Der „Huchel“ ist wieder da!

Norbert Deckers (links, Koch und Wirt) und Thomas Dercks (Spargelbauer) geben der historschen Spargelsorte wieder eine Chance.
Norbert Deckers (links, Koch und Wirt) und Thomas Dercks (Spargelbauer) geben der historschen Spargelsorte wieder eine Chance.
Foto: Funke Foto-Services
Was wir bereits wissen
Norbert Deckers aus Walbeck will den fast vergessenen „Huchel Alpha“ wieder auf die Speisekarte bringen. Erste Ernte: 2016.

Walbeck..  Eine Schnapsidee war das nicht wirklich, aber es war eine gesellige Runde, die da Ende 2013 bei Norbert Deckers zusammensaß und mit verbundenen Augen Spargel aß. Sinn der Aktion: Norbert Deckers (37), Koch und in fünfter Generation Chef im Familienbetrieb Haus Deckers, waren ein paar Stangen der fast vergessenen, alten Walbecker Spargelsorte „Huchel Alpha“ in die Finger geraten.

Die besondere Textur

Und der Mann, der mit den gehaltvollen Gemüsestängchen gewissermaßen groß geworden ist, wollte wissen, ob der „Huchel“ denn nun wirklich leckerer ist und/oder anders schmeckt als jene Sorten, die in diesen Zeiten auf den Marktständen und Feldern angesagt sind. Und? „Wahnsinn. Der Huchel schmeckt einfach klasse. Nussig, buttrig, zart, ein leichtes süßliches Aroma, eine wirklich feine Textur. Den können Sie sogar roh essen.“

Die Freunde der Aktion „Blindverkostung“ waren einer Meinung: Der „Huchel“ muss wieder auf die Speisekarte. Zuvor aber muss der historische Klassiker aber erst mal aufs Feld. Ein paar Pflanzen wurden noch nahe Walbeck auf einem aufgegebenen Hof entdeckt, ein paar in Norddeutschland gefunden.

„Natürlich kann der Walbecker Spargel seine regionale Spitzenposition immer noch behaupten“, sagt Norbert Deckers. „Aber der traditionelle Huchelgeschmack ist doch verloren gegangen.“

Mit Thomas Dercks hat Norbert Deckers einen Spargelbauern gefunden, der an die Idee glaubt. Auf einem schönen Stückchen bestem Walbecker Sandboden wurden im April 14.700 Jungpflanzen auf etwa einem Morgen gesetzt – nach Walbecker Art. Heißt: „Weniger Pflanzen pro Reihe, also drei Pflanzen auf einen Meter und 1,65 Meter Abstand von Reihe zu Reihe – das mindert zwar den Ertrag pro Fläche, schenkt dem „Huchel“ aber mehr Platz und damit eine bessere Qualität und mehr Geschmack.“ Am 23. April 2016 soll der erste „neue“ Walbecker Huchel gestochen werden – aber bis bis der Spargel wirklich kräftig genug ist, um eine ganze Saison über stabile Restaurant-Qualität zu bringen, werden zwei Jahre ins Land gehen. Dennoch: In dieser Saison hat Norbert Deckers einmal in der Woche „Huchel Alpha“ auf der Speisekarte – immer donnerstags. Der Koenenhof in Lüllingen liefert auch den „Huchel“ – immer wieder ein paar Kilo – mehr gibt die Ernte nicht her.

Das „Slow Food“ Magazin hat mittlerweile auch den Walbecker Huchel entdeckt und geadelt. Was Norbert Deckers natürlich freut. Die ersten Pflänzchen sind inzwischen angegangen und haben auch den Ansturm unerwünschter Feinschmecker überstanden. „Wir mussten unser Feld hasensicher einzäunen“, schmunzelt Norbert Deckers. Hat aber geklappt.

Im Rahmen des traditionellen Spargel- und Dorffestes verwandelt sich das Spargeldorf am Samstag, 20. Juni, in jenes Schmugglerdorf des Jahres 1927, das Jakob Schopmanns in seinem Roman „Grenzvolk“ beschrieben hat. Die Schmuggler sind schon dabei, ihre Rücksäcke („Pongel“), Taschen und Körbe mit Schmugglerware zu füllen, die alten Kleider werden überprüft und notfalls geflickt und alte Gerätschaften werden auf Vordermann gebracht.

Das Pferd, das vor Ort vom Hufschmied seine „neuen Schuhe“ erhält, wird gebürstet und gepflegt, das passende Gatter für die Ziegen wird zusammengestellt, die Betreiber der Destille – und andere – freuen sich jetzt schon auf die Verkostung ihres „Selbstgebrannten“, der heimlich im Hinterhof gebrannt wird. Der Krämerladen und die Apotheke suchen ihre alten Dosen und Töpfe ‘raus, der Schuster überprüft seine Leisten, und die Nachbarschaft überlegt, welche Kuchen nach altem Rezept an der großen Kaffeetafel angeboten werden! Im Frisörsalon warten die Herren auf ihre Rasur. Frauen waschen am Brunnen ihre Wäsche, die Straßenfegerinnen reinigen die Straßen von Schmutz und den Hinterlassenschaften der Pferde, Ziegen und Kühe und und und...

Zum historischen Handwerker-Ambiente gibt es ein buntes Programm:

Samstag: ab 15 Uhr, u.a. Kindertrödel, Musik der Bläserklasse; Tanzgruppen; Kinderunterhaltung mit Rainer Niersmann; gegen 20.30 Uhr Auftritt 42 Frogs. Ende 24 Uhr.

Sonntag: 11 Uhr Dankgottesdienst auf dem Schulhof.

Danach buntes Programm mit Blasmusik und Unterhaltung. Gegen 15 wird die neue Spargelprinzessin gewählt.