Der Power-Bauer
19.02.2010 | 21:41 Uhr 2010-02-19T21:41:00+0100
Am Niederrhein. Diesen Boom haben selbst notorische Optimisten nicht erwartet. Die Deutschen und die Niederrheiner ganz besonders sind plötzlich verrückt nach Solarstrom. Satte zehn Milliarden Euro musste der Bund mehr für Fördergelder vergeben als kalkuliert.
Der Trend scheint ungebrochen. Die Verbraucherzentralen erwarten für 2013 sogar 40 Milliarden Euro zusätzlich.
Was die Nachfrage genau ausgelöst hat,weiß selbst Thomas Kölbl, Geschäftsführer der Kamp-Lintforter Firma Solaxis, nicht. „Keine Ahnung, irgendwann in der zweiten Hälfte des Jahres ging's los.” Vielleicht war es die Torschlusspanik, die insbesondere die Landwirte scharenweise aufs Dach steigen ließ. „39 Cent pro ins Stromnetz eingespeiste Kilowattstunde: das ist für manchen Landwirt ein einträgliches Nebengeschäft”, berichtet Kölbl, der auf den Höfen schon viele Anlagen montiert hat.„Die Landwirte profitieren von den großen Dachflächen ihrer Ställe und Scheunen.”
Noch: Ursprünglich schon im März sollte der Zuschuss zum Geschäft mit der Sonne um neun Prozent sinken. Sogar der Bundesverband der Verbraucherzentralen spricht mittlerweile von einer Überförderung des Solarstroms: Zwischen 2006 und 2009 sei der Preis einer Solaranlage um 40 Prozent, die Einspeisevergütung aber nur um 17 Prozent gefallen.
Lange Lieferzeiten
„Stimmt”, räumt auch Solaxis-Geschäftsführer Thomas Kölbl ein. „Doch das gilt nicht für die letzten sechs Monate. Da sind die Preise um durchschnittlich zehn Prozent gestiegen.
Module und Wechselrichter, die früher getrennt zu beziehen waren, sind nur noch im Paket zu bekommen”, sagt der Fachmann, der sogar zusätzliches Personal einstellen musste, um der Nachfrage Herr zu werden. Trotzdem kann er nicht jeden Photovoltaik-Wunsch gleich befriedigen: „Im Moment betragen die Lieferzeiten für die Module sechs bis acht Wochen.”
Doch das kann sich im Sommer schnell wieder ändern. Bundesumweltminister Norbert Röttgen plant, die Einspeisetarife um zusätzliche 16 Prozent zu kürzen, für Freiflächenanlagen auf Äckern sogar ab dem 1. Juli um 25 Prozent. Dagegen soll der Eigenverbrauch von Solarstrom noch gestärkt werden. Für jede Kilowattstunde, die nicht eingespeist wird, soll es künftig 5 statt bisher 3,5 Cent geben.
„Das könnte in Zukunft insbesondere für Eigenheimbesitzer eine Solaranlage noch attraktiver machen”, schätzt Kölbl die Situation ein. Eines steht für ihn fest: Die Sonneneinstrahlung für den Betrieb einer solchen Anlage reicht selbst am nebeligen Niederrhein allemal aus. „Wir liegen bundesweit im Mittelfeld. Zwar hinter Bayern und Baden-Württemberg, aber Dunkeldeutschland ist ganz woanders. Irgendwo bei Braunschweig.”
23:44
Zitat:.. Die Sonneneinstrahlung für den Betrieb einer solchen Anlage reicht selbst am nebeligen Niederrhein allemal aus.
so ein Unsinn, bei bester Sonneneinstrahlung erreichen die Solarpanels nur ca 3-4 Stunden je Tag ihre im Prospekt angebotene Leistung.
Es gibt von den Herstellern keine garantierte ProduktionMENGEN-Angaben über längere Zeiträume.
19:41
Hallo Alois-Egon:
Korrektur 1: Es sind keine Dünnbettmodule sondern Dünnschicht!
Korrektur 2: Mono- und Polykristaline sind bei weitem kein Sondermüll. Das gilt sicherlicht für Dünnschichtmodule des Hersteller First-Solar.
Korrektur 3: Ich stimme zu, dass die hersteller richtig viel Geld verdienen. Ob die Installateure damit reich werden, ist eine andere Sache. Viel zuu groß ist hier mittlerweile der Druck auf dem Markt.
Frohe Sonne
10:59
Wo vergibt denn der Bund für Photovoltaik Fördergelder?
Bezahlen müssen diesen ökonomischen wie ökologischen Schwachsinn doch ausschließlich die Gemeinschaft aller Stromverbraucher über ihre Stromrechnung.
Und das Herr Kölbl den Grund für diesen Boom nicht kennt, wundert doch schon sehr.
Nachdem der Markt mit billiger Ware aus China überschwemmt wurde, sind die Preise bis zu 30 Prozent gefallen und die deutschen Hersteller standen vor der Pleite.
Diese billigen Preise sorgten bei der noch gleichgebliebenen Subvention von 43,01 Cent je kwh für ein zunächst optisch wunderbares Geschäft, dass dann durch schöne Hochglanzprospekte die Dollarzeichen in den Augen leuchten ließ.
Der Vertrieb und die Installateure sind die großen Absahner.
Die Betreiber haben nun ihre Dächer voll mit einer Technik, die mit einem Wirkungsgrad von 18 % bei Kristall- und 9 % bei Dünnbettmodulen die uneffizienteste aller Energiearten ist.
Die Betreiber werden allein gelassen mit dem gesamten wirtschaftlichen und finanziellen Risiko dieser Investition.
Ob unterm Strich wirklich auch ein finanzieller Erfolg herauskommt, wird sich erst nach vielen Jahren zeigen, wenn nicht nur Pflege, Wartung und Reparaturen voll zu Buche schlagen, sondern auch die Entsorgung der ganzen Anlage als Sondermüll nicht billig ist.
Bisher jedenfalls hat sich auf meine immer wieder gestellte Aufforderung an Privatbetreiber, sich zu melden, wenn sie nach langjährigem Betrieb einen finanziellen Erfolg verzeichnen, nicht ein einziger gemeldet.