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1. Teil: Klangbewegt

Der Soundtrack des Lebens

20.08.2012 | 17:30 Uhr
Der Soundtrack des Lebens
Wilfried Theising, Weihbischof für den Niederrhein. „Der Organist kann das Brausen des Heiligen Geistes in die Kirche bringen.“Foto: Volker Herold

Am Niederrhein.   Kirche ohne Musik? Das geht gar nicht. Weihbischof Wilfried Theising und Vize-Präses Petra Bosse-Huber sind sich da einig. Und: Beide lieben Bach.

Wir können ja mal ebkes bei Herrn Luther gucken. „Musica diabolum fugat - die Musik verjagt den Teufel“, hat der große Mann der Reformation und Liedtexter mal geschrieben. Ähnlich hört sich der Heilige Augustinus von Hippo an: „Doppelt betet, wer singt.“ Nunja, klar ist: Kirche ohne Musik - das geht gar nicht. Eine Liturgie ohne Töne? Ein festlicher Gottesdienst ohne Chor? Eine Hochzeit ohne jubilierende Pfeifen? Wilfried Theising, der Weihbischof für den Niederrhein, schüttelt den Kopf. „Nein, das geht nicht. Musik ist ungeheuer wichtig. Sie erreicht den Menschen ganzheitlich, berührt die Seele - und bringt uns näher zu Gott. Die Liturgie muss ja nicht zum Konzert werden, aber wie schön ist es, klangbewegt zu werden. Durch Gesang und Musik sich zu Gott zu bewegen. Und in Gemeinschaft hinein.“

Das Brausen des Heiligen Geistes

Petra Bosse-Huber, Vize-Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, fühlt das ähnlich. „Musik weckt Gefühle, spricht Herz, Kopf und den Körper an. Sie macht Menschen durchlässig für die Erfahrung von Gottes Nähe.“ Und sie schafft noch etwas: Gemeinsamkeit. Ob gesungen oder gespielt - Kirchenmusik verbindet Menschen miteinander. Jung und alt kommen zusammen, milieuübergreifend.

„Viele Menschen werden durch Musik begleitet in großer Freude und in tiefer Trauer, wenn sie Ermutigung brauchen oder Ruhe und Halt. Für diesen Lebenssoundtrack hält die Kirchenmusik einen großen Schatz bereit“, formuliert es Petra Bosse-Huber. Kollege Weihbischof ergänzt: „Eine Orgel kann unglaubliche Dramatik verleihen, der Organist kann sogar das Brausen des Heiligen Geistes in die Kirche bringen.“ Erst im Singen, so Bosse-Huber, entstehe Gemeinde. Ohne Gesang wären die Gottesdienstteilnehmerinnen und -teilnehmer ja doch eher nur Besucher einer Aufführung.

Große Chöre haben in beiden Kirchen eine große, eine starke Tradition. „Wir haben da ökumenisch viele gemeinsame Erfahrungen. Und wir haben da sicherlich auch von den Protestanten profitiert“, sagt der Weihbischof und listet gleich ein paar Hits des ökumenischen Liedguts auf: „Lobe den Herren“, „Großer Gott, wir loben Dich“, „Komm, Herr, segne uns“.

Kaum eine Gemeinde ohne Chor

Kaum eine Kirchengemeinde, die nicht einen eigenen Chor, eine Musikgruppe hat. 40.000 Mädchen und Jungen, Jugendliche und Erwachsene singen im Bistum Münster in etwa 1300 Chören und Musikgruppen. Allein 20.000 Sängerinnen und Sänger sind im Chorverband der Evangelischen Kirche im Rheinland organisiert. Wobei die Zahl der hauptamtlichen Kirchenmusiker überall rückläufig ist. „Wir können auch kein Geld drucken“, sagt Petra Bosse-Huber, „und doch brauchen wir Profis an der Orgel und im Chor.“

Loben und Klagen vor Gott - das geschah immer. Aber wohl noch nie war das musikalische Repertoire in den Kirchen so groß und bunt wie heute.

Heute reicht das Wirken der Kirchenmusik weit über den gottesdienstlichen Bereich hinaus. „Die Musik ist die Brücke zwischen Kirche und Gesellschaft und damit eine wichtige Verbindung zu vielen Menschen, auch zu denen, die nicht mehr selbstverständlich kirchlich sozialisiert sind“, so Nikolaus Schneider, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Man muss es ja nicht gleich so „engagiert“ betreiben wie weiland Herzog Ernst. Der stiftete 1480 am Dom zu Meißen eine „ewige Kantorei“. Ein Chor, der im Dreischichtsystem Tag und Nacht zu singen hatte - und das bis in die Tage der Reformation hinein auch geschafft hat. Fast 40 Jahre ununterbrochener Gesang...

Heike Waldor-Schäfer


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