Der Flughafen Niederrhein schreibt schwarze Zahlen
25.03.2010 | 11:14 Uhr 2010-03-25T11:14:00+0100
Weeze. 2,4 Millionen Passagiere, 24 Millionen Euro Umsatz, 700.000 Euro Gewinn im Jahr 2009. Das Ergebnis des Niederrhein-Airports in Weeze kann sich sehen lassen. Schon jetzt ist der ehemalige Stützpunkt der Royal Air Force nach Passagieren der drittgrößte Flughafen in Nordrhein-Westfalen.
Der Airport Niederrhein in Weeze ist mittlerweile der drittgrößte Flughafen in Nordrhein-Westfalen: Er liegt hinter Düsseldorf und Köln, vor Dortmund und Münster. Und der Flughafen will auch 2010 kräftig weiter wachsen. Das Ergebnis 2009: 2,4 Millionen Passagiere, 24 Millionen Euro Umsatz, 700.000 Euro Gewinn.
120.000 Passagiere in den Osterferien erwartet
Ende Februar lag das Plus im Vergleich zum Vorjahr schon bei 16,4 %. In den ersten beiden Monaten des Jahres sind bereits mehr als 320.000 Passagiere ab Weeze geflogen. Für die anstehenden Osterferien rechnet der Betreiber allein mit mehr als 120.000 Passagieren, auch hier ein Plus von 20 Prozent zum Vorjahreszeitraum.
Dennoch gibt Flughafenchef Ludger van Bebber eher eine vorsichtige Prognose für 2010 ab: „Wir erwarten in diesem Jahr mehr als 2,7 Mio. Fluggäste und werden damit rund 15 Prozent über Vorjahr liegen.“ Dass es nicht ewig so steil bergauf gehen wird, weiß der Manager genau. „Irgendwann wird auch in unserem Markt eine Beruhigung eintreten.“
Zwischen den Ballungsräumen
Warum Weeze im Vergleich zu anderen Flughafen-Standorten neuerdings so überdurchschnittlich erfolgreich abschneidet, liegt für Ludgar van Bebber am Einzugsgebiet. „Wir liegen mitten zwischen zwei Ballungsräumen. Auf der deutschen Seite das Ruhrgebiet und Rheinland, auf der niederländischen Seite der Ballungsraum zwischen Arnheim und Nimwegen.“
Mit dem neuen Sommerflugplan des Airports Weeze, der am 28. März in Kraft tritt, können vom Niederrhein aus insgesamt 69 Flugziele angesteuert werden. 51 Städte werden allein von Ryanair angeboten. Aber auch Wizz Air setzt auf Expansion: Neben der Route nach Budapest startet die osteuropäische Gesellschaft in diesem Sommer auch nach Bukarest und Cluj-Napoca in Rumänien. Flugziel Nr. 4 ab Weeze ist die polnische Metropole Kattowitz.
Das Angebot steigt
Das Ferienflugangebot der Reiseveranstalter hat in diesem Sommer ebenfalls deutlich zugenommen. Sechs Chartergesellschaften heben in der Saison von Weeze aus ab. Hamburg International fliegt in diesem Sommer wieder mit einem dort stationierten Airbus. Ende April will auch die deutsche Charterfluggesellschaft XL – Airways einen Jet am Niederrhein parken. Damit werden im Sommer zehn Jets am Niederrhein daheim sein. Da wird’s auf dem Vorfeld langsam eng.
Schon jetzt reicht der Platz im Terminal nicht mehr aus. Der Abflugbereich muss vergrößert werden. Die Reisebüros haben ihre bisherige Position im Obergeschoss bereits geräumt, auf den freigewordenen Flächen werden die Gastronomie und der Duty-Free-Shop untergebracht. Dafür können die Abflugbereiche unten vergrößert werden.
Baustellen abarbeiten
2010 will der Flughafen weitere Dauerbaustellen abarbeiten. „Wir werden Verhandlungen mit der Gemeinde Bergen führen“, erklärt Geschäftsführer Ludger van Bebber. Mit allen anderen Klägern gegen die Betriebsgenehmigung hat sich der Airport inzwischen außergerichtlich geeinigt. Wichtig: Erst wenn das wirklich in trockenen Tüchern ist, kann sich der Flughafen auch die notwendigen Finanzmittel auf dem Kapitalmarkt beschaffen, um den ab 2010 fälligen 26,5 Millionen Euro-Kredit von Kreis Kleve tilgen zu können.
