Der Star-Fotograf

Willy Maywald am Eingang seines Atelierhauses in Paris.
Willy Maywald am Eingang seines Atelierhauses in Paris.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Vor 30 Jahren starb Willy Maywald. In Kleve wurde er geboren, in Paris machte er Karriere. Auf seinen Bildern waren Picasso und Co – eine Erinnerung

Kleve / Paris..  Der scheue Henri Matisse in seinem Garten, die unnahbare Simone de Beauvoir an ihrem Schreibtisch. Marlene Dietrich, Curd Jürgens und – natürlich – Joseph Beuys. Ja, Willy Maywald hat sie alle gehabt. Er war der Fotograf der Stars und ein Star-Fotograf. Gestern, auf den Tag genau vor 30 Jahren, starb der gebürtige Klever in einem Krankenhaus in Paris.

In Berlin, im Museum für Fotografie, wird „Der Meister der Pose“, wie er in der Filmwelt und Modebranche genannt wurde, gerade wiederentdeckt. Nun ja. Der Hype in der Hauptstadt hätte Willy Maywald bestimmt gefallen, dessen schwarzweiße Bilder in Tokio, Sao Paulo und im Fashion Institute of Technology in New York ausgestellt wurden. Hier war 1982 mit 150 Fotos die größte Werkschau von ihm zu sehen. Er galt schon zu Lebzeiten als Avantgardist.

Geboren wurde Willy Maywald an einem Donnerstag, am 15. August 1907. Das klingt gewöhnlich, doch schon seine Geburt war mit Glanz versehen. Das niederrheinische Licht der Erde erblickte er im Luxushotel der Eltern, dem Maywald an der Nassauer Allee, als im Saal ein rauschender Ball übers Parkett ging und das Tanzorchester „Bist du’s, lachendes Glück“ anstimmte. Guido de Werd, der ehemalige Leiter des Museum Kurhaus Kleve, nannte ihn später „einen der großen Söhne Kleves“.

Wahr ist aber auch: Weltruhm erlangte er erst ab den 1970er Jahren, als seine große Karriere eigentlich schon vorbei war. Damals fotografierte er längst nicht mehr Jean Cocteau, Juliette Gréco und Le Corbusier, sondern lichtete Einbauküchen und Schrankwände, Einmachgläser und Gemüsebeete für „Schöner Wohnen“ und „Film und Frau“ ab.

1963 hatte es in seiner Heimatstadt eine erste Schau mit seinen Fotos gegeben, damals zusammen mit Malereien seiner Schwester Helene. Doch erst ein Jahrzehnt später galten seine Aufnahmen plötzlich rund um den Globus als museumsreif – und landeten zwangsläufig auch in Postkartenständern und Posterläden.

Vielleicht sein berühmtestes Foto: Pablo Picasso unterm Sonnenschirm. Der malende Macho mit der Zigarette in der Hand und einem Blick, der jeden Betrachter packt.

Diese Hautnahaufnahme sagt noch viel mehr über ihren Fotografen aus. Willy Maywald, der sich seit seinen Tagen im Paris der 1930er Jahre in die Künstlerszene mischte, verewigte den großen Meister mit einer Kinderkamera. Welch ein Ding!

Er hatte den Auftrag, Picasso an der Côte d’Azur zu fotografieren. Am Abend davor fiel ihm seine Rolleiflex von einer Mauer – kaputt. Schneller und einziger Ersatz war eine Kinderkamera. „Mein Gott, wie hast du das nur fertig gebracht, diese wunderbaren Fotos zu machen?“, fragte sich Willy Maywald knapp vier Jahrzehnte später in seiner Autobiografie „Die Splitter des Spiegels“ (Schirmer-Mosel Verlag, 1985).

Seine erste Kamera schenkten ihm die Eltern zum Geburtstag, seine ersten Bilder entwickelte er unter einem mit Bettdecken abgehängten Tisch. Sein Handwerk erlernte er in Köln, an der Kunstgewerbeschule in Krefeld sowie an der Kunstschule des Westens in Berlin. Hier schoss er auch sein, wie er später sagte, erstes richtiges Foto, das die „Ansicht einer Laterne bei Nacht“ zeigt.

Sein Vater riet ihm früh, nur das zu tun, was man gerne tut, „sonst wird das Leben zur Hölle“. Mit Mitte 20 ging Willy Maywald nach Frankreich. Später bekannte er: „Mein Platz ist Paris.“

Hier machte er Karriere. Vor dem Zweiten Weltkrieg schon druckten „Vogue“, „Verve“ und „Fémina“ seine Bilder ab. Erstaunlich: Auch danach konnte der Deutsche, der mit den Nazis nichts gemein hatte, erfolgreicher denn je weitermachen. Der junge Christian Dior engagierte ihn 1947, um seine neue Mode ins spektakuläre Licht zu rücken. Dieser „New Look“ („Neues Sehen“) ging in die Geschichte ein und Willy Maywald galt als „Das Auge von Dior“.

Aufträge für Pierre Balmain, Jacques Fath und Jeanne Paquin folgten – bis Willy Maywald kurz aus der Mode kam.

Heute wird er für seine frühe Vorliebe für grafische Strukturen und extreme Perspektiven verehrt – und für eine „diskrete Eleganz“.

Kurz: Der Mann ist ein Klassiker.