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Das vergessene Kunstwerk

19.08.2008 | 18:51 Uhr

STURMSCHADEN. Der Zins-Würfel ist wieder da, teilweise. Gut verschlossen wurden Ecken und Stangen. Vor einem halben Jahr.

Da schwebte der Würfel noch. Günther Zins mit dem Bild seines Kunstwerks, als es noch ein Kunstwerk war. (Foto: Heiko Kempken)

DINSLAKEN. Nunja, sagen wir mal so, mit moderner Kunst ist das so eine Sache. Und nicht alles, was über grünen Wiesen in der Luft hängt oder zwischen Bäumen baumelt, ist Kunst. Nur ist leider auch nicht alles, was ein Müllwerker mitnimmt, Müll. Und so kommt es, dass heute so mancher Dinslakener mit schamrotem Kopf durch den Stadtpark schreitet.

Es schwebt Ihnen vermutlich schon ein Verdacht vor, ein hochnotpeinlicher, nicht wahr? Bingo: Der Schwebende Würfel von Günther Zins, das edelstählerne Kunstwerk des Klever Künstlers, er wurde entsorgt? Nun, so ähnlich. Auf jeden Fall: Nicht Rabauken waren es, die mit Stahl und Alu einen schnellen Euro machen wollten, nicht Vandalen, die einfach mal was weg nehmen wollten, neinnein, es waren die Müllmänner.

Und sie waren es schon vor einem halben Jahr - und niemand hat's bemerkt. Nach unserer Berichterstattung gestern machten sich in Dinslaken viele Menschen auf, des Würfels Lösung zu finden. Leichte Beruhigung am späten Nachmittag: Teile der Skulptur konnten sichergestellt werden - der Niederrheiner an sich ist nicht nur ein aufgeräumter, er ist auch ein ordentlicher Mensch. Und vielleicht lässt sich nun doch die Skulptur rekonstruieren und alles wäre nicht ganz so peinlich.

Es war in einer Wochenend-Nacht im Februar oder März. Auf jeden Fall waren noch keine Blätter an den Bäumen im Stadtpark. Weiß Peter Heeren ganz genau. Deshalb konnte er von seiner Wohnung auch gut auf den Schwebenden Würfel gucken. Jeden Tag. Bis zu der Nacht, in der es so dunkel war, dass man nicht sehen konnte, welches Scheppern der tobende Sturm angerichtet hatte. Der Tag brachte es ans Licht: Eines der Stahlseile, die den Würfel hatten schweben lassen, war gerissen, das deformierte Kunstwerk auf den Boden geknallt. Der Würfel war gefallen.

Der Schrott muss weg

Und damit die Entscheidung getroffen: Der Schrott muss weg, gefährdet die zerborstene Skulptur doch Bürger, Bellos, Ballspielende. Jetzt kann man den Mitarbeitern des stadteigenen Entsorgers Din-Service, der unter anderem für Müll und Grün zuständig ist, wahrlich nicht den Vorwurf machen, dass sie den Wert der Kunst nicht erkannt hätten. Bis auf zwei völlig zerstörte Streben wurden die Einzelteile des Würfels gut verschlossen. Und vergessen. Wer genau wem was nicht erzählt hat, war bislang nicht zu klären. Bis vorgestern jedenfalls hatte die Nachricht, was mit dem Würfel geschehen war, weder Dinslakens Stadtsprecher Horst Dickhäuser noch den Künstler selbst erreicht.

Letzteres übernahmen dann wir: Am Telefon ist es erst mal still, als wir Günther Zins die Nachricht überbringen, dass seine schwebende Skulptur vermutlich von Müllwerkern weggeräumt wurde. "Nunja", sagt er dann, "es hätte mich schon sehr geärgert, wenn sie geklaut worden wäre oder wenn mutwillig ein paar Rabauken was kaputt gemacht hätten." Nein, dass eine seiner Arbeiten so endet, so etwas sei ihm in seiner langen Schaffenszeit noch nicht passiert. Sauer deswegen? "Nö. Ist wohl Schicksal. Aber man hätte mich ruhig in Kenntnis setzen können." Stimmt, jedoch: Es ist ja keinem aufgefallen, dass da, wo der Würfel schwebte, plötzlich nur noch Luft war.

"Die Konstruktion ist sehr präsent im Raum", so Zins, "ein bewusster Fremdkörper im Gegegensatz zu all der Natur drumherum. Den sieht man schon sehr deutlich."

Vielleicht hätte man dazu einfach abwarten müssen. Wenn bald wieder die Blätter von den Bäumen fallen, wird es vielleicht doch auffallen, dass da im Park etwas fehlt. Oder auch nicht: Din-Service-Betriebsleiter Frank Moselewski will sich dafür einsetzen, dass der Würfel in Abstimmung mit dem Künstler wieder hergestellt wird.

RALF KUBBERNUSS HEIKE WALDOR-SCHÄFER

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Kommentare
20.08.2008
08:48
Das vergessene Kunstwerk
von Hallöchen | #1

Wie schon so oft bei der Stadt. Die eine Hand weiß nicht, was die andere tut.

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