Das Museum "Nibelungen(h)ort" in Xanten ist schon pleite
28.10.2011 | 15:27 Uhr 2011-10-28T15:27:11+0200
Xanten. 600000 Euro für ein Museum, das 2842 Besucher im Halbjahr zieht, waren Xanten zu viel. Der „Nibelungenhort“, der im Frühjahr 2010 auf zwei Etagen im historischen Gebäuden des Meerturms in Xanten eröffnet hatte, ist nun pleite.
Als das Museum unter dem Namen „Nibelungen(h)ort“ im Frühjahr 2010 auf zwei Etagen im historischen Gebäuden des Meerturms in Xanten eröffnet wurde , haben Kritiker schon geunkt. Schließlich handelt es sich beim Nibelungenhort aus dem sogenannten Nationalepos der Deutschen um einen fluchbeladenen Schatz. Seit dieser Woche ist klar: Der Fluch tat seine Wirkung. Der Museumsverein hat als Träger der Ausstellung Insolvenz angemeldet.
Das Museum ist pleite, weil die Präsentation der Sage um den berühmten Drachentöter Siegfried, der angeblich im 12. Jahrhundert in Xanten geboren wurde, nicht genügend Besucher anlocken konnte. Jetzt erwägt der Förderverein für das Museum Nibelungen(h)ort seine Auflösung: Alfred Melters, Altbürgermeister und zweiter Vorsitzender des Fördervereins, spricht von einer „Niederlage auf der ganzen Linie“.
Die Investitionskosten zur Gründung und Betrieb des Museums haben der 21.000-Einwohner-Stadt einiges abverlangt: Schon zur Eröffnung wurde eine Summe von mehr als einer halben Million Euro ausgegeben. Zudem zahlte die Stadt das Mitarbeiter-Gehalt und mehrfach Zuschüsse, um die drohende Pleite doch noch abzuwenden.
Keine authentischen Artefakte
„Der Nibelungen(h)ort wird kein Vitrinenmuseum“, hatte Museumsleiter Dr. Ralph Trost vor der Eröffnung versichert. Kinder und Erwachsene sollten gleichermaßen erreicht werden. Das Konzept: Beim Betreten wurden die Besucher von einer modernen Rezeption des Nibelungenliedes - von mythischer Verklärung der Nachkriegszeit bis zu Starwars und Harry Potter - empfangen. Im weiteren Verlauf führte die Ausstellung durch die Geschichte des Liedes, seine Instrumentalisierung durch die Nazis und in den historischen Hintergrund der Zeit der Völkerwanderung.
Eine Völkerwanderung von siegfriedinteressierten Besuchern ins Museum konnte das Konzept jedenfalls nicht bewirken. Die Ausstellung entfaltete wenig Anziehungskraft, weil es keine authentischen Artefakte aus der Sage um Siegfried, Brünhilde und Hagen von Tronje gibt. Schließlich handelt es sich beim Nibelungenlied um einen mittelalterlichen Text von dem drei Handschriften aus dem 13. Jahrhundert existieren. Das berühmte Schwert Balmung oder die Tarnkappe Alberichs sind Fiktion. Die wertvollen Originale der Handschriften sind zudem nicht in Xanten zu sehen, sondern in München, St. Gallen und Donaueschingen.
Mit dem deutschlandweit bekannten Römermuseum des LVR in Xanten hat der Nibelungen(h)hort außerdem einen übermächtigen Konkurrenten am Ort. So brachen die Besucherzahlen des Nibelungen(h)ortes vollends ein, seit der LVR den Besuchern des Römermuseums unter 18 Jahren kostenlosen Eintritt gewährt.
„Hier hat die Geschichte ein Ende“
Die Spendierfreudigkeit des Xantener Hauptausschusses wurde schließlich auf eine harte Probe gestellt, als das Museum im September einen weiteren Zuschuss in Höhe von 35.000 Euro verlangte. Schließlich rechnete die Stadtverwaltung vor, dass in der ersten Jahreshälfte 2011 nur 2842 Personen die Siegfriedausstellung gesehen hätten.
Die Rolle des tragischen Helden in der Pleitegeschichte spielt Museumsleiter Dr. Ralph Trost, den sein früherer Freund und Bürgermeister von Xanten, Christian Strunk, auf den Posten gehoben hatte. Dr. Trost hat für sein Museum und gegen zahlreiche Gegner im Rat der Stadt Xanten gekämpft. Noch am Donnerstag rechnete zum Beispiel Ratsherr Herbert Dissen, der Fraktionsvorsitzende der Freien Bürgerinitiative (FBI), mit Dr. Trost ab. „Die Stadt Xanten hat sehr viel Geld in das Objekt hineingesteckt. Inzwischen sind es weit über 600.000 Euro. Durch ein schlechtes Marketing sind erhebliche Mittel in den Sand gesetzt worden.“ Kultur koste Geld, sie müsse aber auch bezahlbar sein.
Solchen Widerstand hätte der Museumsleiter mit dem Verweis auf die „Siegfriedstadt Xanten“ noch ausgesessen. Hörbar in Frage gestellt wurde das Museum erst, als Xantens Bürgermeister Christian Strunk das Museum und seinen Leiter fallen ließ. Denn in Xanten hat Strunk das Sagen. Wie heißt es doch so schön in der letzten Strophe des Epos: „Hier hat die Geschichte ein Ende.“
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