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Der Ofen der Bäckerei Küppers in Xanten geht aus

11.01.2012 | 19:12 Uhr
Der Ofen der Bäckerei Küppers in Xanten geht aus
Vl: Hans Kueppers und der Geselle Marcus Hegering. Foto: Gerd Hermann

Xanten.   Am Sonntag, den 15. Januar, nach 195 Jahren, geht eine Familientradition zu Ende, die sich über sechs Generationen erstreckte. Das angegliederte Café bleibt in anderer Trägerschaft erhalten.

Morgens, halb zwei in Xanten: Die Domstadt schläft, doch an der Klever Straße 25 klingelt gleich der Wecker. Hans Küppers ist Frühaufsteher, das bringt sein Beruf mit sich. Vor 45 Jahren erlernte er das Bäckerhandwerk – mittlerweile ist er Bäcker- und Konditormeister und führt damit eine Familientradition fort. Seit nunmehr 195 Jahren versorgt die Familie Küppers die Xantener mit dem täglichen Brot. Bereits 1816, Napoleon hatte ein Jahr zuvor sein Waterloo erlebt, erhielt Wilhelm Küppers die Lizenz zum Backen. Sein Ur-Ur-Ur-Enkel Hans ist Nummer sechs in der Dynastie. Er führt seit nunmehr 21 Jahren mit Ehefrau Jutta die Geschäfte.

Ab nächsten Montag könnte der 58-Jährige richtig ausschlafen. Denn am Wochenende geht der Ofen aus, Hans Küppers schließt seine Backstube. „Das hat hauptsächlich gesundheitliche Gründe“, erklärt der Xantener. Außerdem gibt es keinen Nachfolger. Die drei Kinder unterstützten den Familienbetrieb, wann immer sie gebraucht wurden. Für eine Zukunft mit Teig und Torten konnte sich aber keiner begeistern. Sohn Johannes wollte Backstube mitsamt Café nicht übernehmen. „Ich bin für diesen Beruf einfach nicht geboren“, betont der 28-Jährige, der als Mechatroniker seine Brötchen verdient. Seine Schwestern Judith (30) und Julia (25) hatten auch kein Interesse, die Geschäfte fortzuführen. Also entschied sich Hans Küppers zu dem schweren Schnitt. „Wenn ich an dieses Wochenende denke, habe ich ein lachendes und ein weinendes Auge. Je näher der Tag rückt, desto mehr überwiegt allerdings der Schmerz“, berichtet der Bäckermeister.

Mit dem traurigen Gefühl ist er nicht alleine. „Bei einigen Kunden sind auch Tränen geflossen, als sie gehört haben, dass wir aufhören“, sagt Hans Küppers. Einen kleinen Trost konnte er ihnen spenden: Für das Café hat Küppers einen Pächter gefunden. In die Räume an der Klever Straße zieht demnächst das vegetarische Restaurant „Petersilchen“ ein. Aus der Backstube wird dann eine Küche. Die Inhaber des Restaurants haben versichert, die alte Belegschaft zu übernehmen, auch Küppers‘ Geselle Marcus Hegering behält seinen Arbeitsplatz. Er versorgt die Xantener und Touristen weiter mit Kuchen und Torten.

Tagesrhythmus umstellen

Sein alter Chef bleibt derweil mit seiner Frau über der Backstube wohnen. Zunächst geht es für ihn darum, den Tagesrhythmus umzustellen: Von zwei bis 14 Uhr in der Backstube, kurzer Mittagsschlaf, Frau Jutta bei der Buchführung unterstützen, ab 20 Uhr Freizeit und dann die zweite Schlafphase -- so sah Hans Küppers‘ Tagesablauf bislang aus.

Historisches Foto der Bäckerei Küppers. Foto: Thorsten Lindekamp

Für die Zeit im Ruhestand hat er schon Pläne. „Ich lese unheimlich gerne. Dazu komme ich jetzt häufiger“, erklärt der 58-Jährige. Und Reisen stehen an. Bislang gönnte sich die Familie in den 14 Tagen Betriebsferien immer einen Griechenland-Urlaub. Für mehr reichte die Zeit nicht. „Es gibt in Deutschland und Europa noch so viele Städte und Regionen, die meine Frau und ich sehen wollen. Das mit dem Reisen holen wir jetzt nach“, erklärt Hans Küppers.

Bevor sie die Backstube schließen, wollen sich die Eheleute bei ihren Kunden noch gebührend verabschieden. „Da waren viele, die uns über Jahrzehnte die Treue gehalten haben. Bei allen Kunden möchte ich mich noch mal bedanken“, sagt Küppers und ein wenig Wehmut klingt dabei durch.

Er hat sich jetzt vorgenommen, etwas Abstand zum Beruf zu nehmen. So wird der gelernte Konditor in seiner Freizeit zunächst nicht zu Eiern, Butter, Mehl und Safran greifen. Auch seine Brötchen will Hans Küppers erst mal woanders kaufen. „Wenn sie mir nicht schmecken, werde ich vielleicht wieder selber backen“, sagt der Xantener mit einem Lächeln. Sein großer Vorteil: Um zwei Uhr müsste er dafür nicht in der Küche stehen.

Spezialität: Die Grillagetorte

In den 45 Jahren wandelte sich Hans Küppers‘ Beruf: Dadurch, dass die Klever Straße zur Fußgängerzone wurde, stieg bei den Kunden die Lust auf Kaffee und Kuchen. Hans Küppers widmete sich fortan verstärkt der Zuckerbäckerei und sorgt dabei für Abwechslung. „Ich habe nie zwei Wochen hintereinander das gleiche Angebot“, betont Hans Küppers.

Zu seinen Spezialitäten gehört auch eine Kalorienbombe, die außerhalb des Niederrheins kaum bekannt ist. Die Grillagetorte, stets halbgefroren serviert, geht im Café häufig über die Theke.

Denis de Haas

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