20:11
Bei den Vielen Kommentaren mal eine pi mal Daumen Rechnung:
Der Flughafen macht 0,7 Millionen Euro Gewinn
Er hat aber round about 30 Millionen Schulden
Dann können die Schulden mit dem Gewinn in rund 42 Jahren zurückgezahlt werden.
21:46
@markus peters
>warum die beiden Aspekte (...) nicht thematisiert worden sind.<
okay. Dann bewerte ich dies als unzureichende Kompetenz in der Gewichtung und Beurteilung politischer Zusammenhänge.
Immerhin gibt es nun einen ersten Kollegen, der sich in einer Zeitung angemessener äußert (aus meiner Sicht, Sie haben jedes Recht zu Ihrer) . Reinhold Kolsberger schreibt im morgigen Kurier am Sonntag:
Flughafen-Geschäftsführer van Bebber ist gleichzeitig Mitgesellschafter einer Zeitarbeitsfirma und diese verleiht ihre Arbeitnehmer an den Flughafen. Das hat einen faden Beigeschmack, denn in diesem Fall ist der Auftraggeber gleichzeitig auch Auftragnehmer und damit Nutznießer. Dass auch der ehemalige Geschäftsführer und Kreiswirtschaftförderer mit im Boot ist, macht die Sache nicht besser.
Auch Nachfragen zu einem neuen Parkplatz außerhalb des riesigen über 600 Hektar großen Flughafengeländes, das der Familie eines Finanzberaters des Flughafens gehört, machen stutzig. Da wird ganz schnell der Vorwurf des Klüngels laut.
Hier sollten der Flughafen und der Kreis Kleve als Miteigentümer ganz schnell für die notwendige Transparenz sorgen und klare Strukturen schaffen. Schließlich soll die Erfolgsgeschichte „Flughafen Weeze“ weitergehen.
<Ob der Ton, der hier von manchen angeschlagen wird, passend ist, lass ich mal dahingestellt.<
Da teile ich Ihre Kritik völlig; das schien mir so selbstverständlich, dass ich dies nicht weiter erwähnenswert fand. Auch was die Gefahr von Anonymität angeht, teile ich Ihre Sicht.
Wenn Sie mir Unsachlichkeit o.a. vorwerfen, werden Sie bitte konkret. Ich hoffe, lernfähig zu sein ...
>@Radiergummi weiß ja scheinbar ganz genau, was auf der Pressekonferenz besprochen worden ist. <
Im Kleveblog hat Ralf Daute Entsprechendes zitiert.
>Noch weniger neige ich dazu, mich instrumentalisieren zu lassen..<
Ich glaube Ihnen, dass Sie dies nicht bewusst mit sich machen lassen. Aber aus meiner, natürlich auch sehr subjektiven, Sicht haben Sie sich mit Ihrem Artikel quasi von Herrn van Bebber als Instrument seines Nichternstnehmens der kritischen Anfragen nutzen lassen. Natürlich akzeptiere ich Ihre widersprechende Sicht.
>Was mein Betriebsratsmandat übrigens damit zu tun haben soll, verstehe ich überhaupt nicht.
Dann deutlicher: Es war nicht in irgendeiner Form als Vorwurf o.ä. gemeint, sondern als Ausdruck Ihrer Professionalität. Ich folgerte aus Ihrer Betriebsratstätigkeit, dass Sie gewisse Ansprüche an ihre berufliche Tätigkeit haben und den journalistischen Anspruch ernstnehmen. Ich ging also davon aus, dass Sie sich nicht als naiven Verbreiter von Unternehmens-Pressedarstellungen verstehen wollen.
Schönen Gruß
17:37
@ markus peters
Da muss aber mehr kommen als bisher.
sie müssen drauf zugehen. es liegt in der natur der sache das benötigte faktenlagen nicht auf einen zu spurten.
aber was erzähl ich, sie sind der profi. gerne laß ich mich positiv überraschen ganz unabhängig davon ob dabei jetzt ein skandal zutage kommt oder der flughafen bzw. herr van bebber entlastet wird.
dass der wettbewerb (rp) zumindest die themen erwähnt und hier wenigstens in der kommentarfunktion auf kritik eingegangen wird bewerte ich wie der vorschreiber positiv. weiter so!
14:15
@Radiergummi @von Bernd_
Erstens halte ich es für selbstverständlich, dass man sich auch der Kritik stellt und begründet, warum die beiden Aspekte in der hier vorliegenden regionalen Berichterstattung nicht thematisiert worden sind.
Ob der Ton, der hier von manchen angeschlagen wird, passend ist, lass ich mal dahingestellt. Ist halt eben eine Frage des Stils. Und der Prostata: Anonym pinkelt mancher eben befreiter...
