Der Kuhhandel mit den Wildgänsen
21.01.2009 | 17:37 Uhr 2009-01-21T17:37:00+0100
Nach über 20 Jahren Streit ist das EU-Vogelschutzgebiet Unterer Niederrhein unter Dach und Fach.
WESEL. Zufrieden ist keiner. Johan Mooij, Leiter der Biologischen Station in Wesel, hält den Kompromiss für einen „politischen Kuhhandel”, der nichts mit fachlichem Vogelschutz zu tun habe. Und für Gerrit Korte, Geschäftsführer der Kreisbauernschaft Wesel, ist der ganze Vogelschutz ohnehin schon viel zu weit fortgeschritten. Auch er zweifelt an den „fachlichen Kriterien” der Gänsezählungen. Was die Vertreter der Bezirksregierung auch machen: Die Umsetzung des Vogelschutzgebietes Unterer Niederrhein stößt überall nur auf Ablehnung. Gestern wurde im Weseler Kreishaus ein Schlussstrich unter eine Diskussion gezogen, die seit den 80-er Jahren geführt wird. Die Bezirksregierung gibt grünes Licht für weitere 5500 Hektar Vogelschutzgebiet am Niederrhein.
Das Vogelschutzgebiet Unterer Niederrhein umfasst jetzt 25 771 Hektar. In den Vogelschutzgebieten entlang des Rheins darf nur eingeschränkt gewirtschaftet werden. Der Bau von Straßen, Häusern, Bauernhöfen oder Windkraftanlagen ist nur möglich, wenn der Vogelschutz dadurch nicht benachteiligt wird. Was das im Einzelfall heißt, muss in einem Prüfverfahren geklärt werden.
Ausführliche Informationen unter: http://www.bezreg-duesseldorf.nrw.de
Das wilde Geschnatter hat offenbar ein Ende. Auch wenn Johan Mooij sich noch nicht damit abfinden möchte. Er wirft der Bezirksregierung vor, nicht alle Daten ausgewertet zu haben und wichtige Vogelarten wie die Rostgans oder die Zwerggans gar nicht berücksichtigt haben.
Mooij hat schon vor Weihnachten einen Brief an die EU-Kommission geschickt und darin seine Bedenken vorgetragen. Er hofft darauf, dass die europäischen Vertreter seine Einwände noch erhören.
Ein bisschen faul riecht die Sache schon. Michael Jöbken von der Bezirksregierung gibt zu, dass er von der Landesregierung den Auftrag bekommen habe, nur mit Vertretern des Naturschutzbundes (Nabu) zu sprechen. „Diese verfügen aber gar nicht über die aktuellen Gänsezahlen, die haben wir”, sagt Johan Mooij, der auf den Nabu sehr schlecht zu sprechen ist. Wichtige Gänserastplätze wie in Büderich oder Ginderich würden somit gar nicht berücksichtigt. „Der Nabu hat die Flächen nie genannt”, sagt Michael Jöbken.
584 Bedenken und Anregungen sind in den vergangenen zwei Monaten bei der Bezirksregierung in Düsseldorf eingegangen, die meisten stammen aus der Landwirtschaft. Für viele Hofstellen habe man großzügige Freistellungen vorgesehen, sagt Heinrich Hansmann von der Bezirksregierung, so dass Betriebserweiterungen auch künftig noch möglich sind. Die zahlreichen Detailfragen würden jetzt individuell beantwortet.
Hansmann macht noch einmal klar, dass das Land zu einer Ausweisung von Vogelschutzflächen verpflichtet ist. „Ob dies sinnvoll ist oder nicht, ist absolut unerheblich”. Bei der Auswahl der Flächen habe man keine Möglichkeiten gehabt, abzuwägen: „Maßgebend sind ausschließlich ornithologische Erkenntnisse. Wenn Gebiete geeignet sind, müssen sie als Schutzgebiete ausgewiesen werden”, so Hansmann.
Als eine besondere Erweiterung wurde das Binsheimer Feld bei Duisburg-Baerl in das Vogelschutzgebiet Unterer Niederrhein aufgenommen. Die ursprünglich angedachte Fläche wurde auf Bitten der Duisburger Stadtverwaltung um 220 Hektar erweitert.
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