericht (wir berichteten). Ebenso überlege man bei der Stadt, das bewohnte Haus Ottostraße 58-64 (näheres zu allen „Weißen Riesen: siehe Info-Kasten rechts) zu kaufen. Problem: Die 320 Wohnungen verteilen sich auf 50 bis 60 verschiedene Besitzer.

Entkernung kann schnell gehen

Zunächst einmal rattern die Baumaschinen aber ohnehin an der Friedrich-Ebert-Straße 10-16. Hier ist unter anderem eine aufwendige Entrümpelung fällig, so mancher Ex-Mieter hat seine Wohnung offenbar alles andere als besenrein hinterlassen. „Bei der Entsorgung greift das Kreislaufwirtschaftsgesetz“, sagt Kopka. Das heißt, sämtlicher Müll wird getrennt und dann entsorgt. Am Ende bekommt die Stadt einen entsprechenden Entsorgungsnachweis. Den erhalte sie selbstverständlich auch über den Verbleib der in dem Haus verbauten Asbestplatten. Die befinden sich laut der Sprecherin sowohl an den Balkonen der 320 Wohnungen, als auch im Inneren der Wohnungen. Sämtliche Schadstoffe würden nach den Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) geborgen und entsorgt, versichert Kopka.

Sie hält den genannten Zeitraum von rund drei Monaten für die Entkernung des Gebäudes für durchaus realistisch. „Wir haben es ja am ehemaligen Berufskolleg in der Innenstadt gesehen, wie schnell so ein Abbruch gehen kann.“