Der „Mundräuber“ aus Neuss

Neuss..  Als Papst Pius XII. ihn am 18. Februar 1946 zum Kardinal ernennt, kann er nicht ahnen, dass jener Josef Frings keine zehn Monate später zum populärsten und beliebtesten Gottesmann in Deutschland werden wird. Auch fast 70 Jahre später und mehr als 30 Jahre nach seinem Tod ist der Name des Mannes, der am 6. Februar 1887 in Neuss geboren wird, den Älteren immer noch ein Begriff – und weiterhin Bestandteil des deutschen Wortschatzes.

Das Verb „fringsen“ bedeutet soviel wie „einen Mundraub begehen“.

Um zu verstehen, wie es dazu kam, geht der Blick zurück ins Jahr 1946. Kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges liegt Deutschland in Trümmern und die Bevölkerung leidet an Hunger. In seiner Silvesterpredigt in der Kirche Sankt Engelbert in Köln-Riehl geht Kardinal Frings auf die schlechte Versorgungslage ein – und sagt, dass „in der Not auch der Einzelne das wird nehmen dürfen, was er zur Erhaltung seines Lebens und seiner Gesundheit notwendig hat“.

Natürlich ein Verstoß gegen das siebte Gebot: Du sollst nicht stehlen. Jedoch der Ausnahmesituation geschuldet. Ein Beispiel: Menschen klettern auf Züge, klauen Kohle, um damit zu Hause zu heizen – sprich: um zu überleben.

Zur Ehrenrettung des Erzbischofs aus Köln sei aber gesagt: In der selben Predigt mahnt Josef Frings, es mit dem Mundraub nicht zu übertreiben, „sonst gibt es keine Verzeihung bei Gott.“ Auch das gehört zum „Fringsen“ dazu.