Das Kreuz mit dem Kreuz
28.12.2008 | 18:20 Uhr 2008-12-28T18:20:00+0100
Welches Wortpaar passt zusammen und wie sieht der gedrehte Würfel aus? Der Verein Mensa lud in Wesel zum IQ-Test.
WESEL. Die Stoppuhr läuft ohne Gnade. Wie teuer war doch gleich das Nachthemd der Phantasiemarke Levander? 27,49 Euro oder 23,49 Euro? Und kam es aus Marokko oder doch vielleicht aus Dänemark? Da ist er, der Knoten im Hirn. Wo jetzt bitte das richtige Kreuzchen machen? Das ist aber auch das einzige Mal an diesem Nachmittag, dass Benedikt Niemöller aus Kamp-Lintfort wenigstens ein bisschen ins Schwitzen gerät. Komplizierte Zahlenreihen ergänzen? Kein Problem für den 20jährigen Zivildienstleistenden. Und die Matheaufgaben erledigt er gleich ohne Schmierzettel, in zwei Drittel der zur Verfügung stehenden Zeit. Drei Kandidaten traten gestern beim Intelligenztest des Vereins Mensa im Tannenhäuschen an, um zu erfahren, ob sie zu jenen zwei Prozent der Menschheit zählen, deren Intelligenzquotient die magische Zahl von 130 oder mehr erreicht. Zwei von ihnen, Benedikt Niemöller und Beate Röcker, hatten sich ihr Teilnahmeticket vorab beim Wir am Niederrhein-Gewinnspiel mit der Beantwortung dreier kniffliger Fragen redlich verdient.
Von Last und Lust, sehr schlau zu sein
Testleiterin Sabine Manten war bereits 32 Jahre alt, als sie erfuhr, dass sie zu den überdurchschnittlich begabten Menschen im Lande zählt. „Das war eher ein Zufall”, erzählt die Kinderkrankenschwester aus Kleve. „Ich war zu Besuch bei Bekannten und habe während des Gesprächs eher nebenbei ein Holzpuzzle gelöst. Meine Bekannte brachte mich auf den Gedanken, einmal einen Intelligenztest machen zu lassen.” Der brachte Gewissheit – und die Aufnahme im Club der Superhirne, dem Verein Mensa. Auch Rolf Egging, am Niederrhein Ansprechpartner für den international agierenden Verein für Menschen mit einem hohen Intelligenzquotienten, weiß um Last und Lust der besonderen Begabung. Was Menschen motiviert, durch einen Test etwas über ihren Intelligenzquotienten zu erfahren? „Bei manchen ist es die pure Neugier, andere spüren lange, dass sie anders sind als andere.” Für die sei es eine Erleichterung zu erfahren, warum das so ist.
Benedikt Niemöller hat einen Abischnitt von 1,7. „Hätte theoretisch aber besser sein können. Aber ich bin ein eher stiller Typ und etwas faul.” Für Beate Röcker, Unternehmensberaterin aus Duisburg, war der gestrige Test nicht der erste. „So etwas wird auch bei manchem Bewerbungsgespräch abgefragt.” Mit mal 127, mal 128 lag ihr getesteter Quotient bislang immer knapp unter der magischen Marke. Gestern lief alles gut – nur die Knobelaufgaben mit den Würfeln bereiteten ihr Mühe. Sollte räumliches Denken doch eher Männersache sein? Egal. Dafür war für die einzige Frau an diesem Nachmittag die Gedächtnisaufgabe keinerlei Stolperstein auf dem Weg zum Ziel. Eher schon für den Dritten im Bunde, Rainer Egging, 40 Jahre alt, CNC-Fräser von Beruf. „Das ging ziemlich daneben”, lautete sein Kommentar.
Vorab hatte Testleiterin Manten ihre Prüflinge gewarnt: „Das ist ein schwerer Test. Normal intelligente Menschen mit einem durchschnittlichen IQ von 100 schaffen nur die Hälfte der Fragen. Es gibt nur eine Hand voll Menschen, die ihn überhaupt ganz geschafft haben.” Die eingangs erwähnte Gedächtnistestfrage war übrigens nur eine Beispielaufgabe – die richtigen Fragen werden geheim gehalten und dürfen nicht veröffentlicht werden.
Testergebnis kommt per Post
In zwei Wochen werden die Kandidaten schlauer sein. Dann kommt das Testergebnis – ausgewertet von einem Psychologen – per Post ins Haus geflattert. Wenn ihr IQ bei 130 oder mehr liegt, können sie Mitglied bei Mensa werden – eines von derzeit etwa 7000 bundesweit. Was sich für Benedikt Niemöller dann ändern würde? „Nicht viel”, sagt er. Studieren wird er so oder so. In Aachen. Nur was, weiß er noch nicht ganz genau. „Mathematik oder Ingenieurswissenschaft.” Und damit wird er sicher nicht verkehrt liegen.
Termine
Auch im kommenden Jahr bietet Mensa wieder Intelligenztests für 49 Euro pro Person (ab 14 Jahren) in der Gruppe an. Der nächste Termin in Kleve ist am 22. März in den Räumen der Kisters-Stiftung. Rechtsrheinisch geht es am 17. Mai im Tannenhäuschen in Wesel wieder ums schnelle schlaue Denken. Mehr im Internet: www.mensa.de
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