@Radiergummi weiß ja scheinbar ganz genau, was auf der Pressekonferenz besprochen worden ist. Dann sollte er sich aber auch entsprechend outen und unter seinem Realnamen diskutieren.
Wenn er bei der Pressekonferenz dabei gewesen wäre, dann wüsste er erstens, dass ich nicht rauche und zweites mein Verdauungstrakt auch noch ganz ordentlich funktioniert.
Insofern: Nein, ich habe die Pressekonferenz zwischendurch nicht verlassen. Ich bin auch nicht eingeschlafen, sondern habe sehr wohl gehört, was von wem gesagt worden ist bzw. gefragt worden ist (Übrigens: Niemand ist gefragt worden, ob er abgelichtet werden darf. Und von einem stillschweigenden Einverständnis kann nicht ausgegangen werden, da niemand wusste, dass er mit einem Handy abgelichtet wurde.)
Noch weniger neige ich dazu, mich instrumentalisieren zu lassen. Weder von Herrn van Bebber, noch von Herrn Daute.
Fakt ist: Bisher reichen - aus meiner Sicht - weder die Parkplatz-Aktion, noch die Arbeitnehmer-Überlassung dazu aus, einen Skandal zu konstruieren. Dazu ist die Faktenlage viel zu dürftig und - Im Parkplatzfall- auch eindeutig interessengesteuert.
Aber möglicherweise ergeben sich aber noch Ansatzpunkte für eine weitergehende Berichterstattung. Da muss aber mehr kommen als bisher.
Was mein Betriebsratsmandat übrigens damit zu tun haben soll, verstehe ich überhaupt nicht.
Gruß Markus Peters
07:15
@Markus Peters
Danke, dass Sie sich hier der Diskussion stellen und Ihre Sicht vertreten. Das finde ich sehr positiv und anerkennenswert.
Von pd und Radiergummi wurde einiges Zutreffende zu Ihren Behauptungen geschrieben. Das muss ich nicht wiederholen.
Mir ist schon klar, dass Recherche Zeit und somit Geld kostet. Einfacher ist es da sicher vermeintlich glaubwürdigen Personen zu glauben und deren Sicht unkritisch zu übernehmen.
Aber ist Ihr journalistisches Selbstverständnis wirklich so eingeschränkt? Reicht Ihnen die Rolle als williger Verbreiter von Unternehmenspropaganda?
Ich bin mir sicher, dass es Ihnen nicht reicht. Immerhin sind Sie (bzw. waren) Sie auch Vorsitzender des Betriebsrats der NRZ.
Und natürlich ist der Fragenkatalog der Kreis-SPD gerade für die sich allzu angepasst und unkritisich verhaltende Presse peinlich.
23:01
@Markus Peters
Wenn ich mir ihren letzten Kommentar durchlese, kommt es mir vor, als seien Sie gerade eine rauchen gewesen oder auf der Toilette als das Thema dran kam.
Zitat:
Frage:Wo hatten Sie denn die Info her, dass dieses Grundstück erhältlich ist?
Ludger van Bebber: Wir haben von dem, der es gekauft hat, die Info bekommen.
A und der Verkäufer sind also im Vorfeld nicht beim Flughafen vorstellig geworden.
Etwas weiter antwortet er auf die Frage hinsichtlich einer Verquickung des Flughafenberaters und des Grundstückankaufs
Er ist bei PriceWaterhouseCooper gewesen, er macht bei uns Financing/Modelling et cetera et cetera, und wir sind glücklich gewesen, dass wir einen Zugriff auf dieses Grundstück haben.
Selbstverständlich lassen wir es nicht zu, dass Wertschöpfungsketten von uns abgesaugt werden, die wir dringend benötigen, das ist doch gar keine Frage.
Wörtlich übernehmen Sie die Meinung des Herrn van Bebber, der Interessent A könne ja ein anderes Grundstück kaufen.
Das wird er nach diesen Erfahrungen schön bleiben lassen, aber wer weiss, vielleicht kommen ja die umliegenden bauernschlaue Landwirte auf die Idee laut über die Einrichtung von Parkplätzen mit Shuttle Service nachzudenken.,
Weiter ist Herr van Bebber vom Kreis Kleve mittels Überlassungsvertrag nur an die Flughafen Niederrhein GmbH ausgeliehen.worden.
Der Kreis Kleve ist aowohl an der EEL wie auch an der Flughafen Niederrhein GmbH beteiligt. Der Kreis wollte den Anteil an der GmbH zur Besicherung der Kredite erhöhen. Dieses wurde von Herrn Buurman abgelehnt.
Das können Sie alles im NRZ Archiv nachlesen.
An dieser Stelle beende ich diese Diskussion. Ich hätte von Ihnen erwartet, dass Sie eigenständig recherchieren und nicht 1:1 die Meinung des Herrn van Bebber wiedergeben.
21:30
Ich denke, man sollte als Tageszeitung sehr gut beraten sein, sich vor keinen Karren spannen zu lassen, auch nicht vor den Karren des enttäuschten Interessenten A.
Da hat jemand versucht, ein Geschäft zu machen und wurde dabei ausgebootet. Hat jemand vielleicht mal darüber nachgedacht, dass der Grundstücksveräußerer selbst mit der Parkplatz-Idee auf den Flughafen bzw. dessen Berater zugegangen ist, um den Preis in die Höhe zu treiben?
Könnte doch auch eine Variante zu sein, oder?
Übrigens: Es steht dem Interessenten A ja frei, ein alternatives Gelände anzupachten. Platz ist in Weeze ja reichlich vorhanden.
Was den Kreis angeht: Der ist zunächst lediglich Kreditgeber und - leider übrigens - nicht Mitgesellschafter. Deshalb kann er auf die Unternehmenspoliik kaum Einfluss nehmen.
Auch die SPD hat in ihrem Antrag völlig verkannt, dass van Bebber kein Kreisangesteller ist, sondern Geschäftsführer einer privaten Firma. Und als solcher darf er durchaus Mitgesellschafter einer Zeitarbeitsfirma sein, an der der Eigentümer seines Unternehmens übrigens auch beteiligt ist.
Eine solche Form der Managementbeteiligung an Tochterfirmen ist übrigens keinesfalls ungewöhnlich.
Viel spannender ist allerdings, wie die Agello GmbH sich den ind er Praxis verhält. Wo werden die Mitarbeiter eingesetzt, was wird gezahlt etc...?
Wie stehts denn damit?
18:56
@ nrz
Anfrage der SPD-Kreistagsfraktion in Sachen Flughafen/Agello... pressemitteilung von heute.
muß jetzt wirklich die lahmende spd die arbeit machen die man eigentlich von den herren peters und co erwartet? gibt es eigenlich etwas peinlicheres für eine tageszeitung?
ich bin kunde und kein stimmvieh. machen sie also gefälligst ihre arbeit!
14:15
@Markus Peters
Das Grundstück am Holtumsweg stand seit geraumer Zeit zum Verkauf.
Der Interessent A will das Grundstück kaufen und möchte einen Parkplatz mit eigenem Zubringerdienst einrichten.
Er fragt bei Gemeinde nach, ob diese etwas dagegen hat. Diese hat keine Beschwerden.
Auf mirakulöse Art und Weise erfährt Familie B aus Goch von dem Vorhaben und gibt prompt ein weit höheres Gebot ab, welches A ausbootet.
Ein Sohn der Familie B arbeitet bei einer Firma, welche rein zufällig den Flughafen berät.
Nach dem Erwerb übernimmt Familie B die Geschäftsidee des A und schliesst mit dem Flughafen einen Exklusiv-Vertrag zur Nutzung ab.
Sie bezeichnen A als Trittbrettfahrer. Der Trittbrettfahrer ist jedoch B, denn bis zu seiner Anfrage an die Gemeinde Weeze zeigten sich weder der Flughafen noch B an dem Grundstück interessiert.
Ich wäre daher sehr vorsichtig, keinen Grund für Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zu sehen.
Immerhin liegt der Verdacht nahe, dass ein Mitarbeiter der Gemeinde entgegen seiner Pflicht zur Amtsgeheminis den Flughafen über das Vorhaben des A informiert hat,
11:55
@ markus peters
der punkt ist, dass nicht der flughafen eine arbeitsnehmerüberlassung betreibt.
warum muß der flughafengeschäftsführer mitgesellschafter bei der zeitarbeitsfirma sein? unterschreibt er die überlassungsverträge jeweils selbst, einmal für sein zeitarbeitsunternehmen und einmal für den flughafen?
was bei der parkplatz sache passiert ist?! neben dem flughafen macht dort eine weitere privatperson richtig geld, diese privatperson ist über familiäre bande mit dem flughafen verknüpft. das sollte auch beim unkritischsten zumindest ein stirnrunzeln hervor rufen.
zur erinnerung: der flughafen hängt am tropf der steuermillionen des kreises. mit diesem geld ist verantwortungsvoll umzugehen.
@ nrz
seid ihr blind? taub? beides?